Vatikan bleibt hart: keine Predigten für Laien in Messen

Bischof Heiner Wilmer aus Hildesheim spricht während einer Pressekonferenz im Rahmen der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Foto: epa/Ronald Wittek
Bischof Heiner Wilmer aus Hildesheim spricht während einer Pressekonferenz im Rahmen der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Foto: epa/Ronald Wittek

ROM: Der Vatikan lehnt eine deutsche Bitte um Sondergenehmigung ab: Auch künftig dürfen in katholischen Messen nur Priester oder Diakone predigen. Ist das der Beginn einer Serie von Enttäuschungen?

In katholischen Gottesdiensten in Deutschland dürfen auch künftig keine Nicht-Geistlichen die Predigt anstelle eines Priesters oder Diakons halten. Einer entsprechenden Anfrage der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) um eine Sondergenehmigung erteilte der Vatikan eine Absage. Das zuständige vatikanische Dikasterium erklärte, eine solche Genehmigung sei nicht möglich. Es würdigte ausdrücklich das grundsätzliche Anliegen, bekräftigte jedoch die geltenden Regelungen, von denen nicht abgewichen werden dürfe.

Das von dem DBK-Vorsitzenden Heiner Wilmer beantragte sogenannte Indult hätte es in Ausnahmefällen auch Laien - also Gemeindemitglieder, insbesondere auch Frauen - mit entsprechender Qualifikation erlaubt, die Predigt mit ausdrücklicher Genehmigung des zuständigen Bischofs in der Messe zu halten.

Deutsche Katholiken wollen stärkere Einbeziehung von Laien

Das Dikasterium für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung argumentierte, die «Vorbehaltung der Homilie für Priester und Diakone ist nicht lediglich eine disziplinarische Vorschrift, sondern ergibt sich aus dem Wesen der Liturgie». Die Predigt könne nur geweihten Amtsträgern übertragen werden.

Die deutschen Katholiken stellten ihre Anfrage bereits Ende März. Am 17. Juni teilte das von Kardinal Arthur Roche geleitete Dikasterium Wilmer mit, dem Indult nicht stattzugeben. Am heutigen Dienstag informierte die vatikanische Behörde öffentlich über ihre Entscheidung.

Zugleich verwies der Vatikan auf andere Formen der Glaubensverkündigung, die Laien übernehmen könnten - etwa Wortgottesdienste oder katechetische Aufgaben außerhalb der Messfeier. Die Predigt innerhalb der Eucharistie bleibe jedoch Teil des geweihten Dienstes und damit Priestern und Diakonen vorbehalten.

In einer Reaktion sagte die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, das ZdK sei an der Beantragung der Laienpredigt in der Messe, wie sie durch Bischof Wilmer erfolgt sei, nicht beteiligt gewesen. Klar sei, dass der Synodale Weg die Ausweitung der Laienpredigt 2023 mit überwältigender Mehrheit beschlossen habe, sagte Stetter-Karp der Deutschen Presse-Agentur. «Auch über 90 Prozent der Bischöfe haben ihm zugestimmt.» Man erwarte, dass sich die Bischöfe durch das Schreiben aus Rom jetzt auf keinen Fall entmutigen ließen.

Mehr Verbote aus Rom könnten folgen

Eine stärkere Einbeziehung von Laien gehört zu den Hauptanliegen des Synodalen Wegs, des Reformprozesses der katholischen Kirche in Deutschland. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller sagte der Deutschen Presse-Agentur, mit dem abschlägigen Bescheid des Vatikans zu Laienpredigten beginne für die Mitglieder des Synodalen Wegs nun die «Zeit der römischen Enttäuschungen». Das Verbot bestätige die bisherige römische Linie und sei theologisch nicht neu. «Die deutschen synodalen Blütenträume zerplatzen», sagte Schüller.

Daran ändere offenbar auch der neue DBK-Vorsitzende Wilmer nichts, so Schüller. Dem Münsteraner Bischof wird im Gegensatz zu seinem Vorgänger Georg Bätzing ein gutes Standing im Vatikan nachgesagt. Schüller sagte, es sei nun auch offener denn je, ob der Vatikan das Statut für die geplante synodale Konferenz der deutschen Katholiken bestätigen werde.

Dieses Gremium, in dem Bischöfe und Laien gemeinsam beraten und entscheiden sollen, gilt als Kernstück des Synodalen Wegs. «Es ist nun begründet zu befürchten, dass auch dieser Weg römisch verboten wird», vermutet Schüller.

In der Praxis predigen Laien durchaus schon

An der alltäglichen Praxis in katholischen Kirchengemeinden im deutschsprachigen Raum werde das Verbot allerdings nichts ändern, sagte Schüller. Dort predigen qualifizierte Laientheologen und -theologinnen mitunter durchaus. «Rom ist daher soziologisch/faktisch auf verlorenem Posten mit seinem heutigen Verbot und kann es realistisch gesehen nicht durchsetzen.»

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