Alle Tiere verdienen Mitgefühl

​«Tages-Anzeiger» 

Helfer arbeiten nahe Wismar an der Rettung eines gestrandeten Buckelwals. Das Tier liegt weiter im Flachwasser, eine Initiative kämpft um sein Überleben. Foto: dpa/Philip Dulian
Helfer arbeiten nahe Wismar an der Rettung eines gestrandeten Buckelwals. Das Tier liegt weiter im Flachwasser, eine Initiative kämpft um sein Überleben. Foto: dpa/Philip Dulian

ZÜRICH: Zur großen Anteilnahme am Schicksal des Buckelwals Timmy heißt es am Freitag im Schweizer «Tages-Anzeiger»:

«Während das Leiden eines Buckelwals die Menschen berührt, ist den meisten das viel traurigere Schicksal von Nutztieren völlig egal.

Der Buckelwal hat sogar einen Namen: Timmy tauften ihn die Leute, romantisch Veranlagte nennen ihn gar Hope. Der Meeressäuger, der seit Anfang April immer wieder an der Ostküste Deutschlands auf Sandbänken strandet, hat so gesehen Glück: Er stirbt nicht namenlos. Und er stirbt nach einem Leben in Freiheit.

Ganze Reporterscharen rückten aus, um täglich über Timmys Gesundheitszustand zu informieren. Aber während die Welt Anteil nimmt am Schicksal eines Buckelwals, geht das Sterben andernorts ungehindert weiter: in den Schlachthäusern Europas. Von dort berichten keine Reporterscharen, denn davon will niemand etwas hören.

Täglich werden in dieser Maschinerie 30 bis 35 Millionen Tiere getötet, Fische und Meeresfrüchte sind dabei nicht mit einberechnet. (...) Sie sind Nutztiere, also Tiere zweiter Klasse, der Anteilnahme nicht würdig.

Dabei war ihr Leben wohl nicht besonders schön, zumal sich ihr Daseinszweck im Getötetwerden erschöpft. Sie sind eine Ware und derart hochgezüchtet und auf Effizienz getrimmt, dass zum Beispiel Hühner, die mit Abstand am meisten konsumierten Tiere, nach eineinhalb Monaten schlachtreif sind - tatsächlich könnten sie fünf bis zehn Jahre alt werden. Und Kälber leben in der Mast nur fünf bis acht Monate lang - was nicht einmal so lange ist, wie ihre Mutter mit ihnen trächtig war. Zwanzig Jahre alt zu werden, wie in der Natur üblich, bleibt ihnen verwehrt. Mitgefühl mit Tieren ist gut und wichtig. Aber bitte nicht selektiv, sondern mit allen.»

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