Illegal gefangener Fisch

​Kommt immer noch auf den Tisch

Foto: Freepik/Yurymikheev
Foto: Freepik/Yurymikheev

LUXEMBURG: Illegal gefangener Fisch landet den obersten EU-Rechnungsprüfern zufolge noch zu häufig auf den Tellern von Bürgerinnen und Bürgern. «Ein Hauptgrund dafür ist die uneinheitliche Anwendung von Kontrollen und Sanktionen durch die EU-Länder», heißt es in einem am Montag veröffentlichten Bericht des Europäischen Rechnungshofs in Luxemburg. Es gebe zwar Kontrollsysteme, die den Weg illegaler Fischereierzeugnisse zum Verbraucher erschweren. Aber in den Kontrollsystemen einiger EU-Staaten gebe es «erhebliche Mängel». Diese führten dazu, dass Bestände überfischt und zu geringe Fangmengen angegeben würden.

Die EU habe sich verpflichtet, illegaler Fischerei bis 2020 ein Ende zu setzen, heißt es in dem Bericht. Dafür seien aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds zwischen 2014 und 2020 insgesamt 580 Millionen Euro bereitgestellt worden. Die EU habe ihr Ziel jedoch verfehlt.

Einen Grund dafür sieht der Rechnungshof darin, dass bei der Nachverfolgung von Fischen noch immer mit Papierformularen gearbeitet werde, was das Betrugsrisiko erhöhe. Die EU-Kommission habe zwar bereits ein passendes IT-System eingeführt. Dies werde jedoch von «keinem einzigen EU-Land genutzt».

Zudem würden die vorgesehenen EU-Regeln für Geldstrafen bei illegaler Fischerei von den EU-Staaten nicht einheitlich angewendet. Die durchschnittliche Geldstrafe liege in Zypern bei rund 200 Euro und in Spanien bei mehr als 7000 Euro. In einigen EU-Ländern seien die Sanktionen im Vergleich zu dem Profit, der mit der illegalen Fischerei erzielt worden sei, nicht abschreckend genug.

Dem Bericht zufolge hat die EU mit rund 79.000 Schiffen eine der weltweit größten Fischereiflotten. Sie setzt damit rund sechs Milliarden Euro im Jahr um. Zu den Marktführern unter den Mitgliedstaaten zählen gemessen am Handelsvolumen Spanien, Dänemark, Frankreich und die Niederlande. EU-Bürgerinnen und -Bürger essen den Prüfern zufolge jedoch mehr Fisch als in der EU gefangen oder gezüchtet werden kann. Um die hohe Nachfrage zu decken, werden demnach 60 Prozent der verbrauchten Menge eingeführt. «Dadurch wird die EU zur weltgrößten Importeurin von Fischereierzeugnissen.»

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