Kuba bestätigt Gespräche mit den USA

Ein Passant läuft durch eine Straße in Havanna. Wegen ausbleibender Treibstoffimporte über drei Monate hat Präsident Díaz-Canel einen Notplan ausgerufen. Foto: EPA/Ernesto Mastrascusa
Ein Passant läuft durch eine Straße in Havanna. Wegen ausbleibender Treibstoffimporte über drei Monate hat Präsident Díaz-Canel einen Notplan ausgerufen. Foto: EPA/Ernesto Mastrascusa

HAVANNA: Die Spannungen zwischen den USA und Kuba hatten sich unter US-Präsident Trump verschärft. Mehrmals hieß es aus Washington, es gebe bereits Gespräche. Nun meldet sich Havanna zu Wort.

Erstmals seit Beginn der jüngsten Spannungen mit Washington hat Kuba formelle Gespräche mit der US-Regierung bestätigt. «Kubanische Vertreter haben kürzlich Gespräche mit Vertretern der US-Regierung geführt, um auf dem Wege des Dialogs nach einer möglichen Lösung für die zwischen beiden Ländern bestehenden bilateralen Differenzen zu suchen», sagte der Präsident des sozialistischen Landes, Miguel Díaz-Canel. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor mehrfach über laufende Kontakte mit Kuba gesprochen, die von Havanna bisher nicht bestätigt worden waren.

Die wirtschaftlich schwer angeschlagene Karibikinsel steht unter erhöhtem Druck aus Washington. Trump hatte zuletzt durch eine Ölblockade und Zolldrohungen gegen Kubas Öllieferanten den Zugang zu Öl für die Insel weitgehend gestoppt. US-Außenminister Marco Rubio sprach daraufhin von notwendigen wirtschaftlichen Reformen auf der Insel - möglicherweise als Schritt, um später auch eine politische Öffnung zu erreichen.

Die Gespräche mit Washington dienen laut Díaz-Canel dazu, Probleme zwischen den beiden Ländern zu identifizieren, Lösungen zu suchen und Bereiche der Zusammenarbeit zu finden. Der Austausch mit Washington sei durch «internationale Akteure» begünstigt worden, sagte er, ohne nähere Einzelheiten zu nennen.

In der Vergangenheit hat unter anderem der Vatikan bei Spannungen eine Brücke zwischen Havanna und Washington gebaut. Am Donnerstag hatte Kuba überraschend die Freilassung von 51 Häftlingen angekündigt - mit dem Hinweis, dies sei das Ergebnis der engen Kontakte mit dem Heiligen Stuhl. Im Jahr 2014 vermittelte Papst Franziskus die historische vorsichtige Annäherung der beiden Ländern unter dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama und dem kubanischen Revolutionsführer Raúl Castro. Ob der Vatikan nun auch bei den aktuellen Gesprächen eine Rolle spielt, ist unklar.

Der Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres, Stéphane Dujarric, begrüßte die Ankündigung der Gespräche. «Ich kann Ihnen sagen, dass wir den Dialog als Mittel zur friedlichen Beilegung der bilateralen Streitigkeiten sehr begrüßen», sagte Dujarric. Guterres sei zudem erfreut über die Nachricht der Freilassung von Häftlingen. Die UN äußerten sich besorgt über die schwerwiegende humanitäre Lage auf Kuba.

Schwierige Beziehungen seit Revolution 1959 unter Fidel Castro

Die Beziehungen zwischen Havanna und Washington sind seit der sozialistischen Revolution unter Fidel Castro 1959 angespannt. Unter Trump übte Washington zuletzt erhöhten Druck aus - nicht zuletzt auch nach dem spektakulären Coup der USA, mit dem im Januar Venezuelas autoritärer Präsident Nicolás Maduro in der Hauptstadt Caracas festgenommen und in die USA ausgeflogen wurde. Damit brach einer der wichtigsten Unterstützer Kubas - allen voran durch Öllieferungen - weg.

Trump hatte Anfang März gesagt, er sei persönlich zusammen mit Rubio an Verhandlungen mit Kuba beteiligt. «Kuba befindet sich in den letzten Augenblicken seines bisherigen Bestehens. Es wird ein neues Leben beginnen», sagte er damals auf einem Gipfel mit konservativen Regierungschefs aus Lateinamerika und der Karibik. Das nur rund 150 Kilometer von Florida entfernte Land habe kein Geld und kein Öl mehr und sei eine «Katastrophe».

Kuba hatte die Gespräche bisher nicht bestätigt - und sie sogar verneint. Nur informelle «Austausche» mit US-Vertretern habe es gegeben, sagte etwa der Vizeaußenminister Carlos Fernández de Cossio. Nach der Ankündigung von Díaz-Canel meldete sich Fernández auf der Plattform X.

«Es ist ein schwieriger Prozess», schrieb er. Es bleibe abzuwarten, wie das Ergebnis ausfallen werde und ob tatsächlich die Bereitschaft bestehe, den Wirtschaftskrieg gegen Kuba zu beenden. Havanna führt die wirtschaftliche Krise auf der Insel auf das seit mehr als 60 Jahren bestehende Handelsembargo der USA zurück.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder
Thomas Sylten 14.03.26 18:50
@Khun Maillet
Also ich war oft in Cuba, und kann bestätigen, dass viele Cubaner sich mit den USA vergleichen. Genau wie alle anderen Latinos - und genau wie diese wollen daher viele in die USA gelangen. Dort nennt man einreisende Cubaner "Flüchtlinge" und gewährte ihnen bis vor Kurzem Privilegien, während man andere Latinos "illegale Migranten" nennt und eine Mauer baut.

Gemeinsam ist all diesen Latinos einschl. Cubanern, dass sie ihre wirtschaftliche Lage dringend verbessern wollen. Die politische Lage ist selten der Grund - denn Cubaner wissen sehr wohl, dass ihnen ihre Regierung bessere Lebensbedingungen garantiert als die der regionalen Nachbarn. Was sich in der höchsten Lebenserwartung aller amerikanischen Länder einschließlich USA und Kanada widerspiegelt.

Wirtschaftlich profitieren konnten Cubaner davon seit der Revolution gegen die us-gestützte Batista-Diktatur freilich nur während der kurzen Perioden, in denen sie vom Hegemon nicht blockiert und drangsaliert wurden: also nur unmittelbar nach der Revolution bis zur Cuba-Krise (seither Blockade) und während der kurzen Tauwetter-Phase während der Obama-Annäherung: Da blühte Cuba rasant auf (ich habe es erlebt!).

Exakt DAS ist aber der Albtraum der Amerikaner: Ein erfolgreiches Cuba würde allzuviele Fragen auch beim restlichen "Hinterhof" aufwerfen. Weshalb Trump das Steuer sofort wieder rumriss und nun den letalen Würgegriff anlegt - einfach weil er es kann. Seine Politik duldet keine Abweichung - und die AgD eifert ihm nach!!
Michel Maillet 14.03.26 14:20
Wer
jemals auf Kuba war, erkennt schnell dass der Mythos "glückliche Kubaner" einfach nicht wahr ist. Alle wollen so leben wie in den USA. Die führende Elite wahrscheinlich aber nicht. Daher ist die Meinungsfreiheit stark eingeschränkt.
Ingo Kerp 14.03.26 13:50
Die Gespräche werden den gleichen Schlußsatz haben, wen den, den Trump im Gaza und im Iran abgegeben hat: totale Kapitulation und Übergabe der Regierung, bzw. zumindest ein Mitspracherecht bei der Neugestaltung. Auf die Idee, das andere Länder nicht wie die USA sein wollen, ist bisher keiner in der US-Regierung gekommen.

Sind Sie bereits Online-Abonnent? Lesen Sie die vollfarbige PDF-Ausgabe DER FARANG.