Parlamentswahl in Nepal angelaufen

Wahlvorbereitung in Kathmandu: Wahlhelfer sammeln Urnen und Material für die Parlamentswahl, bei der 275 Abgeordnete ins nepalesische Parlament gewählt werden. Foto: epa/Narendra Shrestha
Wahlvorbereitung in Kathmandu: Wahlhelfer sammeln Urnen und Material für die Parlamentswahl, bei der 275 Abgeordnete ins nepalesische Parlament gewählt werden. Foto: epa/Narendra Shrestha

KATHMANDU: Junge Parteien, prominente Kandidaten und viele Erstwähler: Nepals Parlamentswahl gilt als entscheidender Test für Demokratie und politischen Neuanfang im Himalaya-Staat.

In Nepal ist die Wahl zu einem neuen Bundesparlament angelaufen. Die Wahllokale sind seit dem Morgen (7.00 Uhr Ortszeit, 2.15 Uhr MEZ) geöffnet. Es ist die erste Wahl in dem Himalaya-Staat nach den tödlichen Unruhen vor sechs Monaten, die zum Rücktritt des damaligen Regierungschefs Khadga Prasad Sharma Oli und zur Auflösung der Nationalversammlung führten.

Die vorgezogene Wahl zum Unterhaus, die die mächtigere der beiden Parlamentskammern ist, hat eine große richtungsweisende Bedeutung. Zugleich gilt sie als Test für den Einfluss der jüngeren Wähler.

Eine Sperrung von etlichen Social-Media-Plattformen hatte im September in Nepal Zehntausende, meist junge Menschen der «Generation Z» auf die Straße getrieben. Die Demonstranten prangerten zudem weit verbreitete Korruption und Vetternwirtschaft an. Im Zuge der Unruhen kamen mehr als 70 Menschen ums Leben.

Ungewisser Wahlausgang

Etwa 19 Millionen Menschen, darunter Hunderttausende Erstwähler, sind wahlberechtigt. Aus Mangel an repräsentativen Umfragen gilt eine Voraussage für den Wahlausgang als schwierig.

Doch werden dem 35 Jahre alten früheren Bürgermeister der Hauptstadt Kathmandu, Balendra «Balen» Shah, gute Chancen eingeräumt, nächster Premierminister des Landes zu werden. Der als populistisch geltende Shah, ein ehemaliger Rapper, geht als Spitzenkandidat für die relativ junge zentristische Partei Rastriya Swatantra Party (RSP) ins Rennen.

Als ihre größten Rivalen gelten die früheren Regierungsparteien Nepali Congress, die politisch links der Mitte steht, sowie die Kommunistische Partei Nepals (Vereinigte Marxisten-Leninisten). Letztere wird vom 74-jährigen Oli angeführt, der sich trotz seines Rücktritts im September noch einmal um das Amt des Regierungschefs, das er schon mehrmals innehatte, bewerben will.

275 Parlamentssitze

Es geht um die Verteilung von 275 Sitzen. Neben den 165 Direktmandaten werden 110 Sitze nach dem proportionalen Stimmenanteil an Listenkandidaten vergeben. Mit ersten Ergebnissen wird frühestens am Freitag gerechnet. Um vielen Nepalesen die Möglichkeit der Stimmabgabe in ihren Heimatorten zu geben und mehr Sicherheit zu gewährleisten, gibt es von Mittwoch bis zum Freitag landesweit drei Feiertage.

Nach den Unruhen übernahm die frühere Bundesrichterin Sushila Karki übergangsweise die Regierungsverantwortung. Nepal hat rund 30 Millionen Einwohner. Die parlamentarische Demokratie ist jung. Von 1996 bis 2006 herrschte Bürgerkrieg, die jahrhundertealte Monarchie wurde 2008 abgeschafft.

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