Meterhoher Neuschnee bringt Probleme in den Alpen

St. Moritz: Ein Auto ist nach starkem Schneefall vollständig von Schnee bedeckt. Foto: Jean-Christophe Bott/Keystone/dpa
St. Moritz: Ein Auto ist nach starkem Schneefall vollständig von Schnee bedeckt. Foto: Jean-Christophe Bott/Keystone/dpa

BOZEN/INNSBRUCK/ZERMATT: Schnee in den Bergen - im Dezember könnte nichts normaler sein. Aber wenn ein bis zwei Meter auf einmal fallen, wird es doch kritisch. Es herrscht teils höchste Lawinengefahr.

Große Neuschneemengen haben in Teilen der Alpen zu erheblichen Verkehrsproblemen und höchster Lawinengefahr geführt. Betroffen war auch der Brenner-Pass zwischen Österreich und Italien. Dort waren Zugverbindungen unterbrochen und auch die Autobahn teilweise gesperrt. In ganz Südtirol gebe es viele Stromausfälle, teilte der Zivilschutz mit. Rund 1400 Feuerwehrleute seien seit Sonntagfrüh im Einsatz.

In Osttirol in Österreich wurde die höchste Lawinenwarnstufe ausgerufen. Es sei mit spontanen Lawinen, «vereinzelt auch extrem großen» zu rechnen, so die Behörden. Auch in der Schweiz waren Zugverkehr und Straßenverkehr beeinträchtigt.

In Prägraten am Großvenediger in Österreich ging am Samstag ein Schneebrett ab, wie die Polizei mitteilte. Vier Häuser und ein Fahrzeug wurden beschädigt. Niemand wurde verletzt. Etwa 100 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Die Schneemassen brachen auch in einen Schafstall und türmten sich in einem Gasthaus. Die Menschen wurden aufgerufen, möglichst zu Hause zu bleiben. In Tirol waren am Sonntag rund 3500 Haushalte ohne Strom, nachdem Bäume auf Stromleitungen gefallen waren.

Generell waren in Österreich viele Bergstraßen nur mit Schneeketten befahrbar oder überhaupt gesperrt, darunter der Plöckenpass oder die Zufahrt ins Lesachtal in Kärnten. Die Lage sollte sich nur langsam entspannen. Auch am Sonntag wurde regional mehr als ein Meter Neuschnee erwartet.

In der Schweiz machte der viele Schnee unter anderem der Matterhorn Gotthard Bahn zu schaffen. Die Bahn meldete am Sonntag auf Twitter eine Streckenunterbrechung zwischen Andermatt und Sedrun. Für Skitouren, Freeriden und Schneeschuhwanderungen abseits gesicherter Pisten seien die Verhältnisse kritisch. In einigen Regionen kam es zu Überschwemmungen durch geschmolzenen Schnee.

Wegen der Witterung wurde der für Sonntag angesetzte zweite Weltcup-Riesenslalom der Herren im italienischen Santa Caterina Valfurva auf Montag verlegt. Das teilte der Ski-Weltverband Fis mit. Bei den Damen waren an diesem Wochenende beide Super-G-Rennen in St. Moritz wegen hoher Lawinengefahr nach starken Schneefällen in der Region abgesagt worden. Die Speedfahrerinnen werden nun erst in zwei Wochen in Val d'Isere in ihre Weltcup-Saison starten können.

In der norditalienischen Region Venetien war die Feuerwehr rund um die Uhr im Einsatz und rückte mehr als 400 Mal aus. In der Dolomiten-Gegend um Belluno türmte sich der Schnee meterhoch, Stromtrassen wurden beschädigt.


Schnee-Chaos prägt Alpin-Wochenende - Ski-Männer müssen nachsitzen
Manuel Schwarz und Christoph Lother (dpa)

SANTA CATERINA VALFURVA: Heftige Wintereinbrüche haben das alpine Ski-Programm durcheinander gewirbelt. Während die Damen in St. Moritz gar nicht fahren konnten, müssen die Herren in Santa Caterina einen Tag länger bleiben. Die Laune ließen sich Schmid, Luitz und Co. nicht verderben.

Kopf in den Schnee, Beine in die Höh! Mit einem Instagram-Schnappschuss blödelten die deutschen Skirennfahrer ihren Ärger über die Planänderung in Santa Caterina einfach weg. Weil der zweite Riesenslalom in den italienischen Alpen am Sonntag nach heftigen Schneefällen um 24 Stunden verschoben wurde, müssen Stefan Luitz, Alexander Schmid und Julian Rauchfuß für ihre zweite Chance auf Spitzenplätze einen Tag länger bleiben. Nach dem ersten Rennen am Samstag mit Rang elf durch Schmid und einem Ausfall im Finale von Luitz trauen sich die beiden Techniker im DSV-Team die Top Ten am Montag absolut zu - wenn denn das Wetter mitspielt.

Der alpine Saisonauftakt war vor allem durch die Corona-Umstände samt Dauer-Testungen und der Sorge vor Quarantäne-Folgen geprägt, nun grätscht ein altbekannter Unsicherheitsfaktor rein: der Winter. Wegen des vielen Neuschnees sei die Sicherheit in der Gemeinde Valfurva nicht zu gewährleisten gewesen, hieß es am Sonntag. Den Damen in St. Moritz wurden gleich beide Super-G am Wochenende gestrichen.

Im Schweizer Engadin setzten die Behörden eine Lawinenwarnung ab, der Luxus-Skiort sperrte daraufhin alle seine Pisten. «Das hat natürlich oberste Priorität, da brauchen wir gar nicht zu diskutieren», sagte der Damen-Rennchef Peter Gerdol. Angesichts der privilegierten Situation, trotz Corona noch Wettkämpfe betreiben zu dürfen, klagten die Betroffenen nicht über die Absagen. «Wir leben in den Bergen und arbeiten jeden Tag mit dem Schnee. So etwas kann passieren, die Sicherheit hat Priorität», sagte Gerdol. «Kein Problem.»

Die Unwägbarkeiten einer Freiluftsportart hatten schon am Samstag die deutschen Männer im ersten Riesenslalom von Santa Caterina erlebt. Bei heftigem Schneetreiben fanden sie den Weg in die Top Ten nicht.

Während Schmid mit einem elften Platz zufrieden war, ärgerte sich Luitz (28) über den Ausfall im Finale. Der Allgäuer war bei einem Rechtsschwung weggerutscht und hatte dann keine Chance mehr, sich im Kurs zu halten. Immerhin vermied er einen gröberen Sturz und eine Verletzung. «Schade», sagte Bundestrainer Christian Schwaiger zum Ausfall, «da ist ihm ein dummer Fehler passiert. Aber man muss riskieren, um nach vorne zu kommen. Nur so kommt man voran.»

Schmid (26) war mit dem Selbstvertrauen eines dritten Rangs im Parallel-Event von Lech/Zürs angereist und wertete Platz elf beim Überraschungssieg des Kroaten Filip Zubcic als Schritt in die richtige Richtung. «Mein Ziel sind die Top Ten, dem komme ich immer näher. Es fehlt nicht viel. Ich muss mit dem elften Platz super zufrieden sein und das bin ich auch», sagte er in der ARD.

Und die Laune im kleinen Team des Deutschen Skiverbands (DSV) schien prächtig vor dem Riesenslalom am Montag (10.00/13.00 Uhr/BR). Weil sie kein Rennen zu fahren hatten, hockten sich Schmid, Luitz und Rauchfuß am Sonntag für ein Jux-Video in die Schaufel eines kleinen Radladers. Das Grinsen hinter den Masken war nicht zu übersehen.

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