Argentinien stoppt Kap Verdes WM-Märchen

​Mit Mühe und Messi 

Argentiniens Spieler feiern nach dem 3:2-Sieg gegen Kap Verde im WM-Sechzehntelfinale mit ihren Fans. Foto: EPA/Ronald Wittek
Argentiniens Spieler feiern nach dem 3:2-Sieg gegen Kap Verde im WM-Sechzehntelfinale mit ihren Fans. Foto: EPA/Ronald Wittek

MIAMI: Damit hat niemand gerechnet. Weltmeister Argentinien braucht eine Verlängerung und ganz viel Zittern, um Außenseiter Kap Verde zu schlagen. Das Überraschungsteam muss nach Hause - mit viel Applaus.

Dieses WM-Drama streckte die Spieler nach dem Schlusspfiff reihenweise zu Boden. Die Argentinier lagen da vor Erschöpfung. Die Kap Verdier vor Enttäuschung. In genau diesem Moment hatte Lionel Messi die Größe, zu gleich vier Spielern des krassen Außenseiters zu gehen und ihnen die Hände zu schütteln. Zum Trost. Und auch als Anerkennung für ein grandioses Turnier. Einige von ihnen weinten hemmungslos.

Selbst der Weltmeister Argentinien brauchte in diesem denkwürdigen Sechzehntelfinale eine 30-minütige Extrazeit, die genialen Momente seines Superstars und die Nehmerqualitäten eines Boxers, um Kap Verdes WM-Märchen mit 3:2 (1:1, 1:0) nach Verlängerung zu beenden.

«Gratulation an Kap Verde. Sie waren ein sehr harter Gegner», sagte Argentiniens Trainer Lionel Scaloni. «Wenn man immer sagt, dass es keine leichten Gegner gibt, dann hat es dieser Gegner heute bewiesen.» Das sei «eine großartige Mannschaft. Kap Verde hat heute 200 Prozent gegeben.»

20. WM-Tor für Messi

Ihre vergangenen drei großen Turniere haben die Argentinier alle gewonnen. Es gab bei der WM 2022 und bei den Südamerika-Meisterschaften 2019 und 2024 reihenweise Teams, die vor Messi und Co. regelrecht weggeknickt sind. Nicht so Kap Verde. Nicht einmal vor rund 50.000 argentinischen Fans in dem mit 64.478 Zuschauerinnen und Zuschauern gefüllten Stadion in Messis Wahlheimat Miami.

In der 29. Minute schoss der Superstar bereits sein siebtes Tor bei diesem Turnier und sein 20. insgesamt bei einer WM. Alles schien den erwarteten Verlauf zu nehmen.

Doch nach der Pause bestrafte Deroy Duarte (59.) zum ersten Mal die sich immer wieder einschleichende Passivität des Favoriten an diesem Abend. Auch in der Verlängerung kam der kleine Inselstaat nach dem 1:2 durch Lisandro Martínez (93.) noch einmal zurück. Denn Sidny Lopes Cabral, der von Januar 2022 bis Januar 2025 für Rot-Weiß Erfurt und Viktoria Köln in der vierten und dritten Liga Deutschlands gespielt hatte, gelang in der 103. Minute ein Traumtor. Der 23-Jährige feierte diesen Moment so sehr, dass er mitten in der Verlängerung eines WM-Spiels auf die Tribüne kletterte.

Eigentor entscheidet Krimi

Am Ende war es kein Sololauf von Messi oder sonst ein weltmeisterlicher Geniestreich, der Kap Verde aus dem Turnier und Argentinien in die nächste K.-o.-Runde gegen Ägypten beförderte (Dienstag, 18.00 Uhr Ortszeit in Atlanta). Es war - immerhin nach einem Eckball von Messi - ein Eigentor des Verteidigers Diney Borgens. «Die Spieler haben sich umarmt und geweint. Das zeigt auch, dass die Mannschaft eine Seele hat», sagte ihr Trainer Bubista.

Der 56-Jährige gab seine letzte Pressekonferenz bei dieser Weltmeisterschaft. Danach applaudierten ihm und seinem Team sogar die Journalisten.

«Ich bin sehr stolz auf das, was wir bei diesem Turnier gezeigt haben. Wir haben der Welt unsere Identität gezeigt», sagte Bubista. «Ich kann unserer Mannschaft nur danken für ihre Mühen und für so viel Herz, das sie auf dem Platz gezeigt hat. Wir sind vielleicht ein kleines Land. Aber wir können gegen die besten Mannschaften der Welt spielen.»

Messi: «Es gibt hier keine Geschenke»

Zwei frühere Weltmeister hatten sich schon vor den Argentiniern die Zähne an den «Blauen Haien» ausgebissen. «Wir wussten, dass das eine sehr starke Mannschaft ist. Sie haben nicht umsonst gegen Spanien und Uruguay nicht verloren», sagte Messi. «Es gibt hier keine Geschenke. Das ist diese WM: Alles ist sehr ausgeglichen.» Aber die Botschaft sei: «Auch wenn wir schlecht spielen, kommen wir zurück!»

Für den Spieler von Inter Miami ist es bereits die sechste WM. Messi weiß genau: Keine noch so gute Mannschaft spaziert einfach durch so ein Turnier. Siehe die deutschen Weltmeister von 2014 und ihre Quälerei bei jenem Turnier im Achtelfinale gegen Algerien. Oder die Argentinier selbst 2022, als sie gegen die Niederlande in den letzten zehn Minuten noch eine 2:0-Führung herschenkten und danach das Elfmeterschießen für den Halbfinal-Einzug brauchten.

«Wir wurden auf die Probe gestellt und haben uns durchgesetzt», sagte Lisandro Martínez hinterher. «Die Widerstandsfähigkeit dieser Mannschaft bedeutet: Niemals aufgeben, niemals den Kopf hängen lassen.»

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