Französische Fischer planen Blockaden im Streit mit Briten

Übersicht über das Fischerdorf im Bezirk La Pointe Courte in Sete. Foto: epa/Guillaume Horcajuelo
Übersicht über das Fischerdorf im Bezirk La Pointe Courte in Sete. Foto: epa/Guillaume Horcajuelo

CALAIS/LONDON: Die französischen Fischer zeigen im Streit mit den Briten über Fangrechte ihre Muskeln. Sie wollen kurz Handelswege über den Ärmelkanal stören - ein Alarmzeichen für britische Händler zum Weihnachtsgeschäft.

Im Fischereistreit zwischen Großbritannien und Frankreich wollen französische Fischer an diesem Freitag Verkehrswege über den Ärmelkanal blockieren. Geplant sind Blockaden unter anderem am Kanaltunnel in Calais. Es gehe um zeitlich begrenzte, symbolische und gewaltfreie Proteste, betonte der Fischereiverband am Donnerstag.

Betroffen sind neben Calais die Häfen von Saint-Malo und Ouistreham. Die Aktionen seien eine Reaktion auf die britische Blockadehaltung beim Erteilen von Fischereilizenzen für französische Fischer. Trotz monatelanger Verhandlungen weigerten sich London und die Kanalinsel Jersey, rechtmäßigerweise zustehende Lizenzen auszustellen.

Ein Sprecher des britischen Premierministers Boris Johnson erklärte in London, man beobachte die Lage «sehr genau» und habe «Notfallpläne» zur Hand. Frankreich müsse jedoch sicherstellen, «dass es nicht zu illegalen Aktionen kommt und der Handel nicht beeinträchtig wird».

Die Meerenge zwischen Calais und Dover am Ärmelkanal ist die wichtigste Handelsroute für das Vereinigte Königreich. Ein Großteil der Waren vom Kontinent gelangt entweder über Fähren oder durch den Eurotunnel auf die Insel. Eine Blockade dieser Verkehrswege könnte die britische Wirtschaft daher empfindlich treffen.

In den Häfen Calais, Saint-Malo und Ouistreham wollen die Fischer mit ihren Booten jeweils für ein bis zwei Stunden den Fährverkehr unterbrechen. In Calais soll außerdem die Zufahrt von Lastwagen zum Kanaltunnel über die Autobahn während zwei Stunden blockiert werden.

Nach der Berechnung des französischen Fischereiverbandes steht die Erteilung von 237 Lizenzen durch die britische Seite noch aus. Die Fischer hätten alle verlangten Informationen geliefert und für eine Rückkehr zum Verhandlungstisch auf Gegenmaßnahmen verzichtet. Nun zeige sich, dass die Ergebnisse nicht mit ihrer Geduld und ihrem guten Willen im Einklang stünden.

Die EU-Kommission strebt in dem Konflikt eine Lösung bis zum 10. Dezember an. Das hatte der zuständige EU-Kommissar Virginijus Sinkevicius am Mittwoch auf Twitter angekündigt. «Wir intensivieren die Gespräche für eine endgültige Lösung bis zum 10.12.2021», so Sinkevicius nach einem Gespräch mit dem britischen Umweltminister George Eustice.

In der Auseinandersetzung zwischen Paris und London geht es um Fischereilizenzen für französische Fischer vor den der britischen Krone unterstehenden Kanalinseln Jersey und Guernsey. Die Inseln liegen sehr viel näher vor der französischen Küste als vor der englischen. Seit dem EU-Austritt Großbritanniens müssen die Fischer aus Frankreich Lizenzen beantragen. Weil diverse Anträge abgelehnt wurden, wirft Frankreich Großbritannien vor, sich nicht an die Brexit-Abmachungen zu halten. London weist dies zurück.

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Ingo Kerp 26.11.21 12:20
Der Brexit ist angenommen, die Verträge ausgehandelt und unterschrieben und ratifiziert. Dennoch geben die nervigen Briten keine Ruhe und karten ständig nach. Vielleicht hilft tatsächlich nur ein Abblocken des Warenverkhrs nach GB für eine gewisse Zeit, um sie zum Nachdenken und Einlenken zu bringen. Sind zu Weihnachten die Regale leer, koennte sich evtl. auch im Kopf vom Boris, unter seiner Frisur, die einem aufgeplatzen Sofakissen gleicht, eine Einsicht einstellen.