LAS PALMAS DE GRAN CANARIA: Auf den Kanarischen Inseln will Leo XIV. auf das Schicksal von Migranten aufmerksam machen. Jedes Jahr riskieren zahlreiche Menschen ihr Leben, um Europa zu erreichen. Der Pontifex findet klare Worte.
Papst Leo XIV. hat bei seinem Besuch auf den Kanarischen Inseln «sichere und legale Wege» für Migration gefordert. Die Menschenwürde erfordere dies, sagte das Oberhaupt von weltweit etwa 1,4 Milliarden Katholiken am Hafen von ArguineguÃn auf Gran Canaria. Es reiche nicht aus, «Ankünfte zu verwalten, Zahlen zu verteilen, Grenzen verstärkt zu sichern oder Todesfälle zu beklagen, wenn sie bereits eingetreten sind».
Die Kanaren sind seit vielen Jahren ein Hotspot der Fluchtbewegung von Afrika über den Atlantik nach Europa. Insbesondere zwischen 2020 und 2024 prägte das Phänomen die Inseln. Vergangenes Jahr ging die Zahl der Bootsmigranten zwar stark zurück. Auf dem Höhepunkt der Krise kamen 2024 aber binnen eines Jahres fast 50.000 Menschen irregulär auf den Kanarischen Inseln an.
«Kai der Schande» unweit von Ferienort Maspalomas
Symbol der humanitären Notlage wurde der Hafen von ArguineguÃn auf Gran Canaria - der «Muelle de la Vergüenza», der «Kai der Schande». Dort harrten im August 2020 zeitweise fast 3.000 Menschen unter prekären Bedingungen aus, obwohl der Bereich nur für etwa 500 Personen ausgelegt war. Sie schliefen im Freien, die hygienischen Verhältnisse waren entsetzlich.
An jenem Hafen im Süden von Gran Canaria, nur eine halbe Stunde Autofahrt vom Urlaubsort Maspalomas entfernt, traf der Papst nun kürzlich angekommene Migranten sowie Vertreter der Kirche und humanitärer Organisationen, die sie betreuen und bei ihrer Integration in die spanische Gesellschaft unterstützen.
Papst: Meere werden zu Friedhöfen ohne Grabsteine
Gleichzeitig bezeichnete Leo das Flüchtlingsdrama als Gewissensprüfung vor allem für Europa, «das nicht die Menschenwürde proklamieren kann und sich dabei nicht daran gewöhnen darf, dass das Mittelmeer und der Atlantik zu Friedhöfen ohne Grabsteine werden». Die internationale Gemeinschaft rief er bei diesem Thema zu einer «wirksamen und beharrlichen Zusammenarbeit» auf.
Er hoffe, die Stimme der Migranten erreiche diejenigen, die in dieser Frage entscheidende Verantwortung trügen - etwa zivile Behörden, Parlamente, Regierungen und internationale Organisationen. Jedes Boot, das nämlich ankommt, erklärte Leo, bringe nicht nur Migranten mit sich, sondern auch eine zentrale Frage an alle: «Welche Welt haben wir geschaffen, wenn so viele Brüder und Schwestern den Tod riskieren müssen, um Leben zu suchen?»