Wahl : Dauerherrschaft der Colorado-Partei in Gefahr

Santiago Pena Palacios, Präsidentschaftskandidat der regierenden Colorado-Partei in Paraguay, gestikuliert vor seinen Anhängern. Foto: epa/Daniel Piris
Santiago Pena Palacios, Präsidentschaftskandidat der regierenden Colorado-Partei in Paraguay, gestikuliert vor seinen Anhängern. Foto: epa/Daniel Piris

ASUNCIÓN: Seit rund 70 Jahren geben die Konservativen in dem südamerikanischen Land den Ton an. Zuletzt wurde die Regierungspartei jedoch von einem Korruptionsskandal erschüttert, die Opposition wittert die Chance auf einen historischen Stimmungswechsel.

Die Partido Colorado ist wohl eine der erfolgsverwöhntesten politischen Parteien der Welt. In den vergangenen 76 Jahren hat sie nur eine Wahl in Paraguay verloren. Am Sonntag stimmen die Paraguayaner wieder über ihren künftigen Staatschef ab.

Dann wird sich zeigen, ob die Colorado-Partei ihren historischen Lauf fortsetzen kann oder zum erst zweiten Mal seit den 1940er Jahren in die Opposition gehen muss.

In den Umfragen liegen der frühere Finanzminister Santiago Peña von der Partido Colorado und der langjährige Abgeordnete Efraín Alegre von der Radikal-Liberalen Partei vorne. Der Oppositionskandidat könnte von den jüngsten Korruptionsvorwürfen gegen hochrangige Mitglieder der Colorado-Partei profitieren. Zuletzt setzten die USA den Parteivorsitzenden und paraguayischen Ex-Präsidenten Horacio Cartes sowie den amtierenden Vizepräsidenten Hugo Velázquez auf die Sanktionsliste.

Peña will im Falle eines Wahlsiegs vor allem die wirtschaftliche Entwicklung des Landes vorantreiben. «Arbeitsplätze, Investitionen in Humankapital, Gesundheit, Bildung. Die nächsten Jahre könnten die besten Jahre für Paraguay werden. Aber wir müssen all unser Wissen, unsere Erfahrung und unsere Entschlossenheit einbringen», sagte Peña dem Fernsehsender CNN Español.

Tatsächlich könnten auf Paraguay goldene Zeiten zukommen. Im August läuft ein Abkommen mit Brasilien aus, nach dem Paraguay seinen überschüssigen Strom aus dem gemeinsamen Wasserkraftwerk Itaipu zu festgesetzten Preisen an das Nachbarland verkaufen muss. Paraguay selbst benötigt nur etwa acht Prozent seines Anteils aus dem zweitgrößten Wasserkraftwerk der Welt für den eigenen Energiebedarf. Wenn es den überschüssigen Strom künftig auf dem freien Markt verkaufen kann, dürfte das satte Gewinne in die Staatskasse spülen.

Oppositionskandidat Alegre hat im Wahlkampf angekündigt, gegen die Korruption vorzugehen und sozialen Ausgleich zu schaffen. «70 Jahre war die Regierung jetzt am Steuer. Wir wollen die Chance, zu zeigen, dass ein anderes Paraguay möglich ist - ein Paraguay der Arbeit, der Anstrengung, ein solidarisches Paraguay, das Antworten auf die Bedürfnisse der Menschen findet», sagte der Jurist.

Außerdem kündigte er an, diplomatische Beziehungen zu China aufzunehmen. Bislang ist Paraguay eines der wenigen Länder weltweit, die noch Beziehungen zu Taiwan unterhalten. Wegen Pekings Ein-China-Politik können Länder nur Beziehungen zu Taiwan oder zu China unterhalten, nicht zu beiden Staaten. Die einflussreichen Landwirte in Paraguay wünschen sich schon lange die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu China, weil sie sich dadurch bessere Exportchancen beispielsweise für Soja und Rindfleisch ausrechnen.

Paraguay hat knapp sieben Millionen Einwohner und ist neben Bolivien das einzige Land Südamerikas ohne Zugang zum Meer. Die wichtigsten Exportgüter sind Soja, Elektrizität und Rindfleisch. Außerdem ist Paraguay einer der wichtigsten Marihuana-Produzent der Welt. Vor allem im Grenzgebiet zu Brasilien und Argentinien leidet das Land unter einer hohen Kriminalität.

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