Niederlande im Lockdown - Kritik und Enttäuschung

Menschen protestieren in Den Haag gegen die von der niederländischen Regierung angekündigte Abriegelung. Foto: epa/Phil Nijhuis
Menschen protestieren in Den Haag gegen die von der niederländischen Regierung angekündigte Abriegelung. Foto: epa/Phil Nijhuis

DEN HAAG: In den Niederlanden ist angesichts der sich schnell verbreitenden Omikron-Variante des Coronavirus ein harter Lockdown in Kraft getreten. Viele Bürger reagierten enttäuscht, doch große Proteste blieben am Sonntag zunächst aus.

Seit 05.00 Uhr blieben fast alle Geschäfte, Gaststätten, Kultur- und Sporteinrichtungen, Schulen und Friseure geschlossen. Ausgenommen sind etwa Supermärkte und Apotheken.

Vor allem Unternehmer und Gastwirte klagten über Einnahmeverluste. Sie forderten Kompensation für das Wegfallen des Weihnachtsgeschäftes. Gewerkschaften sprachen von «erneut einem schweren Schlag» für Arbeitnehmer in der Gastronomie und im Einzelhandel. Besorgt äußerten sich auch Schulen über die Folgen für die Schüler.

Etwa 6,9 Millionen Niederländer hatten die Ankündigung durch Premier Mark Rutte am Samstagabend live im TV verfolgt. Einige Städte hatten sich auf Unruhen vorbereitet, doch die blieben aus. Vor einigen Wochen hatte es in mehreren Städten zum Teil heftige Krawalle gegeben.

Enttäuscht zeigen sich viele Bürger, dass große Feiern zu Weihnachten und Silvester nun nicht möglich sind. Jeder Haushalt darf nur noch zwei Gäste empfangen. Nur über Weihnachten und zum Jahreswechsel sind bis zu vier Besucher erlaubt. Auch im Freien dürfen höchstens zwei Menschen zusammen kommen.

Der Premier hatte den Lockdown mit der extrem schnellen Verbreitung der Omikron-Variante begründet. Nach Berechnungen der Gesundheitsbehörden würden ohne drastische Eingriffe Anfang Februar bis zu 4000 Covid-Patienten auf den Intensivstationen liegen. Zur Zeit sind es etwa 600 und die Krankenhäuser bereits an der Grenze der Belastbarkeit.

Bisher galt schon ein «Abend-Lockdown». Die meisten Geschäfte, Gaststätten sowie Kultur- und Sporteinrichtungen mussten um 17 Uhr schließen.

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Hartmut Wirth 20.12.21 16:40
Omikron und Lockdown
Es gibt in Deutschland ein Sprichwort: Hochmut kommt vor dem Fall.
Dass mit dem Virus noch eine Weile zu leben ist, auch mit "Mutationen", hätte mittlerweile Jedermann bekannt sein müssen. Aber durch Erleichterungen in den Maßnahmen hat sich wohl eine große Mehrheit gefacht, die Pandemie ist vorbei und Vorsichtsmaßnahmen haben sich erübrigt. Dass dies ein Trugschluss war und ist, haben doch alle zuvor aufgetretenen Mutationen schon gezeigt.
Das Einzigste was man feststellen kann, ist, dass die Lernresistenz im Umgang mit dem Virus zugenommen hat.
Das ist traurig, aber jetzt mussen ALLE eben mit den Folgen leben. Dass es auch anders geht, zeigen uns einige Länder. Bleibt nur zu hoffen, dass sich hier die Krankheit "Lernresistenz" nicht auch ausbreitet.