Ein Klimagipfel im Eiltempo

«Rennen gegen die Zeit» in Madrid

Arbeiter bauen die Räume für die Weltklimakonferenz in einem Pavillon auf der Madrider Messe (IFEMA). Foto: IFEMA/Dpa
Arbeiter bauen die Räume für die Weltklimakonferenz in einem Pavillon auf der Madrider Messe (IFEMA). Foto: IFEMA/Dpa

MADRID (dpa) - Wie stellt eine Stadt in nur einem Monat eine Mega-Konferenz mit Zehntausenden Teilnehmern auf die Beine? Madrid traut sich und lädt nach Chiles Absage zur Weltklimakonferenz. Spaniens Hauptstadt ist geübt im spontanen Organisieren - und bekommt Lob aus Deutschland.

Das spanische Fernsehen sprach passend von einem «Rennen gegen die Zeit», als Anfang November Madrid kurzfristig zum neuen Austragungsort der Weltklimakonferenz gekürt wurde. Bereits vom 2. bis 13. Dezember soll der UN-Gipfel (COP25) stattfinden - dafür musste und muss die spanische Hauptstadt eine Organisation in Rekordzeit hinlegen. Statt eines Jahres sind nur wenige Wochen Zeit geblieben, um das Event mit mindestens 25.000 Teilnehmern aus 200 Ländern auf die Beine zu stellen.

Chile hatte die ursprünglich in dem lateinamerikanischen Land geplante Konferenz Anfang November wegen anhaltender politischer Unruhen abgesagt. Spaniens sozialistischer Ministerpräsident Pedro Sánchez - der zu diesem Zeitpunkt noch mitten in der Kampagne für die Parlamentsneuwahl vom 10. November steckte - zögerte nicht lange und brachte spontan Madrid als Ersatzort ins Spiel. Die Vereinten Nationen nahmen das Angebot dankend an.

Aber geht das überhaupt, eine solche logistische Herkulesaufgabe in so kurzer Zeit zu meistern? Das Motto der Veranstaltung, «Tiempo de Actuar» («Zeit zu handeln»), bezieht sich jedenfalls in diesen Tagen nicht nur auf die globale Klimapolitik.

In der spanischen Hauptstadt geben sich die Verantwortlichen aber optimistisch. Madrid sei bestens gewappnet, um im Eiltempo eine zwölftägige Konferenz auf die Beine zu stellen, betonte Bürgermeister José Luis Martínez Almeida kurz nach Bekanntwerden der Verlegung nach Spanien. Diese wird nun im Messezentrum IFEMA stattfinden, wo fast 115.000 Quadratmeter und sieben Pavillons bereitgestellt werden - das ist mehr als die Hälfte der Gesamtkapazität des Geländes, auf dem es schon Events mit 50.000 Teilnehmern gab.

«Wir haben Erfahrung, wir haben die Kapazität und wir haben den großen Wunsch das Zentrum der Welt zu sein, wenn über die wichtigen Themen in Sachen Zukunft der Menschheit gesprochen wird, über Klima und nachhaltige Umweltpolitik», betonte Almeida. Auch IFEMA-Direktor Eduardo López-Puertas ist optimistisch. Zwar lägen bereits «zwei Wochen frenetischer Arbeit» hinter den Organisatoren - «aber dies ist eine Herausforderung, die wir mit immenser Freude angenommen haben und mit der Gewissheit, sie in Rekordzeit durchführen zu können», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

An der Organisation seien neben IFEMA auch Teams der Vereinten Nationen sowie Mitarbeiter der spanischen und der chilenischen Regierungen beteiligt, denn schließlich habe Chile auch weiter die Präsidentschaft der COP25 inne, erklärt López-Puertas. Was diese Konferenz von anderen unterscheide, seien hingegen die strengen Vorgaben der UN bezüglich der Umweltbelastung. «Unter anderem gibt es spezielle technische Richtlinien in Bezug auf die Materialien beim Aufbau der Stände, die Art der Verpackungen im Catering-Service oder beim Abfallrecycling», so López-Puertas.

Und wie sieht es mit den Unterkünften aus? Dafür ist Madrid eigentlich bestens gerüstet, verfügt die Stadt doch über rund 90.000 Hotelbetten sowie zahlreiche Ferienwohnungen. Dennoch könnte es Medienberichten zufolge wegen eines langen Brückenwochenendes zwischen dem 6. und 9. Dezember zu einem Engpass kommen, weil dann viele Spanier zu einem Kurztrip nach Madrid reisen.

Das öffentliche Nahverkehrsnetz mit Bus, U-Bahn und Zug funktioniert indes hervorragend und soll während des Gipfels teilweise noch verstärkt werden. Auch stehen mehr als 15.000 Taxen sowie Fahrdienste wie Uber für die Konferenzteilnehmer bereit.

Die wohl größte Herausforderung ist somit die Sicherheit. Für einen Gipfel dieser Art müssen Tausende Polizisten abgestellt werden - was im Normalfall kein Problem wäre. Nur hat Spanien gerade selbst wegen der anhaltenden Proteste in der abtrünnigen Region Katalonien genug Ärger. Die Regierung musste zuletzt immer wieder Beamte der Nationalpolizei entsenden, um für Ordnung zu sorgen. Wie der konkrete Plan für die COP25 aussieht, wurde noch nicht bekannt.

Im deutschen Umweltministerium zeigt man sich jedenfalls beeindruckt. «Die spanischen Kolleginnen und Kollegen leisten in der kurzen Zeit sehr gute Arbeit», sagte ein Sprecher. Geplant sei, die Konferenz so abzuhalten, wie sie in Chile geplant gewesen sei. «Wir sind sehr dankbar für die Bereitschaft Spaniens, hier so spontan auszuhelfen.» Es sei ein Glücksfall, dass das IFEMA-Gelände genutzt werden könne, so dass die Grundinfrastruktur schon stehe.

Sicher ist auch: Madrid ist schon geübt darin, kurzfristig organisierte Großveranstaltungen erfolgreich zu wuppen. So hatte Sánchez' Regierung im vergangenen Dezember spontan das Madrider Bernabéu-Stadion für das Fußball-Endspiel der südamerikanischen Copa Libertadores zur Verfügung gestellt - wegen Krawallen in Buenos Aires zwischen Anhängern der Finalisten Boca Juniors und River Plate. Auch in diesem Fall musste in wenigen Tagen eine Strategie erdacht werden, um 80.000 Fans im Stadion und viele weitere in der Stadt im Zaum zu halten. Das gelang - ohne nennenswerte Zwischenfälle. Bürgermeister Almeida meint: «Es gibt keinen Zweifel, Madrid ist vorbereitet.»

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