Israelisches Gericht spricht Mitarbeiter von World Vision schuldig

Israelische Richter während einer Diskussion am Obersten Gerichtshof in Ostjerusalem. Foto: epa/Abir Sultan
Israelische Richter während einer Diskussion am Obersten Gerichtshof in Ostjerusalem. Foto: epa/Abir Sultan

TEL AVIV: Sechs Jahre nach seiner Festnahme hat ein israelisches Gericht einen palästinensischen Mitarbeiter der Hilfsorganisation World Vision schuldig gesprochen. Das Bezirksgericht in Beerscheva entschied am Mittwoch, Mohammed el-Halabi habe Hilfsgelder an die im Gazastreifen herrschende Hamas übermittelt. Er wurde zudem in weiteren Anklagepunkten schuldig gesprochen, unter anderem wegen der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation und illegalen Waffenbesitzes. Das Strafmaß wird zu einem späteren Zeitpunkt verkündet.

Israel hatte El-Halabi im Juni 2016 festgenommen. Er habe für die im Gazastreifen herrschende Hamas Millionensummen Hilfsgelder abgezweigt, lautete der Vorwurf. Vor Gericht plädierte er jedoch in allen Punkten auf nicht schuldig. Eine Sprecherin von World Vision hatte vor der Urteilsverkündung gesagt, El-Halabi strebe einen Freispruch an. Im Urteil hieß es jedoch, El-Halabi habe im Verhör ausführlich und detailliert gestanden und das Geständnis sei glaubwürdig.

World Vision hatte nach der Festnahme die Arbeit im Gazastreifen eingestellt. 120 Mitarbeiter wurden entlassen. In den zehn Jahren davor hatte die christliche Organisation nach eigenen Angaben rund 20 Millionen Euro in mehr als 50 Projekte in dem Küstenstreifen investiert. Dabei ging es unter anderem um Essenspakete nach dem Krieg, psychologische Hilfe und Unterstützung für schwangere Frauen.

Die Bundesregierung und Australien stoppten angesichts der Vorwürfe ihre Zahlungen an World Vision in Gaza. Eine externe Untersuchung im Auftrag der Hilfsorganisation ergab jedoch keine Unregelmäßigkeiten. Auch Australien teilte nach einer Prüfung mit, man habe keine Hinweise darauf gefunden, dass World Vision Geld der Regierung an die Hamas gegeben habe.

Die islamistische Hamas hatte im Jahr 2007 gewaltsam die Macht im Gazastreifen an sich gerissen. Sie wird von den USA, der EU und Israel als Terrororganisation eingestuft. In dem blockierten Küstengebiet leben rund zwei Millionen Menschen unter prekären Bedingungen.

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