Lula droht mit Aus für Mercosur

​Brasilien warnt EU vor Scheitern des Freihandelsabkommens

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva spricht bei der 14. Nationalen Konferenz für Sozialhilfe in Brasília. Foto: epa/Andre Borges
Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva spricht bei der 14. Nationalen Konferenz für Sozialhilfe in Brasília. Foto: epa/Andre Borges

BRASILIA: Brasiliens Präsident verliert die Geduld mit den EU-Staaten: Wenn das Mercosur-Abkommen jetzt nicht unterzeichnet wird, macht Brasilien keinen Deal mehr, warnt er.

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva droht mit einem Rückzug seines Landes aus dem geplanten Mercosur-Abkommen mit der EU. Sollte das seit 1999 verhandelte Freihandelsabkommen nicht rechtzeitig vor der geplanten Unterzeichnung am Samstag von den EU-Ländern gebilligt werden, werde Brasilien es nicht mehr unterstützen, sagte der linke Staatschef der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas.

«Ich habe sie bereits gewarnt: Wenn wir es jetzt nicht tun, wird Brasilien keinen Deal mehr machen, solange ich Präsident bin», sagte Lula auf einem Regierungstreffen, wie im Fernsehen zu sehen war. Brasilien habe 26 Jahre auf das Abkommen gewartet.

Das Abkommen soll den Handel zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay ankurbeln. Die französische Regierung hatte zuletzt jedoch abermals Nachbesserungen und eine Verschiebung gefordert, weil es unlautere Konkurrenz für seine Landwirte befürchtet.

Lula: Das Abkommen ist für die EU günstiger als für den Mercosur

Der Vertrag soll am Samstag auf dem Gipfeltreffen der Mercosur-Staaten in der brasilianischen Stadt Foz do Iguaçu unterzeichnet werden. «Es ist schwierig, weil Italien und Frankreich aufgrund interner politischer Probleme nicht zustimmen wollen», sagte Lula. Auf europäischer Seite gibt es auch Widerstand in Ländern wie Polen und Österreich.

Lula sagte, er werde nach Foz do Iguaçu in der Hoffnung fahren, dass das Abkommen in Brüssel zuvor genehmigt wird. Sollte dies nicht gelingen, werde er fortan hart bleiben. Die Mercosur-Staaten hätten bei den Verhandlungen alles akzeptiert, was diplomatisch möglich gewesen sei. Für die EU-Staaten sei der Vertrag viel günstiger als für den südamerikanischen Staatenbund. Man habe ein Zeichen für den Multilateralismus setzen wollen.

Die EU-Kommission und die südamerikanischen Mercosur-Staaten hatten vor einem Jahr die Verhandlungen über die Freihandelszone abgeschlossen. Das Abkommen würde eine der weltweit größten Freihandelszonen mit mehr als 700 Millionen Einwohnern schaffen.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder
Helmut Bodnar 18.12.25 18:11
Unfassbar
Jetzt hätten die Europäer mal die Möglichkeit den Genies aus Washington zu zeigen, dass sie einfach nur größenwahnsinnig sind und mittelfristig sich in Knie schießen.
Tja wenn ich Verschwörungstheorien anhängen würde würde ich sagen : Die Desinformationskampagne der Amis war erfolgreich.
Und die Europäer spielen weiter den wedelnden Schwanz der Genies aus Washington.
Walter Andriuet 18.12.25 14:20
Mercosur
Wenn man nach 26 Jahren keine Einigung erzielt hat, wäre es langsam an der Zeit die Uebung abzubrechen. Die EU, also nicht Europa ist ein bürokratisches Monster und wenn sie so weiter machen, kracht sowieso alles auseinander. Für Südamerika wäre es besser Geschäftsverbindungen mit Afrika oder Asien aufzubauen.
Ingo Kerp 18.12.25 13:40
Innerhalb von 26 Jahren ist es dank der EU-Bedenkenträgern nicht gelungen das Mercosur-Abkommen zu unterzeichnen. Er wäre die groeßte Wirtschaftsmacht der Welt. Mit Frankreich und Italien melden sich jetzt 2 Staaten, die die Unterzeichnung in diesem Jahr für zu "verfrüht" halten. Kein Wunder, das die ersten süd-amerikanischen Staaten die Nase voll haben von der EU und nicht mehr interessiert sind. Sie werden mit absoluter Sicherheit andere Partner in der Welt finden, die gerne ein Wirtschaftsabkommen unterzeichnen und die EU kann in die Roehre schauen.

Sind Sie bereits Online-Abonnent? Lesen Sie die vollfarbige PDF-Ausgabe DER FARANG.