Wie steht es um Zverevs Konkurrenz?

​Sinners Kollaps & Co. 

Alexander Zverev trainiert mit Félix Auger-Aliassime auf Court 1 in Wimbledon vor Beginn des Grand-Slam-Turniers. Foto: EPA/Tolga Akmen
Alexander Zverev trainiert mit Félix Auger-Aliassime auf Court 1 in Wimbledon vor Beginn des Grand-Slam-Turniers. Foto: EPA/Tolga Akmen

LONDON: Alexander Zverev möchte in Wimbledon dem in Paris an der Hitze gescheiterten Jannik Sinner die Titelverteidigung verderben. Wer neben der deutschen Nummer eins in den Fokus rücken könnte.

Bei der Jagd nach den größten Titeln im Tennis herrschte zwei Jahre lang eine klare Dominanz. Jannik Sinner und Carlos Alcaraz räumten alle Pokale ab. Doch Alcaraz fehlt verletzt, Sinner brach in der Hitze von Paris ein. Alexander Zverev feierte vor drei Wochen bei den French Open seinen ersten Grand-Slam-Triumph. Und nun, in Wimbledon?

Der spanische Topstar Alcaraz pausiert noch immer wegen seiner Handgelenksverletzung. Diese Lücke möchte Zverev auch beim prestigeträchtigen Rasenklassiker nutzen und dem großen Favoriten Sinner den Erfolg streitig machen. Wie steht es um den italienischen Weltranglisten-Ersten und um weitere Herausforderer?

DER TOP-FAVORIT UND TITELVERTEIDIGER

In Paris schockte Sinners Kollaps bei 2:0-Satzführung und 5:1 im dritten Durchgang bei großer Hitze die Tenniswelt. Nach diesem völlig überraschenden Zweitrunden-Drama bei den French Open ließ der Südtiroler medizinische Tests durchführen. Man habe versucht herauszufinden, was passiert ist - und sei zu einer Schlussfolgerung gekommen, sagte er.

Nach einem souverän gewonnenen Showmatch gegen den Briten Cameron Norrie in der Hitze Londons unter der Woche gab sich Sinner (24) optimistisch. Ohne ein ernsthaftes Vorbereitungsturnier auf Rasen geht er zwar in seine Erstrundenpartie gegen den Serben Miomir Kecmanovic am Montagmittag.

Dass ihm fehlende Matchpraxis vor einem Grand Slam nichts ausmachen muss, hat er aber schon bewiesen. Spielt er am Limit, ist er kaum zu schlagen. Vermutlich kann ihn nur sein Körper bremsen.

DER REKORD-GRAND-SLAM-SIEGER

Für den siebenmaligen Wimbledon-Champion Novak Djokovic (39) steht viel auf dem Spiel. Djokovic reist noch immer mit dem Ziel zu den großen Turnieren, den unerreichten 25. Grand-Slam-Triumph zu holen. Mit seinen 39 Jahren schwindet die Chance vermeintlich immer mehr, in Wimbledon könnte diese am größten sein. Die Ballwechsel und Matches sind in der Regel etwas weniger kräftezehrend und kürzer. Ob der Routinier aber sieben Matches übersteht?

Der deutsche Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann sieht Djokovic als Außenseiter unter den Favoriten. «Man darf ihn nie unterschätzen. Aber er hat extrem wenig gespielt und das ist immer schwierig», meinte Kohlmann. Auf Djokovic könnte Zverev wie auf Sinner erst im Endspiel treffen.

DIE NORDAMERIKANER

Die US-Amerikaner Ben Shelton (23) und Taylor Fritz (28) können sich Chancen ausrechnen, weit zu kommen. Auch der als Teenager mit dem Schweizer Roger Federer verglichene Felix Auger-Aliassime (25) ist nicht außer Acht zu lassen, kann sich als Wundertüte entpuppen. Entweder spielt der Kanadier stark, offensiv und schnell - oder er ist mit zu vielen Fehlern verwundbar. «Er ist in seinen guten Phasen extrem gut, in seinen schlechten Phasen extrem schlecht für einen Topspieler», sagte Kohlmann.

DIE JUNGSTARS

Der unauffälligere Tscheche Jakub Mensik (20), der Spanier Rafael Jódar (19) mit seinem Power-Tennis und der gehypte Brasilianer João Fonseca (19) - die Youngster beeindruckten in Paris. Überzeugen sie auch auf Rasen? Ex-Champion Michael Stich hält Überraschungen von der nächsten Generation für möglich. «Es sind viele Junge, die ein bisschen respektloser werden im positiven Sinne», sagte der Amazon-Prime-Experte.

Kohlmann stuft Jódar und Mensik so ein, dass sie mit ihrer Spielweise gefährlich werden können. Ausnahmetalent Fonseca ist für ihn auf Rasen als speziellem Belag eher kein ernsthafter Konkurrent. Der Brasilianer sagte nach seinem Erstrunden-Aus in Halle für Eastbourne wegen Schulterproblemen ab.

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