Drohnen setzten russische Öldepots und Raffinerie in Brand
TAGANROG/KRASNODAR: Das russische Militär meldet den Abschuss von 370 ukrainischen Drohnen in der Nacht. Ölanlagen im Süden des Landes brennen trotzdem. Einmal mehr setzen die Ukrainer empfindliche Nadelstiche.
Die Ukraine hat in der Nacht mit Drohnen eine Raffinerie und mehrere Öldepots im Süden Russlands angegriffen und beschädigt. Einmal mehr gab es einen Brand in der Raffinerie von Ilski südwestlich von Krasnodar, wie der Krisenstab der Region mitteilte. Menschen seien bei dem Angriff nicht zu Schaden gekommen, heißt es in der Mitteilung. Die Raffinerie ist eine der am häufigsten attackierten Ölobjekte in Russland. Ukrainische Drohnen haben sie bereits mehr als ein Dutzend Mal angegriffen.
Auch in der Region Rostow gibt es erneut Schäden an Ölanlagen. In der Stadt Asow seien zwei Objekte zur Lagerung von Öl und ein Verwaltungsgebäude in Brand geraten, teilte der Rostower Gouverneur Juri Sljussar bei Telegram mit. In der Großstadt Taganrog geriet der Hafen unter Beschuss. Die Löscharbeiten liefen, schrieb Sljussar. Auch in diesem Fall gab es keine Opfer. Das russische Militär meldete den Abschuss von insgesamt mehr als 370 Drohnen in der Nacht.
Seit mehr als vier Jahren führt Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Diese wehrt sich nun verstärkt mit Drohnenangriffen, die neben Militärobjekten auch auf Rüstungsbetriebe und strategisch wichtige Anlagen der Ölindustrie zielen. Wegen der ständigen Attacken ist in Russland die Verarbeitung von Öl deutlich gesunken. In praktisch allen russischen Regionen mangelt es an Treibstoff.
«The Times»: Ein Vertrauensvotum von Trump für Selenskyj
LONDON: US-Präsident Donald Trump hat der Ukraine eine Lizenz für die Produktion von Patriot-Flugabwehrraketen in Aussicht gestellt. Dazu meint die Londoner «Times» am Freitag:
«Der Präsident der Ukraine hat sich die Unterstützung von Donald Trump für die Einrichtung einer Produktionslinie für amerikanische Patriot-Raketen in seinem Land gesichert, um russische ballistische Raketen besser abwehren zu können. Das ist allerdings leichter gesagt als getan: Die Produktion erfordert den Transfer modernster US-Technologie nach Kiew und den Aufbau einer dezentralen Montagelinie. Die Abwehr ballistischer Raketen ist die große Lücke im ukrainischen Rüstungsarsenal, aber die derzeitige Patriot-Produktion in den USA reicht nicht einmal aus, um deren eigenen Bedarf zu decken.
Doch unabhängig davon ist das Patriot-Angebot ein Vertrauensvotum von Trump für Präsident Wolodymyr Selenskyj. Nachdem der US-Präsident ihn im Oval Office verspottet hatte, weil er im Spiel um Leben und Tod mit Präsident Wladimir Putin «keine Trümpfe» in der Hand habe, sah Trump sich zu einem Umdenken gezwungen. Auslöser dafür waren die enorme Findigkeit und Widerstandsfähigkeit der Ukraine im fünften Kriegsjahr. Weitreichende Angriffe auf Ölraffinerien mit in der Ukraine entwickelten Drohnen und Raketen haben die russische Kraftstoffproduktion gelähmt, was zu Rationierungen und Warteschlangen an Tankstellen geführt hat. Und brennende Öltanks lassen sich nicht verheimlichen.»
«Sme»: Nato-Gipfel sendet gemischte Signale an die Ukraine
BRATISLAVA: Zum Nato-Gipfel in Ankara und dem Patriot-Angebot von US-Präsident Donald Trump an die Ukraine schreibt die slowakische Tageszeitung «Sme»:
«Die Schlusserklärung von (Nato-Generalsekretär) Mark Rutte und die Äußerungen Donald Trumps erwecken den Eindruck, dass der Nato-Gipfel gar nicht optimistischer enden hätte können. Die Versicherung einer gemeinsamen Unterstützung der Ukraine durch die Allianz, das unglaublich klingende «Die Allianz ist geschlossener denn je» von Rutte, die Vorbereitungen zu einer europäischen Hilfe in der Straße von Hormus, das alles sind Anzeichen, dass es die Skeptiker schwer haben werden, ihre vor dem Gipfel geäußerten negativistischen Erwartungen aufrechtzuerhalten. (...)
Am erfreulichsten war Trumps Versprechen einer Lizenz zur Patriot-Produktion für die Ukraine, weil sie «ein Land (sei), das zur europäischen Sicherheit beiträgt». Paradox ist allerdings: Der Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union steht außer Streit, offen ist nur bis wann, denn Kiew wird wohl noch jahrelang nicht bereit dafür sein.
Auf der anderen Seite wird der Beitritt zur Nato weitgehend abgelehnt, obwohl sie, wie wir doch gerade verwundert hören, «zur europäischen Sicherheit beiträgt», was doch eigentlich eine direkte Einladung sein sollte. Tatsächlich hätte die Nato wohl - abgesehen von den USA - kein legitimeres Mitglied als die Ukraine.»