Unter Trump steuern China und USA auf Konfrontationskurs

 US Demokratische-Partei-Anhänger beobachten eine Live-Berichterstattung über die US-Präsidentschaftswahl in der amerikanischen Handelskammer (AmCham) in Hongkong. Foto: epa/Alex Hofford
US Demokratische-Partei-Anhänger beobachten eine Live-Berichterstattung über die US-Präsidentschaftswahl in der amerikanischen Handelskammer (AmCham) in Hongkong. Foto: epa/Alex Hofford

PEKING (dpa) - Chinas Führer mögen Clinton nicht, aber Trump könnte ihnen schlaflose Nächte bereiten. Von Handelskrieg und militärischen Muskelspielen ist die Rede. Peking hofft auf den pragmatischen «Geschäftsmann» Trump - fürchtet aber die Unberechenbarkeit des Populisten.

Chinas Präsident Xi Jinping machte am US-Wahltag zwei wichtige Telefonanrufe: Er sprach mit den beiden chinesischen Astronauten im All, die für das Milliardenvolk den Aufstieg Chinas zur neuen Weltmacht symbolisieren. Und er gratulierte dem nächsten Mann im Weißen Haus, Donald Trump, der «Amerika wieder stark machen» will. Xi äußerte seine Hoffnung auf eine Zusammenarbeit «mit Respekt und ohne Konfrontation» - wohlwissend, dass sein «chinesischer Traum» mit dem «amerikanischem Traum» des neuen US-Präsidenten kollidiert.

Auch wenn einige Beobachter auch Chancen für China ausmachen wollen, steuern die beiden größten Volkswirtschaften auf konfliktreiche Zeiten zu. «China sorgt sich am meisten wegen der Ungewissheit», sagt die Asien-Pazifik-Expertin Yu Yingli. «In Vergleich zu Hillary Clinton ist Trump unberechenbarer.» Der bekannte Professor der Volksuniversität, Shi Yinhong, erwartet «sehr negative Auswirkungen auf Wirtschaft und Finanzen» - nicht nur für China, sondern für alle großen Volkswirtschaften in der Welt.

In Pekings Außenministerium gibt es hingegen noch die Hoffnung, dass die provokativen Worte des Präsidentschaftskandidaten gegen China doch wieder «nur ein Bluff» waren, und Trump auch im Oval Office doch wieder ganz der pragmatische «Geschäftsmann» sein wird. «Es hat Tradition, im US-Wahlkampf auf China einzuschlagen», sagt eine hohe Beamtin vertraulich. «Am Ende kommt es doch anders.»

Im Wahlkampf beschuldigte Trump die Chinesen, amerikanische Jobs «zu stehlen» und die Währung «zu manipulieren». Er drohte mit hohen Zöllen auf Importe, was einen Handelskrieg auslösen könnte. China nimmt es selbstbewusst, denn es würde auch US-Firmen treffen. «China und die USA sind wirtschaftlich voneinander abhängig, deswegen können wirtschaftliche und politische Spannungen ein zweischneidiges Schwert sein», warnt die chinesische «Global Times». «China ist stark genug, um mit dem Sieg Trumps umzugehen», titelt das Blatt.

Ist aber der Handel gestört, fehlt ein wichtiges Bindeglied in den politischen Beziehungen. Chinas exportabhängige Wirtschaft dürfte auch unter den weltwirtschaftlichen Turbulenzen leiden, die Trumps «ökonomischer Nationalismus» auslösen könnte. Gerade jetzt, wo die globale Nachfrage und das Wachstum schwächeln, käme das ungelegen.

Erfreut dürften Chinas Führer wohl verfolgt haben, dass sich Trump bisher wenig an Menschenrechtsverletzungen in China störte. Auch bietet seine Wahl der kommunistischen Propaganda die Möglichkeit, genüsslich die Defizite westlicher Demokratien aufzuzeigen. Die größte Chance für Peking böte Trump aber, wenn er wirklich den strategischen «Schwenk» der USA unter seinem Vorgänger Barack Obama in die Asien-Pazifik-Region rückgängig machen würde.

Trumps Forderung an Südkorea und Japan, für den «Schutzschirm» des US-Militärs zu zahlen, demonstrierte Abneigung gegenüber diesen militärischen Allianzen, was Peking freute. Aber was ist, wenn Japan und Südkorea sich dann selbst Atomwaffen zulegen, um ihre Sicherheit zu schützen und die Bedrohung durch Nordkorea in Schach zu halten? Wettrüsten und Instabilität in Ostasien ist nicht in Chinas Interesse, ganz zu schweigen von einer Eskalation mit Nordkorea.

Auch muss Peking ganz vorsichtig mit seiner Hoffnung sein, dass die USA unter Trump vielleicht im Territorialstreit im Südchinesischen Meer zurückrudern würden - es könnte nämlich alles ganz anders kommen. So plädieren zwei seiner außenpolitischen Wahlkampfberater, Alexander Gray und Peter Navarro, eher für einen härteren Kurs als bisher. Der «Schwenk» der USA nach Asien sei halbherzig gewesen: «Laut reden, aber einen kleinen Stock tragen». China beansprucht große Seegebiete mit bedeutenden Fischgründen, Rohstoffvorkommen und Schifffahrtsstraßen. In dem Meeresgebiet reibt sich China mit der alten Pazifikmacht USA.

Die schwache Umsetzung der Politik unter Clinton als Außenministerin «hat die chinesische Aggression im Ost- und Südchinesischen Meer eingeladen», schreiben sie in der Publikation «Foreign Policy». Beide fordern einen Ausbau der US-Marine und Waffenverkäufe an Taiwan, um ein Gegengewicht zu Chinas wachsender Militärmacht zu schaffen. Auch kritisieren sie die «strategische Geduld» der USA gegenüber Nordkorea, das derweil Atomtests abhält und Raketen entwickelt.

Die Strategie Trumps beschreiben beide Berater als «Vision des Friedens durch Stärke». Und auch wenn der neue US-Präsident sein Team noch nicht bestellt hat, macht sich der Außenpolitik-Experte Shi Yinhong in Peking nichts vor: «Er wird einen harten Kurs steuern.»

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Wilfried Stevens 21.06.17 20:38
Der Titel ist schon provozierend
Der Autor sollte bitte nicht den selben Fehler machen wie die voreingenommeden Medienkartelle und Politiker, die zu 100% auf Clinton setzten, die Frau, die jede Destabilisierung, Krieg und Ermordung von Staatsmänner befürwortete ... hoffe das unter Trump auch die NATO in Frage gestellt wird, ob er sich gegenüber der Militär-Doktrin durchsetzen kann, muss man abwarten...
Jack Norbert Kurt Leupi 13.11.16 23:16
Möglicherweise sollten die Amis
Geehrter Jürgen ! Da hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen , denn da liegt der Hund begraben ! Das alte , verrottete und meiner Meinung nach undemokratische System der Wahlmänner ! In den USA entscheidet nicht die Volkswahl über den Präsidenten , denn die "verfaulte" Verfassung sieht die indirekte Wahl vor ! Die Wähler wählen die Wahlmänner !
Jürgen Franke 13.11.16 18:25
Möglicherweise sollten sich die Amis
ein etwas übersichtlicheres Wahlsystem ausdenken. Die Funktion der sogenannten Wahlmänner scheint etwas antiquiert.
Jack Norbert Kurt Leupi 12.11.16 23:05
Populisten /Herr D.Pires
Bevor Sie sich über in die rechtsextreme Ecke gedrückte Hälfte der "Hunderten Millionen von Amis" betroffen fühlen,sollten Sie sich zuerst über die Endergebnisse der Wahl erkunden ! Von den ca.320 Mil. in den USA Wohnenden, die ja nicht alle wahlberichtigt sind , gingen nur ca. 121 Mil.an die Wahlurne. Hillary erhielt 60`563` 316 oder 47,6 % Stimmen ,aber nur 232 Wahlmännerstimmen , während der Populist Trump 60`123`187 oder 47,3 % Stimmen erhielt, aber mit 316 Wahlmänner-Votes die einzigartige Schlammschlacht gewann ! Also ist Ihre Einschätzung masslos übertrieben ! "Es ist natürlich wesentlich leichter aus Mücken Elefanten zu machen als umgekehrt " ! Leider ist der Rechts-Populismus und Extremismus um einiges gefährlicher als der Links-Populismus , weil er sich gegen Einwanderer , Ausländer und kulturelle Pluralität richtet ! Somit für die USA ,als reines Einwanderer-Land untragbar ! Für die CH allerdings siehts ein bisschen anders aus !
Dracomir Pires 12.11.16 14:48
Populist
Dises Wort sollten die Medien so sparsam wie nur möglich verwenden. Denn schliesslich wird so die Hälfte der Hunderten Millionen Amerikaner in die rechtsextreme Ecke gedrückt. Oder anders gesagt: Plötzlich sind die Mehrheiten in den USA und in Europa Populisten. Was sind dan die Minderheiten?