LONDON: Zehn Jahre nach dem Kinohit «Vaiana» bringt Disney den Animationserfolg als Realverfilmung in die Kinos. Hollywood-Star Dwayne Johnson kehrt in eine Rolle zurück, die ihm persönlich viel bedeutet.
Mit «Vaiana» landete Disney 2016 einen der erfolgreichsten und beliebtesten Animationsfilme des vergangenen Jahrzehnts. Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis die Geschichte der mutigen Inselbewohnerin Vaiana als Realverfilmung in die Kinos kommt - wie zuvor «Dumbo», «Aladdin» und «Arielle, die Meerjungfrau». Die Hauptrollen in «Vaiana» (Originaltitel: «Moana») übernehmen Hollywood-Star Dwayne Johnson («Fast & Furious 8») und die 19 Jahre alte Australierin Catherine Laga'aia in ihrem ersten Film.
Sehr persönliche Rolle für Dwayne Johnson
Johnson (54) spielt den Halbgott Maui, dem er schon vor zehn Jahren im Originalfilm die Stimme lieh. Die neue Version von Maui sei allerdings eine andere Interpretation der Figur, betonte er. Er habe viel von seiner eigenen Lebenserfahrung einfließen lassen. «Das andere war nur die Stimme, es war animiert», erklärte Johnson im Interview der Deutschen Presse-Agentur in London. «Ich war vor zehn Jahren ein anderer Mensch als heute. Ich war ein anderer Vater.»
Die Rolle liegt Johnson erkennbar am Herzen. Die Figur erinnere ihn an seinen Großvater Peter Maivia, der wie er Profiwrestler und Schauspieler (u.a. im James-Bond-Film «Man lebt nur zweimal») war. «Als Kind hat er mich sehr stark geprägt», so Johnson. «Mein Großvater war ein unglaublich stolzer Samoaner, und er hat mich in vielerlei Hinsicht mit den samoanischen Traditionen vertraut gemacht.»
Ein Remake nah an der Vorlage
Die Handlung von «Vaiana» ist erwartungsgemäß dieselbe wie die des animierten Klassikers. Vaiana (Catherine Laga'aia) lebt auf der abgelegenen Pazifikinsel Motunui und soll eines Tages die Nachfolge ihres Vaters (John Tui) als Stammesoberhaupt antreten. Doch im Ozean lauert eine mysteriöse Gefahr und bedroht die Lebensgrundlage ihrer Heimat.
Die Ursache dafür liegt weit in der Vergangenheit: Der Halbgott Maui (Johnson) hat einst das Herz der Naturgöttin Te Fiti gestohlen und damit ein Ungleichgewicht ausgelöst, das sich nun immer stärker ausbreitet. Tausend Jahre später landet das Herz bei Vaiana. Um ihre Insel zu retten, bricht sie gegen den Willen ihrer Familie zu einer gefährlichen Reise über den Ozean auf.
Sie will Maui finden und das Herz von Te Fiti mit ihm zurückbringen. Der selbstverliebte Halbgott hat daran zunächst kein Interesse. Doch die beiden raufen sich zusammen und segeln über den Pazifik. Auf ihrem gefährlichen Abenteuer begegnen sie schwer bewaffneten Kokosnuss-Piraten, einer riesigen, singenden Krabbe mit Vorliebe für Gold und einem riesigen Lava-Monster.
Vertraute Geschichte, neue Nuancen
«Wir sind hier, weil wir diesen Animationsfilm genauso lieben wie alle anderen auf der Welt», sagt Regisseur Thomas Kail im dpa-Interview. Kail, der zuvor Theater und Musicals («Hamilton») inszenierte, gibt mit «Vaiana» sein Spielfilmdebüt. Gerade weil das Original so beliebt sei, habe man sich bewusst eng daran orientiert. «Man kann der Geschichte, den Charakteren und der Musik vertrauen.»
Kail sieht in der Realverfilmung trotzdem eine Chance, etwas völlig Neues zu entdecken. Der Film werde automatisch anders sein. «Wenn zwei Menschen sich von Angesicht zu Angesicht begegnen, von Seele zu Seele, dann ist das etwas ganz anderes als reine Synchronarbeit. Wir wussten, dass darin eine Emotionalität liegt, die wir nutzen konnten», so Kail, der auch betonte, dass es keine Einschränkungen gegeben habe. «Wir hatten keine Angst davor, eine andere Szene oder einen neuen Dialog einzubauen.»
Ganz neu ist lediglich der Song «Along The Way» aus der Feder von Lin-Manuel Miranda. Inhaltlich unterscheidet sich der Film tatsächlich kaum von der Vorlage. Allerdings haben vor allem die Dialoge von bzw. mit Maui ein sehr gelungenes, zeitgemäßes Update bekommen.
Und natürlich ist es noch unterhaltsamer, den charismatischen und mit Comedy-Talent gesegneten Dwayne Johnson in Fleisch und Blut tanzen und singen zu sehen - noch dazu mit der herrlichen Lockenpracht, die auch Johnson gefiel. «Die Haare waren einfach wunderschön», scherzt er. «Ich habe das tatsächlich genossen, weil ich es nicht gewohnt bin, überhaupt Haare zu haben.»
Echte Boote, Wellen aus dem Computer
Die Idee der Realverfilmung haben die Macher so ernst wie möglich genommen. Gedreht wurde an echten Schauplätzen in Hawaii. CGI habe man so viel wie nötig und so wenig wie möglich eingesetzt. Die Boote ebenso wie das Dorf wurden für den Film originalgetreu gebaut. Die hohen Wellen oder die Kokosnuss-Monster stammen aus dem Computer.
«Sie haben so viel wie möglich praktisch umgesetzt, weil es einfach das Beste ist, wenn man mit echten Dingen interagieren kann», sagte Hauptdarstellerin Catherine Laga'aia, deren Vater Schauspieler Jay Laga'aia («Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith») ist. «Es war wirklich großartig, im Dorf zu sein und für uns auch in Lalotai, dem Reich der Monster. Mit all diesen Kulissen zu interagieren war wirklich, wirklich cool.»
Für kleinere Kinder mag der Film wegen der riesigen, aber amüsanten singenden Krabbe Tamatoa und des Lava-Monsters noch etwas gruseliger sein als das Original. Aber im Hinblick auf den Unterhaltungsfaktor steht die Realverfilmung der animierten Version in nichts nach. Im Gegenteil - dank der leidenschaftlichen und witzigen Performance von Dwayne Johnson macht sie sogar noch ein wenig mehr Spaß.