Service

Oskar findet die Geschichte überhaupt nicht komisch. Ein in Pattaya lebender Deutscher fährt mit dem Bus nach Bangkok, um bei der deutschen Botschaft einen neuen Reisepass zu beantragen. Ein thailändischer Mitarbeiter der Landesvertretung hält ihn am Eingang an und fragt: „Haben Sie einen Termin?“ Der Deutsche muss die Frage verneinen und erfährt: Ohne einen schriftlichen Termin könne er das Botschaftsgelände nicht betreten. Er müsse sich einen Termin über eine Email beschaffen. Der Thai macht ihm aber Hoffnung: „Ich frage mal nach, ob sie dennoch den Pass beantragen können.“

Der Rentner wartet über eine halbe Stunde vor dem Eingang. Dann fragt er höflich, wann er denn an die Reihe komme. Die barsche Antwort des Mitarbeiters: „Jetzt ist es zu spät, der Schalter ist geschlossen. Besorgen Sie sich einen Termin!“

Ja, aber wie? Der Deutsche zählt zu den vor allem älteren Menschen, die im IT-Zeitalter noch nicht angekommen sind. Er besitzt keinen Computer und hat über sein Handy keinen Internetzugang. Letztlich hilft ihm ein Bekannter. Dieser beantragt auf der Webpage der deutschen Botschaft einen Termin und druckt das Merkblatt und den Antrag auf Ausstellung eines Reisepasses aus. Wenige Tage später gibt der Rentner den ausgefüllten Antrag ab.

Oskar fragt sich: Hätte es gegen interne Regelungen der Botschaft verstoßen, den Landsmann ohne schriftlich bestätigten Termin vorzulassen? Wäre es nicht möglich gewesen, ihm zumindest einen Termin sowie Merkblatt und Antrag auszuhändigen? Das hätte Oskar unter Service von Deutschen an einem Deutschen verstanden.

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Leserkommentare

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Hans Kaechele 08.08.14 18:03
Service - von Oscar
Es ist mittlerweise unglaublich, was diese Beamten glauben sich leisten zu koennen. Botschaften sind nicht nur politische Vertretungen, sondern auch dazu da, ihren Buergern problemlos zu helfen. Das muss auch ohne eine IT-Terminbeantragung gehen. Vor einigen Jahren ist man hin und hat sich in der Warteschlange angestellt. Das ging doch auch!!! Auf der anderen Seite habe ich durch einen Deutschen erfahren muessen, dass wirklich notwendige Hilfe von dieser deutschen Botschaft nicht geleistet wurde. Ich schildere den Fall kurz, der sich vor ca 10 Jahren in Bangkok ereignet hatte. Dieser Mann (Industriemeister bei Mercedes in Stuttgart mit Werksausweis) war ausgeraubt worden. Er brauchte ein minimales Uebergangsgeld von 5000 Baht. Er bat die Botschaft ihm dies vorzustrecken. Die Verweigerung war ihm unverstaendlich, da er seine Personalien und Adresse nachweisen konnte. Ich war in der Lage ihm auszuhelfen und habe den Betrag 2 Wochen spaeter zurueckbekommen. Auch ich selbst habe im Jahre 2011 eine traurige Erfahrung mit dieser "nuetzlichen" Einrichtung machen muessen. Ein schwerer Verkehrsunfall im August 2011 in der Naehe von Chachoengsao machte mich zum Krueppel. Meine Freunde wandten sich an die Botschaft um Hilfe. Die Auskunft "Dies sei nicht ihre Sache" ist bezeichnend fuer die Deutsche Botschaft in Bangkok.