Ein Fenster ins Siam von 1869

Wilhelm Burger – Eine Fotografische Brücke zwischen Österreich-Ungarn und Siam

Wilhelm Donko, ehemaliger Botschafter Österreichs in Thailand, ist Mitautor des Bildbandes über das alte Siam.
Wilhelm Donko, ehemaliger Botschafter Österreichs in Thailand, ist Mitautor des Bildbandes über das alte Siam.

BANGKOK: Als im Jahr 1869 erstmals zwei österreichisch-ungarische Kriegsschiffe das Königreich Siam – das heutige Thailand – erreichten, begann ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen beiden Ländern. Ziel der Expedition war der Abschluss eines Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrages sowie die Aufnahme formeller diplomatischer Beziehungen mit dem Königreich Siam.

Wirtschaftshistorischer Hintergrund war die unmittelbar bevorstehende Eröffnung des Suezkanals, der Ostasien geografisch viel näher an Europa heranbrachte und die Länder Ostasien zu interessanten

Handelspartnern für die europäischen Mächte machte. Was damals als politische und maritime Mission begann, entwi­ckelte sich zugleich zu einer außergewöhnlichen kulturellen Begegnung.

Ein Porträt Seiner Majestät König Chulalongkorn.
Ein Porträt Seiner Majestät König Chulalongkorn.

An Bord der Fregatte „Donau“ befand sich der Wiener Fotograf Wilhelm Burger, der Geschichte schrieb: Erstmals begleitete ein Fotograf einen österreichischen Marineverband auf einer Überseereise. Bis dahin hatten ausschließlich Maler die Eindrücke fremder Länder festgehalten. Burger dokumentierte Siam mit der damals noch jungen Kunst der Fotografie und schuf einzigartige Aufnahmen des Landes, seiner Menschen und seines Hofes – darunter eindrucksvolle Porträts Seiner Majestät des Königs. Seine Fotografien zählen heute zu frühen und bedeutsamen Bildzeugnissen Thailands und werden in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien aufbewahrt.

Im Jahr 2024 konnten zahlreiche dieser historischen Aufnahmen erstmals in Bangkok einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Ausstellung fand großen Anklang und weckte das Interesse der Thai Beverage Public Company Limited (ThaiBev), die daraufhin die Veröffentlichung eines umfassenden Bildbandes initiierte.

Das Buch erschien im Juni 2026 im Amarin Verlag unter dem Titel: „A Moment in Time. The Journey from Austria-Hungary to Siam Through the Lens of Wilhelm Burger“ mit dem Untertitel: „155 Years of Friendship between Austria-Hungary and Siam – A Collection of Unique Pictures Taken by the Pioneering Photographer Wilhelm Burger in Siam 1869“.

Kriegselefant aus dem Siam zur Zeit von König Rama IV.
Kriegselefant aus dem Siam zur Zeit von König Rama IV.

Einen erheblichen Teil des Buches verfasste Wilhelm Donko, ehemaliger Botschafter Österreichs in Thailand und ausgewiesener Kenner der gemeinsamen Geschichte beider Länder. Als Historiker und Diplomat verbindet er wissenschaftliche Präzision mit persönlicher Erfahrung. Für den Bildband konnte er seine langjährigen Forschungen über die österreichisch-siamesischen Beziehungen einbringen und verfasste unter anderem die Darstellung der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Österreich-Ungarn und Siam.

Die feierliche Übergabe der ersten druckfrischen Exemplare fand im Juni 2026 im Park Venture Ecoplex an der Wireless Road in Bangkok statt. Gemeinsam mit Khun Paul Choong, Advisor to President & CEO und Khun Chamapan Rangaratna von ThaiBev, nahm auch die neue österreichische Botschafterin in Thailand, Ihre Exzellenz Katharina Wieser, an der Buchübergabe teil. Die Veranstaltung würdigte nicht nur das Erscheinen eines außergewöhnlichen historischen Werkes, sondern auch die inzwischen über 155 Jahre währende Freundschaft zwischen Österreich und Thailand, aber auch zwischen Ungarn und Thailand.

Das Buch ist damit weit mehr als ein Bildband. Es ist ein Stück gemeinsamer Geschichte Österreich-Ungarns und Thailands und zugleich eine Hommage an Wilhelm Burger, dessen Fotografien einen einzigartigen Blick auf Siam des 19. Jahrhunderts ermöglichen. Ebenso würdigt es den unermüdlichen Einsatz von Wilhelm Donko, der als ehemaliger Botschafter und Historiker dazu beigetragen hat, dieses bedeutende Kapitel der österreichisch-thailändischen Beziehungen einer neuen Generation zugänglich zu machen.

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