Drogenbeauftragte: Lobbyisten reden Patienten Cannabis ein

Foto: epa/Bea Kallos
Foto: epa/Bea Kallos

WIEN (dpa) - Die Nachfrage nach Cannabis auf Rezept hat nach Ansicht der deutschen Drogenbeauftragten nicht nur rein medizinische Gründe.

«Uns ist vollkommen klar, dass es Druck von Patienten gibt, denen von Lobbyisten eingeredet wird, dass Cannabis immer die beste Medizin ist», sagte Marlene Mortler der Deutschen Presse-Agentur am Rande einer UN-Drogenkonferenz in Wien. Diese seit zwei Jahren in Deutschland erlaubten Arzneimittel seien für manche Patienten sinnvoll, aber «nicht die erste Wahl», sagte die Beauftragte der Bundesregierung. «Es gibt viele andere gut wirkende, besser wirkende Medikamente.»

Der Internationale Drogenkontrollrat (INCB), der die Einhaltung von UN-Drogenverträgen überwacht, kritisierte vor kurzem, dass einige Länder Cannabis als Medizin für verschiedenste Beschwerden zulassen, obwohl die Wirksamkeit nur für Patienten mit Multipler Sklerose, Epilepsie oder mit Nebenwirkungen von Chemotherapie belegt sei. Eine zu liberale Verschreibungspraxis könne den Eindruck erzeugen, Cannabis sei auch als Droge harmlos, warnten die Experten des INCB.

Mortler nahm an einer Sitzung der Suchtstoffkommission der Vereinten Nationen teil, in der UN-Mitglieder die internationale Drogenpolitik regelmäßig weiterentwickeln. Kommende Woche wird das Gremium über den Vorschlag der Weltgesundheitsorganisation beraten, den Cannabis-Bestandteil Cannabidiol (CBD) von der Liste der verbotenen Substanzen zu streichen. Das nicht psychoaktive CBD wird für Arzneimittel verwendet. Die WHO schlage jedoch nicht vor, Cannabis ganz zu legalisieren, betonte Mortler.

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Alexander Kossorotow 18.03.19 21:34
Eindeute Fehlbesetzung
Da haben wir wohl die Stelle der Drogenbeauftragten falsch besetzt. Wie kann man nur solchen Unfug behaupten. Bei vielen unheilbaren Krankheiten ist Cannabis das einzige, was Linderung bringt (MS, Morbus Chron und Parkinson z.B) Man könnte höchsens sagen, dass die Pharmalobby weniger Umsatz macht, aber der wissenschaftliche Nutzwert ist längst erwisen. In D haben wir in der Politik ja nicht nur hier das Problem mit inkompetentem Personal.