Gehalts-Schlichtung bei Lufthansa erfolgreich - neuer Streit

Foto: epa/Stephanie Pilick
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FRANKFURT/MAIN (dpa) - Nach 14 Streiks haben Lufthansa und ihre Piloten eine erste Teillösung erreicht. Das Unternehmen und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit nahmen am Mittwoch die Empfehlung des Schlichters Gunter Pleuger zu den künftigen Pilotengehältern an. Zugleich erklärte der Konzern einseitig, 40 neue Flugzeuge nicht mehr mit Piloten zu besetzen, die nach dem umstrittenen Konzerntarifvertrag (KTV) bezahlt werden. Mit dem Einsatz kostengünstigerer Piloten sollen die 85 Millionen Euro für die Gehaltssteigerungen kompensiert werden.

Die VC reagiert darauf zunächst nicht und empfahl ihren Mitgliedern, bei der anstehenden Urabstimmung den Kompromiss zum Gehalt anzunehmen. Es ist aber damit zu rechnen, dass der Lufthansa-Vorstoß die weiteren Gespräche zu den noch offenen Tarifthemen wie Betriebsrenten und Übergangsversorgung belasten wird. Dort sind neue Pilotenstreiks keineswegs ausgeschlossen.

Die rund 5.400 Piloten im Konzerntarifvertrag (KTV) von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings erhalten nach der Einigung in vier Stufen insgesamt 8,7 Prozent mehr Geld. Zusätzlich gibt es eine Einmalzahlung im Gesamtvolumen von rund 30 Millionen Euro, was voraussichtlich einer Ausschüttung von 5.000 bis 6.000 Euro je Beschäftigtem entspreche, teilte das Unternehmen mit. Die Laufzeit der Vergütungstarifverträge gilt bis Ende 2019.

Der Konzern bezifferte die Gesamtkosten auf 85 Millionen Euro, die an anderer Stelle kompensiert werden müssten. 40 neu zugehende Flugzeuge sollten außerhalb des KTV eingesetzt werden dürfen. Es blieb unklar, ob es sich um zusätzliche Maschinen handelt oder um Ersatzjets für die bestehende Lufthansa-Flotte mit derzeit 334 Maschinen (Stand 30. September 2016). Der Konzern will dafür möglicherweise eine neue Gesellschaft gründen und umgeht damit den KTV.

Die Kabinengewerkschaft Ufo sieht in der geplanten Ausgründung «eine Gefahr für alle Mitarbeiter und die Integrität des Unternehmens». Von den Maßnahmen würden auch Tausende Flugbegleiter und Bodenbeschäftigte betroffen. «Eine Eskalation, wie sie sich nun abzeichnet, verbunden mit der Ausgründungsdrohung gefährdet den von LH bisher so erfolgreich eingeschlagenen Weg der Konsolidierung und das völlig unnötig», erklärte Ufo-Tarifvorstand und Lufthansa-Aufsichtsrat Nicoley Baublies. Er verlange eine Sondersitzung des Aufsichtsrats.

Formal ging es in der Mitte Januar begonnenen Schlichtung ausschließlich um die Gehälter der 5.400 Piloten, die nach dem Konzerntarifvertrag für die Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings fliegen. Pleugers Schlichterspruch musste sich folglich auf dieses Thema beschränken.

Kurz vor Ende des Schlichtungsverfahrens hatte Lufthansa die Piloten bereits vor einem zu hohen Abschluss gewarnt und mit der Gründung einer neuen Gesellschaft gedroht. Der umstrittene Konzerntarifvertrag sieht vor, dass Flugzeuge der Marke Lufthansa nahezu ausschließlich von Piloten geflogen werden dürfen, die nach dem KTV beschäftigt werden. Lufthansa sucht daher nach Wegen, Flugzeuge mit billigeren Piloten betreiben zu können. Im Konzern sind die KTV-Piloten bereits in der Minderheit. Bei allen Töchtern wie Swiss, Austrian, Brussels und Eurowings wird weniger gezahlt.

Der Tarifkonflikt läuft seit bereits seit 2012 - mit mittlerweile 14 Streiks, 500 Millionen Euro Kosten und ungezählten Verhandlungsrunden. Der bislang letzte Streik hatte Reisepläne von Lufthansa-Kunden Ende November durcheinander gebracht.

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Leserkommentare

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Jürgen Franke 18.02.17 18:05
Wenn ein Unternehmen nicht über den Umsatz
mehr Gewinn generieren kann, müssen Kosten zusammengestrichen werden. Und hier bieten sich vor allem die Lohnkosten an, sofern nicht die Gewerkschaften die Interessen der Arbeitnehmer vertreten. Solange nicht die Sicherheit im Flugverkehr in Mitleidenschaft gezogen wird, werden diese Auseinandersetzungen den Verbraucher relativ wenig interessieren. Es sei den, dass die Piloten, mit etwas Druck, veranlaßt werden, auch über den Spritverbrauch Kosten zu sparen.
Andreas Keasling 18.02.17 16:28
Sie haben Recht....
in einem weltwirtschaftlich, also global geltenden Wirtschaftssystem das nur noch das Ziel hat die niedrigsten Löhne zu zahlen, (mit Ausnahmen der Politiker, Manager und Kapitaleigner), ist es unmöglich, sich dem lokal oder partiell zu entziehen. Trotzdem finde ich es gut, dass es ein paar Aufrechte gibt, die sich dem entziehen wollen und dies auch noch erfolgreich tun. Sollen doch die Anderen die nicht kämpfen wollen die Sklavenlöhne haben, Hauptsache wir haben sie nicht, das unterstütze ich trotz Allem voll und ganz Gegen den Strom zu schwimmen mag beschwerlich sein, aber immer noch besser als mit dem Strom unterzugehen.
Wolfgang Krichel 17.02.17 20:51
Die Chefs der Luthansa haben recht
Liebe Kollegen bei der Ufo. Ich kann diesen W"eg der Lufthansa voll verstehen und habe schon früher damit gerechnet, Wäre ich dort Aktionär würde ich die Chefs fragen was Sie mit meinem Geld machen. So liebe Mitarbeiter der Lufthansa so geht es nicht weiter, Das müsst Ihr selber wissen, denke ich