Protest in Berlin - Gewerkschaft bangt um Zehntausende Stahljobs

Foto: Pixabay/Betexion
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BERLIN/VÖLKLINGEN: Billigstahl aus Asien, teure Energie und Klimavorgaben belasten die deutsche Stahlindustrie. Nun will die Branche mehr Unterstützung von der Politik. Gewerkschafter sehen Arbeitsplätze in Gefahr.

Mit Kundgebungen in Berlin und im südwestdeutschen Völklingen machen Beschäftigte der deutschen Stahlindustrie Druck auf die Regierung.

Unter dem Motto «Stahl hat Zukunft - bei uns!» marschierten Stahlarbeiter in der deutschen Hauptstadt vom Brandenburger Tor zum Wirtschaftsministerium. Nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall beteiligten sich rund 1.700 Beschäftigte aus mehr als 40 Betrieben.

Die Gewerkschaft fordert mehr Hilfe der Politik für die kriselnde Stahlindustrie, die unter der Wirtschaftsflaute, hohen US-Zöllen auf Stahl sowie Konkurrenz durch Billigstahl, besonders aus Asien, leidet. 2025 war die Produktion der deutschen Stahlindustrie, die besonders in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und dem Saarland vertreten ist, auf 34,1 Millionen Tonnen Rohstahl gefallen - ein Tiefstand seit der Finanzkrise 2009.

«Politik muss Möglichkeiten schaffen»

Zudem warnt die IG Metall davor, Klimavorgaben in Europa aufzuweichen und damit den Umbau der Branche zu grünem Stahl zu gefährden. «Wir wollen grünen Stahl produzieren, unsere Stahlwerke werden, soweit es geht, klimaneutral. Doch die Politik muss konsequent die Möglichkeit dafür schaffen», sagte der Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, Jürgen Kerner.

Er warnte davor, den europäischen Emissionshandel, der im Juli auf EU-Ebene auf den Prüfstand kommen soll, infrage zu stellen. Dies treibe «Zehntausende Arbeitsplätze ins Risiko». Zugleich brauche es Unterstützung für Unternehmen, die die Investitionen in die klimafreundliche Produktion nicht allein stemmen könnten.

Grüne und Linke springen bei

Unterstützung bekamen die Stahl-Beschäftigten in Berlin von der Vorsitzenden der Linken, Ines Schwerdtner. «Stahl ist systemrelevant», sagte sie. Die Krise der Branche sei nicht von den Beschäftigten verursacht, sondern Folge einer unzureichenden Unterstützung beim Umbau zu klimafreundlicher Produktion. Auch der Parteichef der Grünen, Felix Banaszak, unterstützte die Stahlarbeiter.

Die Regierung des christdemokratischen Kanzlers Friedrich Merz hat bereits einen Industriestrompreis für energieintensive Branchen wie die Stahlindustrie auf den Weg gebracht. Zudem beschlossen die EU-Staaten Schutzmaßnahmen, um die heimische Stahlbranche vor Konkurrenz zu schützen. Das geht der IG Metall aber nicht weit genug. Sie kritisiert, dass der Industriestrompreis zeitlich befristet ist, unter Finanzierungsvorbehalt steht und nur «homöopathisch» gegen teure Energie wirke.

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