Prominenter Aktivist begnadigt

Aktivisten halten Schilder und Kerzen bei einer Mahnwache für Alaa Abd El Fattah vor der britischen Botschaft in Rom. Foto: epa/Riccardo Antimiani
Aktivisten halten Schilder und Kerzen bei einer Mahnwache für Alaa Abd El Fattah vor der britischen Botschaft in Rom. Foto: epa/Riccardo Antimiani

KAIRO/LONDON: In den vergangenen zehn Jahren saß Alaa Abdel Fattah die meiste Zeit in Haft, eine Freilassung schien undenkbar. Jetzt kommt nach einem Konflikt zwischen London und Kairo plötzlich die Wende.

In einem überraschenden Schritt ist in Ägypten der prominente Demokratie-Aktivist Alaa Abdel Fattah begnadigt worden. Präsident Abdel Fattah al-Sisi habe die verbliebene Haftstrafe für den 43-Jährigen sowie für fünf weitere Inhaftierte aufgehoben, teilte das Präsidentenamt mit. Spekuliert wird, ob Abdel Fattah in einem geheimen Tausch gegen einen in Großbritannien festgenommenen Ägypter begnadigt wurde.

Abdel Fattah zählte zu den Führungsfiguren und bekanntesten Gesichtern der Revolution von 2011 in Ägypten, die Langzeitherrscher Husni Mubarak zu Fall brachte. 2013 wurde er beim Protest gegen ein verschärftes Demonstrationsgesetz festgenommen und sitzt seitdem fast durchgehend im Gefängnis. Die Vorwürfe der Verbreitung von Falschnachrichten beschreibt seine Familie als politisch motiviert.

Diplomatischer Druck über Jahre erfolglos

Abdel Fattah bekam 2021 die britische Staatsbürgerschaft, dies erkennen die ägyptischen Behörden aber nicht an. Auch wiederholte Gesuche britischer Premierminister blieben erfolglos, konsularischer Schutz wurde im verwehrt. Im Juni berichtete der britische «Guardian», dass Präsident al-Sisi sich sogar weigere, ein Telefonat von Premier Keir Starmer in der Frage anzunehmen. Der Fall überschattete 2022 auch die Weltklimakonferenz COP27 in Ägypten.

Die Wende könnte eine diplomatische Krise zwischen Kairo und London gebracht haben. In London wurde kürzlich ein Unterstützer der ägyptischen Regierung festgenommen, der offenbar Demonstranten an der ägyptischen Botschaft konfrontierte. Außenminister Badr Abdel-Atti bemühte sich um die Freilassung des Ägypters. Seitdem gab es die Vermutung, dass der Mann im Tausch für Abdel Fattah freigelassen werden könnte.

«Mein Herz wird explodieren»

Die Familie schien die Entscheidung kaum fassen zu können. Sie habe es selbst aus den Nachrichten erfahren, schrieb Schwester Sanaa, die sich aktuell in Kairo aufhält, in sozialen Medien. «Ich kann es nicht glauben, dass wir unsere Leben zurückbekommen», schrieb sie bei X. Abdel Fattahs andere Schwester schrieb: «Mein Herz wird explodieren.»

Nach Schätzungen von 2022 sind in Ägypten mehr als 60.000 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert. Demonstrationen sind faktisch verboten. Zudem gibt es Berichte über Folter und andere Formen der Misshandlung im Strafvollzug. Viele wurden aber auch begnadigt und freigelassen, darunter der prominente Menschenrechtler und Forscher Patrick George Zaki.

Aus Protest gegen seine Haftbedingungen befand sich Abdel Fattah mehrfach im Hungerstreik. Einen davon hatte er im Frühjahr begonnen, nachdem seine in London lebende Mutter ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Sie war aus Protest gegen die Haft ihres Sohnes ebenfalls in Hungerstreik getreten.

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