LONDON: In Wimbledon spielt die frühere Halbfinalistin Tatjana Maria um den Einzug in die dritte Runde. Im Kopf hat die Tennisspielerin auch ein besonders Erlebnis mit ihrer Tochter, das realistischer wird.
Der Herzenswunsch ihrer älteren Tochter ist für die frühere Wimbledon-Halbfinalistin Tatjana Maria ein wichtiger Antrieb. Die zwölf Jahre alte Charlotte gilt als vielversprechendes Tennis-Talent, ist in Wimbledon schon eine beliebte Trainingspartnerin. Und sie wünscht sich, mit ihrer Mama künftig Doppel spielen zu können.
«Für mich ist wirklich mein Ziel, dass ich hier noch bleibe, bis Charlotte auf der Tour anfängt. Sie will unbedingt mit mir spielen. Deswegen versuche ich alles, um das machbar zu machen», sagte die zweifache Mutter über den schon länger gehegten Traum. Maria war gefragt worden, was das Geheimnis sei, dass sie noch immer in Wimbledon dabei ist und jüngere Gegnerinnen ärgere.
2028 als Familien-Duo auf der Tour?
Am 8. August wird Maria 39 Jahre alt. Wenn ihre Tochter 14 Jahre alt ist, könnte es 2028 zum gemeinsamen Auftritt kommen. Dann dürfte Charlotte die ersten Turniere spielen. Ob sie ohne die geplante gemeinsame Zukunft schon aufgehört hätte oder zeitnah aufhören würde, fand die Mama schwer zu beantworten. «Vielleicht», entgegnete sie. Das Mutter-Tochter-Duo ist schon länger ein Thema, Charlotte werde immer besser. «Bis heute, habe ich nie wirklich dran gedacht aufzuhören.»
Marias nächster Schritt ist am Mittwoch erst einmal die Zweitrunden-Aufgabe von Wimbledon. Dort trifft die in Florida lebende Schwäbin in einem Generationen-Duell auf US-Teenager Iva Jovic.
In der ersten Runde am Montag hatte sie beim 6:4, 6:4 gegen die Kasachin Julia Putinzewa einmal mehr ihrem ungewohnten Spielstil mit einer unterschnittenen Vor- und Rückhand Erfolg. Auch Jovic möchte sie nerven.
Maria will Youngster ärgern
Ihre erst 18 Jahre alte Kontrahentin zählt bereits zu den Top 20 der Welt (16.) und könnte eine künftige Gegnerin ihrer Tochter sein. «Ich liebe es, gegen junge (Spielerinnen) zu spielen. Allgemein schon, weil Charlotte bald anfängt und ich einfach sehen will, wie es da so läuft», sagte Maria.
Das Spiel auf Rasen liegt ihr. Die Frauen-Profiorganisation WTA listet sie als eine von fünf Spielerinnen auf, die unter dem Radar laufen und in Wimbledon weit kommen können. Ihren bisher größten Turniersieg sicherte sie sich 2025 überraschend auf Gras im Queen's Club. Boris Becker nannte diesen Erfolg im vergangenen Sommer die «Tennis-Sensation des Jahres».
Die Tochter als Trainingspartnerin
In Wimbledon steht Maria erstmals seit ihrem märchenhaften Lauf bis ins Halbfinale 2022 in Runde zwei. Als Vorbereitung auf das Match gegen Jovic wollte sie mit ihrer Tochter trainieren. Mehr und mehr würden andere Spielerinnen Charlotte zum Training anfragen, berichtete die Nummer 96 der Welt. Sie würden sehen, dass sie mittlerweile mit ihr «komplett normal» trainiere.
Hoffnung auf verheißungsvollen Nachwuchs kann sich der Deutsche Tennis Bund aber nicht machen. Charlotte soll für Frankreich spielen, dem Heimatland ihres Vaters. Maria hatte dies einst mit der besseren Unterstützung in Frankreich für eine Spielerin in diesem Alter begründet.
Maria erklärt Tränen von Eastbourne
Als Familie reisen die Marias seit Jahren um die Welt: Maria, ihr Mann und Trainer Charles-Édouard sowie ihre Töchter Charlotte und Cecilia (5). In der vergangenen Woche waren sie in Eastbourne, wo Maria bis ins Endspiel kam. Nach dem verlorenen Finale am Samstag gegen die US-Amerikanerin Madison Keys flossen Freudentränen, gerade bei Charlotte.
Ihre Tochter sei in einem Alter, in dem die Emotionen «manchmal ein bisschen hoch und runter» gehen. «Es war einfach ein emotionaler Tag», berichtete Maria. «Als ich sie angeschaut habe und wusste, jetzt geht es gleich los, musste ich auch schon anfangen zu weinen.» Sie sei stolz, solche Momente mit der Familie zu teilen. «Ich spiele sehr gern Tennis, aber ich bin Mama an erster Stelle.»