PATTAYA: Der einfallsreiche und zugleich hoch umstrittene Geschäftsmann Wolfgang Ullrich ist tot. Am 28. November 2025 starb er im Alter von 80 Jahren auf der kambodschanischen Insel Koh Kong. Mit ihm endet eine Biografie, die wie kaum eine andere für die Extreme deutscher Expatriate-Geschichte in Südostasien steht: für spektakulären Aufstieg, maßlosen Reichtum, tiefen Fall und ein stilles Ende fern der einstigen Bühne.
Ullrich war Anfang der 1980er Jahre nach Thailand gekommen. In Pattaya investierte er Millionen – wohlgemerkt Deutsche Mark – und prägte über Jahre hinweg das Bild der Stadt.
Pattayas deutscher Macher der 80er
Restaurants wie das Bavaria House I an der Beach Road und das Bavaria House II an der Second Road/Soi Diana Inn wurden feste Größen der deutschsprachigen Szene. Hinzu kamen Beteiligungen an Bars, Hotels und einer Fabrik, der Ausbau der Einkaufspassage an der Soi Diana Inn, ein Schönheitssalon für seine thailändische Ehefrau Rosalin sowie eine luxuriöse Wohnanlage für Senioren zwischen der Soi 17 und der Thappraya Road. Ullrich inszenierte sich als erfolgreicher Selfmade-Unternehmer, als Mann, der es „geschafft“ hatte – und wurde in der Expat-Gemeinschaft bewundert, hofiert und nicht selten beneidet.
Während in Thailand der Glanz dominierte, wuchs in Deutschland bereits der Schatten. Als Vorsitzender des Deutschen Tierhilfswerks hatte Ullrich in den 1990er Jahren ein Spendensystem aufgebaut, das Hunderttausende Unterstützer mobilisierte und enorme Geldströme erzeugte. Die emotionale Ansprache von Tierfreunden erwies sich als höchst effektiv – doch ein erheblicher Teil der Gelder floss nicht in den Tierschutz, sondern in seinen luxuriösen Lebensstil. Die Ermittlungen der deutschen Justiz brachten einen der größten Spendenskandale der Bundesrepublik ans Licht.
Festnahme und Jacht „Last Money“
Sein luxuriöses Leben in Pattaya endete abrupt. Bereits am 31. Dezember 1997 hatten thailändische Behörden Ullrich intern zur Persona non grata erklärt. Öffentlich bekannt wurde dies erst später. Am 14. September 1998 erfolgte die Festnahme in Pattaya. Zunächst kam Ullrich in Abschiebehaft, doch eine Ausweisung unterblieb, da Thailand eigene strafrechtliche Vorwürfe verfolgte. Die Justiz beschuldigte ihn der Steuerhinterziehung sowie der illegalen Einfuhr einer Luxusjacht mit dem bezeichnenden Namen „Last Money“. Das Schiff war ohne ordnungsgemäße Verzollung ins Land gebracht worden.
Im Herbst 1999 verurteilte das Kriminalgericht in Bangkok Ullrich zu einer Geldstrafe von 79 Millionen Baht. Da er die Zahlung verweigerte oder nicht leisten konnte, wurde die Strafe in eine zweijährige Freiheitsstrafe umgewandelt, die er im thailändischen Strafvollzug verbüßte. Der einstige Ferrari-Fahrer der Beach Road saß nun als rechtskräftig Verurteilter im Gefängnis.
Am 15. Dezember 1999 kam Ullrich im Zuge einer königlichen Amnestie frei. Die Freiheit währte nur kurz. Unmittelbar danach wurde er erneut in Abschiebehaft genommen, da inzwischen ein internationaler Haftbefehl aus Deutschland eingetroffen war. Die Münchner Staatsanwaltschaft hatte ihn wegen der Unterschlagung von Spendengeldern in Millionenhöhe angeklagt und die Auslieferung erwirkt. Alle juristischen Versuche, sich gegen die Übergabe zu wehren, scheiterten. Am 27. Dezember 2000 entschieden thailändische Richter letztinstanzlich, dass Ullrich innerhalb von drei Monaten an deutsche Behörden zu übergeben sei. Am 15. Februar 2001 nahmen deutsche Polizeibeamte ihn am Münchner Flughafen in Empfang.
Prozess, Haft und Exil in Kambodscha
In Deutschland folgte ein langwieriger Prozess, der mit einer mehrjährigen Haftstrafe endete. Nach seiner Entlassung blieb Ullrich der Weg zurück nach Thailand dauerhaft versperrt. Die Behörden verhängten ein langfristiges Einreiseverbot. Ab etwa 2008 wich er nach Kambodscha aus, lebte in Phnom Penh, Sihanoukville und schließlich auf Koh Kong. Dort verbrachte er seine letzten Jahre weitgehend zurückgezogen, blieb jedoch über alte Kontakte mit der Pattaya-Szene verbunden.
Sein Tod wurde nicht durch offizielle Stellen bekannt, sondern über private Kanäle der deutschsprachigen Community in Südostasien. Noch am Tag seines Ablebens soll er beigesetzt worden sein.
Wolfgang Ullrich hinterlässt kein eindeutiges Vermächtnis. Für die einen bleibt er ein Betrüger, der das Vertrauen hunderttausender Spender missbrauchte. Für andere war er eine prägende Figur einer Zeit, in der Pattaya für viele Deutsche Aufbruch, Freiheit und Exzess bedeutete. Sein Leben steht sinnbildlich für die Ambivalenz dieser Epoche – und für den hohen Preis moralischer Grenzüberschreitungen.