TRAT: Ein aktueller Bericht des Centre for Gambling Problem Studies hat ein weit verzweigtes Netzwerk aus Politikern, Militärs und Geschäftsleuten aufgedeckt, die massiv von grenzüberschreitenden Glücksspieloperationen an der thailändisch-kambodschanischen Grenze profitieren, berichtet „The Nation“.
Auslöser für die Enthüllungen waren jüngste Spannungen zwischen Thailand und Kambodscha, die in militärischen Zusammenstößen bei Chong Bok in der Provinz Ubon Ratchathani gipfelten und seit dem 7. Juni 2025 zu Einschränkungen beim Grenzverkehr führten.
Im Zentrum der Recherchen steht das „Koh Kong Resort“-Casino in unmittelbarer Nähe des thailändischen Grenzübergangs Khlong Yai in der Provinz Trat. Es gehört dem kambodschanischen Senator und Unternehmer Ly Yong Phat, auch bekannt als „Sia Pad“. Seine LYP-Gruppe kontrolliert zehntausende Rai Land und betreibt neben Casinos auch Industrieparks, Brücken, Hotels und Einkaufszentren. Besonders brisant: Ly Yong Phat pflegt enge Beziehungen zum ehemaligen Premierminister Hun Sen, der als sein politischer Förderer gilt.
Kambodscha zählt inzwischen rund 150 Casinos, vorwiegend entlang der thailändischen Grenze. Als Zentrum gilt Poipet in der Provinz Banteay Meanchey, wo rund 80 Prozent der Gäste aus Thailand stammen. Die größten Betriebe sind Grand Diamond City, das dem ehemaligen thailändischen Abgeordneten Watthana Asavahem gehört, sowie Holiday Poipet, ein Joint Venture mit Investoren aus Indonesien, Macau, Thailand und Taiwan.
Das Forschungsteam beschreibt ein ausgeklügeltes System von Scheinbeteiligungen, bei dem lokale Machthaber, darunter auch frühere Khmer-Rouge-Kommandeure, thailändischen Investoren nur unter der Bedingung Zugang gewähren, dass sie an den Gewinnen beteiligt werden. Diese Strukturen führen zu mehrfachen Konzessionszahlungen und verdeckten Profitflüssen an politische Eliten auf beiden Seiten der Grenze.
Darüber hinaus dokumentiert der Bericht systematische Korruption: Betreiber zahlen Schmiergelder für Grenzabfertigung, Passkontrollen, Zollprüfungen und Geldtransfers. Mehrere Casinos fungieren laut Analyse als Geldwaschzentren für thailändische Eliten aus illegalen Geschäftsbereichen. Als eine Schlüsselfigur wird „Kok An“ genannt, ein Unternehmer mit Nähe zu Hun Sen, der unter anderem am umstrittenen Bau des Princess Crown Casinos in Poipet beteiligt war.
Die verschärften Grenzkontrollen, insbesondere am Übergang Aranyaprathet–Poipet, setzen den Glücksspielbetrieben aktuell massiv zu. Der Personenverkehr ist auf die Zeit von 08.00 bis 16.00 Uhr beschränkt, und thailändischen Staatsbürgern ist das Verlassen des Landes zum Zweck des Glücksspiels untersagt. Dies erschwert nicht nur die Anreise von Spielern, sondern bringt auch milliardenschwere Umsätze ins Wanken.
Das Netzwerk reicht dabei weit über die Region hinaus: Investoren aus Indonesien, Malaysia, China (Macau), Taiwan und Thailand selbst sind in die Casinowirtschaft involviert. Die thailändische Seite ist unter anderem über Unternehmer aus der Provinz Sakaeo und Ölkonzerne vertreten.
Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass der aktuelle Grenzkonflikt erstmals ein System ins öffentliche Licht rückt, das seit Jahrzehnten im Schatten agiert – ein Geflecht aus wirtschaftlicher Macht, politischem Einfluss und grenzüberschreitender Korruption. Unklar bleibt, wie nachhaltig die derzeitige Konfrontation ist – und ob sie das Ende einer Ära verdeckter Milliardengeschäfte einläuten könnte.