Erzkonservative Piusbrüder weihen Bischöfe

​Bruch mit dem Papst 

Papst Leo XIV., zuvor Kardinal Robert Francis Prevost aus den USA, segnet die Gläubigen von der Loggia des Petersdoms. Foto: epa/Fabio Frustaci
Papst Leo XIV., zuvor Kardinal Robert Francis Prevost aus den USA, segnet die Gläubigen von der Loggia des Petersdoms. Foto: epa/Fabio Frustaci

ÉCÔNE: Der Streit ist eskaliert: Gegen den Willen des Papstes weiht eine traditionalistische Glaubensgemeinschaft vier neue Bischöfe. Der Ausschluss aus der katholischen Kirche scheint nun unabwendbar.

Der Bruch mit Rom ist nun faktisch vollzogen: Die erzkonservative Piusbruderschaft hat vier neue Bischöfe geweiht - gegen den ausdrücklichen Willen von Papst Leo XIV. und trotz der Aussicht auf die Verbannung aus der katholischen Kirche. Die mehrstündige Zeremonie fand vor Tausenden Gläubigen im schweizerischen Écône im Kanton Wallis statt, wo sich der Sitz des Priesterseminars der traditionalistischen Glaubensgemeinschaft befindet.

Bereits im Vorfeld hatte der Vatikan die Weihe als unzulässig bezeichnet und vor schwerwiegenden kirchenrechtlichen Konsequenzen gewarnt. Nach Kirchenrecht gelten Bischofsweihen ohne Zustimmung des Papstes als schwerer Verstoß und «schismatischer Akt», der automatisch die Exkommunikation, also den Kirchenausschluss, der Beteiligten nach sich zieht.

Leos letzte Warnung ignoriert

Noch am Vortag wandte sich Leo mit einem letzten Appell an die abtrünnigen Piusbrüder und warnte vor einem Bruch. «In diesem Geist und erfüllt von christlicher Liebe bitte ich euch und ersuche euch von ganzem Herzen: Kehrt um!», schrieb er in einem Brief an den Generaloberen Davide Pagliarani. Eine Abspaltung stelle eine «Sünde von äußerster Schwere» dar, so der Pontifex.

Die Piusbruderschaft setzte den Schritt dennoch wie zuvor angekündigt um. In seiner Predigt sagte Pagliarani: «Wir sind bereit, jeden Preis zu zahlen, um die Kirche zu retten.» Die Piusbrüder sehen in modernisierenden Reformen eine «Selbstzerstörung der Kirche», die sie unbedingt verhindern wollen.

1988 schon einmal aus Kirche verbannt

Die Gemeinschaft wurde 1970 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet und lehnt bis heute zentrale Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab. Dieses Konzil veränderte etwa die Beziehungen zu anderen Christen, Juden und weiteren Religionen sowie zur Laienwelt grundlegend und erlaubte die Messe in Landessprachen statt auf Latein.

Bereits 1988 hatte Lefebvre gegen den Willen von Papst Johannes Paul II. vier Bischöfe geweiht. Er und die neu geweihten Bischöfe wurden daraufhin exkommuniziert. Papst Benedikt XVI. hob die schwere Kirchenstrafe 2009 aber als Zeichen der Versöhnung wieder auf. Die Entscheidung des deutschen Papstes löste weltweit Kritik aus, weil unter den damals geweihten vier Bischöfen auch der britische Holocaust-Leugner Richard Williamson war.

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