Gericht lässt Anklage gegen Reporter zu

Foto: epa/Nyein Chan Naing
Foto: epa/Nyein Chan Naing

RANGUN (dpa) - Den beiden in Myanmar festgenommenen Reuters-Reportern drohen nun offiziell bis zu 14 Jahre Haft. Ein Gericht ließ am Mittwoch die Anklage gegen die beiden Männer unter dem «Official Secrets Act», einem Gesetz zum Schutz von Staatsgeheimnissen aus der Kolonialzeit, zu. Das teilte der Anwalt der Journalisten mit.

Die beiden einheimischen Mitarbeiter der Nachrichtenagentur waren im Dezember festgenommen worden. Ihnen wird vorgeworfen, von Polizisten vertrauliche Unterlagen zum Vorgehen des Militärs gegen die muslimische Rohingya-Minderheit in der Krisenregion Rakhine entgegengenommen zu haben.

Das aus dem Jahr 1923 stammende Gesetz verbietet Handlungen, die «der Sicherheit oder den Interessen des Landes abträglich» sind. Die beiden Männer hätten beantragt, gegen Kaution freizukommen, teilte ihr Anwalt weiter mit. Der Richter werde das bei der nächsten Anhörung in zwei Wochen (23. Januar) in Betracht ziehen.

«Ich versuche, stark zu sein und mir keine Sorgen zu machen», sagte Wa Lone, einer der beiden Angeklagten, nach der Anhörung. «Sie haben uns festgenommen, weil wir versuchten, die Wahrheit zu enthüllen.» Vor dem Gebäude demonstrierten rund 30 Menschen gegen den Prozess.

Der Chefredakteur von Reuters, Stephen J. Adler, nannte die Anklage in einer Mitteilung am Mittwoch einen «komplett ohne Grundlage daherkommenden, himmelschreienden Angriff auf die Pressefreiheit». Reuters fordere weiterhin die umgehende Freilassung der Reporter.

In Myanmar ist das Militär auch nach dem Ende der jahrzehntelangen Diktatur noch an der Regierung beteiligt, auch wenn die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi de facto die Regierung führt. Allein im vergangenen Jahr wurden mindestens elf Journalisten festgenommen.

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