Schüsse auf Exilkünstler waren politischer Mord

Donald Tusk spricht mit Journalisten im polnischen Parlamentsgebäude in Warschau. Foto: epa/Radek Pietruszka
Donald Tusk spricht mit Journalisten im polnischen Parlamentsgebäude in Warschau. Foto: epa/Radek Pietruszka

WARSCHAU: Ein russischer Künstler in Polen wird erschossen. Der Verdacht eines politischen Mordes steht im Raum. Nun verkünden die polnischen Behörden einen Fahndungserfolg.

Nach den tödlichen Schüssen auf einen exilierten russischen Künstler in Polen ist nach Angaben von Ministerpräsident Donald Tusk ein Verdächtiger festgenommen worden. Der Mann mit einem georgischen Pass sei möglicherweise an der Tat beteiligt gewesen, sagte Tusk der Nachrichtenagentur PAP zufolge in Warschau. Die Festnahme gehe auf das Konto der Polizei der Woiwodschaft (Regierungsbezirk) Lublin und des polnischen Inlandsgeheimdienstes ABW.

Der Zugriff sei in der Nähe von Warschau erfolgt, teilte die Polizei von Lublin mit. Bei der Identität des Mannes legte sich die Behörde nicht fest: «Der Festgenommene benutzte einen Pass, der auf einen 36-jährigen Bürger Georgiens ausgestellt ist», hieß es. Der Radiosender RMF berichtete, bei der Festnahme in einem Arbeiterwohnheim in Piastow seien Antiterrorkräfte im Einsatz gewesen. Es gebe Hinweise, dass der Pass des Festgenommenen gefälscht sei. Es könnte sich bei dem Mann um einen Tschetschenen handeln.

Festgenommener mit krimineller Vergangenheit

Der Festgenommene habe eine kriminelle Vergangenheit, sagte der polnische Geheimdienstkoordinator Tomasz Siemoniak. Der Verdacht auf eine Beteiligung ausländischer Geheimdienste und Staaten werde intensiv geprüft. Es sei eine bekannte Vorgehensweise fremder Dienst, Kriminelle für verschiedene Aktionen anzuheuern, sagte er.

Tusk sieht möglichen Fall von Staatsterrorismus

Der russische Aktionskünstler und Karikaturist mit dem Pseudonym Semjon Skrepezki war am Montag in der ostpolnischen Kleinstadt Biala Podlaska auf offener Straße mit fünf Schüssen getötet worden. Tusk sprach am Mittwoch davon, dass vieles auf einen politischen Mord hindeute, selbst wenn man noch auf nähere Beweise warten müsse. Sollte Russland seine Hand im Spiel haben, sei dies ein Fall von Staatsterrorismus, sagte er.

Zwei Männer aus Belarus waren wegen der Tat vorübergehend festgenommen worden. Sie wurden aber wieder freigelassen, weil es keine Beweise für eine Beteiligung gab.

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