Steinmeier ruft zum Schutz des vereinten Europas auf

Der französische Präsident Emmanuel Macron (L) und der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (R) treffen sich mit Schulkindern während des 80. Jahrestages des Massakers an 643 Menschen durch deutsche N... Foto: epa/Ludovic Marin / Pool
Der französische Präsident Emmanuel Macron (L) und der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (R) treffen sich mit Schulkindern während des 80. Jahrestages des Massakers an 643 Menschen durch deutsche N... Foto: epa/Ludovic Marin / Pool

ORADOUR-SUR-GLANE: Die Präsidenten Deutschlands und Frankreichs gedenken in Oradour-sur-Glane der Opfer eines der größten Kriegsverbrechen Nazi-Deutschlands. Steinmeier schlägt dabei auch den Bogen zur Gegenwart.

Nach den Erfolgen rechter Parteien bei der Europawahl hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Verteidigung eines weltoffenen und friedlichen Europas aufgerufen. «Vergessen wir nie, was Nationalismus und Hass in Europa angerichtet haben», sagte er am Montag in Oradour-sur-Glane im Westen Frankreichs bei einem Gedenken für die Opfer eines SS-Massakers vor genau 80 Jahren. «Vergessen wir nie das Wunder der Versöhnung, das die Europäische Union erreicht hat. Schützen wir unser vereintes Europa! Und vergessen wir nie den Wert der Freiheit.»

Bei den Europawahlen hatten unter anderem in Frankreich und Italien rechte Parteien gewonnen. In Deutschland wurde die AfD zweitstärkste Kraft hinter der Union.

Der Bundespräsident gedachte in Oradour-sur-Glane zusammen mit Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron der Opfer des Massakers. Steinmeier kritisierte scharf, dass die Mörder in Deutschland später nicht bestraft wurden. Er sei beschämt darüber, dass sie straflos geblieben und schwerste Verbrechen nicht gesühnt worden seien. «Hier hat mein Land noch einmal eine zweite Schuld auf sich geladen.»

Am 10. Juni 1944 hatten Angehörige der SS-Division «Das Reich» das Dorf ausgelöscht. Sie ermordeten 643 Männer, Frauen und Kinder und brannten den Ort nieder. Es gab nur wenige Überlebende. Das Massaker von Oradour-sur-Glane gilt als das größte Kriegsverbrechen Nazi-Deutschlands auf dem westlichen Kriegsschauplatz. Ein einziger der rund 150 beteiligten SS-Soldaten wurde 1983 in der DDR zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, aber vorzeitig aus der Haft entlassen. Die Ruinen des Dorfes sind als Mahnmal erhalten. Steinmeier und Macron liefen Seite an Seite auf der geteerten Dorfstraße an den zerstörten Häusern vorbei.

«Ich möchte im Namen Deutschlands meine Erschütterung und meine Trauer zum Ausdruck bringen über die unfassbaren, die so grausamen und unmenschlichen Verbrechen, die Deutsche hier (...) begangen haben», sagte Steinmeier in seiner Rede, die er auf Französisch hielt. Für Deutsche und Franzosen sei die Hoffnung auf eine bessere Zukunft mit der deutsch-französischen Freundschaft Wirklichkeit geworden.

«Unser Auftrag ist die Europäische Union», betonte Steinmeier. Er erinnerte auch an die Landung in der Normandie wenige Tage vor dem Massaker von Oradour-sur-Glane, mit der die Alliierten unter schweren Verlusten Frankreich und letztlich auch Deutschland die Freiheit von Diktatur und Terror gebracht hätten. «Auch heute gilt: Die Freiheit muss erkämpft und sie muss verteidigt werden», sagte Steinmeier.

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