Tolisso-Verletzung bedrückt Flick

Frankfurt «beste Mannschaft 2021»

Der Trainer des FC Bayern München, Hans-Dieter Flick (l.), im Gespräch mit Spieler Corentin Tolisso. Foto: epa/Alexander Hassenstein
Der Trainer des FC Bayern München, Hans-Dieter Flick (l.), im Gespräch mit Spieler Corentin Tolisso. Foto: epa/Alexander Hassenstein

MÜNCHEN: Vor dem 100. Liga-Duell mit Frankfurt ereilt die Bayern die nächste bittere Verletzten-Nachricht. Die Liste der Ausfälle ist prominent und lang. Immerhin kehren Goretzka und Boateng beim Topspiel zurück.

Hansi Flick sprach von «Schock» und sogar von einer «Tragödie». Der Trainer des FC Bayern wirkte immer noch mitgenommen, als er am Freitag zum Topspiel des Bundesliga-Spitzenreiters beim bockstarken Tabellenvierten Eintracht Frankfurt sprach. Die schwere Verletzung von Fußball-Weltmeister Corentin Tolisso trifft Flick nicht nur menschlich. Das vorzeitige Saison-Aus des 24 Jahre alten Franzosen verschärft auch die Personallage bei den Münchnern.

«Mir tut es einfach leid. Da war jeder sehr geschockt und sehr traurig», sagte Flick zum folgenschweren Trainingsmoment. Bei einem Schuss zog sich Tolisso einen Muskelsehnenriss im linken Oberschenkel zu. Der Mittelfeldspieler humpelte bei der nicht-öffentlichen Einheit am Donnerstag mit «enormen Schmerzen» vom Platz. Tags darauf wurde Tolisso gleich operiert. Er fällt laut Flick mindestens drei Monate aus. Auch die EM im Sommer mit dem Auftaktspiel der Franzosen gegen Deutschland in seiner Wahlheimat München muss Tolisso abschreiben.

Lange hadern können Flick und seine arg dezimierten Bayern aber nicht. Im 100. Ligaduell mit der Eintracht geht es am Samstag (15.30 Uhr/Sky) darum, dass der auf fünf Punkte geschmolzene Vorsprung auf Verfolger RB Leipzig nicht weiter schrumpft. Drei Tage später geht dann die Mission Titelverteidigung in der Champions League bei Lazio Rom weiter. «Vor einigen Wochen hatten wir noch einen vollen Kader», sinnierte Flick: «Es ist wichtig, dass wir diese Phase überstehen.»

Denn neben Tolisso fehlen wichtige Stammkräfte wie Thomas Müller, Benjamin Pavard (beide Corona-Quarantäne) und Serge Gnabry (Muskelfaserriss) sowie als Joker Douglas Costa (Haarriss am Fuß).

Flick sieht sein Team wegen der schwierigen Voraussetzungen nicht in der Favoritenrolle. «Eintracht Frankfurt hat die beste Mannschaft 2021, hat die meisten Punkte geholt, hat einen sehr guten Lauf, hat aktuell eine sehr gute Form», zählte er auf. Nach 22 von 24 möglichen Zählern in diesem Jahr klopfen die Hessen ans Tor zur Königsklasse.

Trotzdem wird Trainer Adi Hütter vor dem Kräftemessen mit dem Serienmeister nicht übermütig. «Wir brauchen ein perfektes Topspiel, einen Sahnentag», sagte der Österreicher. Dafür könnte in erster Linie André Silva sorgen. Doch den Portugiesen, mit 18 Treffern hinter Robert Lewandowski (25 Tore) zweitbester Saisonschütze, plagen Rückenprobleme. Das große Duell der Torjäger droht auszufallen.

Flick beschwört mal wieder die Gewinner-Mentalität seiner Stars. «Es ist ein Spiel, da kommt es auf die Einstellung an und wie wir in das Spiel reingehen.» Flick erinnert sich schließlich noch sehr gut an den Tag, der sein Leben total veränderte. Das krachende 1:5 beim letzten Bayern-Gastspiel in Frankfurt am 2. November 2019 kostete Niko Kovac den Job und führte zu seiner Beförderung vom Assistenz- zum Cheftrainer. Es war der Anfang der Münchner Erfolgsgeschichte.

Das damalige Debakel leitete eine frühe Rote Karte für Jérôme Boateng ein. Der Abwehrspieler soll nach einer Spielpause aus privaten Gründen am Samstag wieder auf dem Platz stehen. Zwei weitere personelle Lichtblicke konnte Flick verkünden: Leon Goretzka und Javi Martínez stehen nach ihren Corona-Infektionen auch wieder zur Verfügung. Flick gibt sich darum kämpferisch: «Wir können nicht aus dem Vollen schöpfen, trotzdem haben wir enorme Qualität.»

Tolisso dürfte traurig vorm Fernseher sitzen - und nachdenklich. Die schwere Verletzung platzt mitten in die Zukunftsplanung des Spielers und des Vereins. Der Vertrag von Tolisso, der im Sommer 2017 für die damalige Münchner Rekordablöse von 41,5 Millionen Euro von Olympique Lyon gekommen war und immer wieder von Verletzungen gestoppt wurde (Kreuzbandriss 2018, Sprunggelenks-OP 2020), läuft am 30. Juni 2022 aus. Wechsel oder Verlängerung, das sollte sich bald entscheiden.

«Es ist schade um ihn, es ist fast eine Tragödie, wenn man sich seine Historie anguckt», sagte Flick, der Tolisso am Freitag in einem Telefonat Mut zusprach. «Die letzten Jahre hat der Verein immer wieder gezeigt, dass er in solchen Situationen zu den Spielern hält und sie unterstützt. Jetzt ist es erstmal die Aufgabe von uns allen, dass er wieder an die Leistungsfähigkeit kommt, die er hatte.»

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.