Die «perfekte Version»: Coppolas «Apocalypse Now

Final Cut» im Kino

Foto: Twitter/@forbo_jack
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LOS ANGELES (dpa) - Die Dreharbeiten waren ein Alptraum, das Ergebnis ein Meisterwerk: Mit «Apocalypse Now» drehte Francis Ford Coppola einen legendären Anti-Kriegsfilm. Zum 40. Jubiläum bringt der Oscar-Preisträger eine restaurierte, längere Fassung ins Kino.

Es ist einer der besten Anti-Kriegsfilme überhaupt: Francis Ford Coppolas visionäres Meisterwerk «Apocalypse Now» im Dschungel von Vietnam hat auch 40 Jahre nach seinem Erscheinen Kultstatus. Das aufwendige Schreckensgemälde von 1979 gewann die Goldene Palme in Cannes, bekam zwei Oscars und war für sechs weitere Oscars nominiert. Der inzwischen 80 Jahre alte Coppola legte für die «perfekte Version» jetzt noch einmal Hand an.

Nach fast einjähriger Restaurierung kommt am 15. Juli «Apocalypse Now - Final Cut» bei einem bundesweiten Event in die deutschen Kinos. Über 300.000 Einzelbilder der Originalnegative wurden bereinigt, die Audiospur komplett restauriert. Die grellen Kriegsszenen sind noch spektakulärer, die düsteren Bilder noch schwärzer. «Die Zuschauer werden diesen Film auf eine Weise sehen, hören und fühlen können, von der ich immer geträumt habe - und das vom ersten Knall bis zum letzten Seufzer», sagt Coppola.

Noch realistischer sind die berühmten Szenen aus der Kriegshölle, etwa als eine Hubschrauber-Staffel zu den Klängen von Richard Wagners «Walkürenritt» ein Küstendorf bombardiert, damit die Soldaten in Ruhe surfen können. Noch packender ist die Odyssee des US-Captains Willard (Martin Sheen), der mit einem Patrouillenboot die kambodschanische Grenze ansteuert. Dort soll er den wahnsinnigen US-Colonel Kurtz (Marlon Brando) ausschalten, der dort ein Schreckensregime über die Einheimischen führt.

Die neue Vision des Regisseurs geht über die rein technischen Verbesserungen weit hinaus. Seine Originalfassung hatte Coppola 1979 aus Vermarktungszwecken auf 153 Minuten Laufzeit kürzen müssen. Bei «Apocalypse Now Redux» fügte er 2001 gut 50 Minuten Material dazu, darunter alte Originalaufnahmen, die den Kriegswahnsinn noch drastischer darstellen. «Ich habe oft gedacht, dass der Originalfilm zu abrupt gekürt wurde, 'Redux' zu lang war und dass ich nun die perfekte Version gefunden habe», sagte Coppola im April dem US-Branchenblatt «Deadline.com».

«Apocalypse Now - Final Cut», gut drei Stunden lang, feierte im April beim New Yorker Tribeca-Festival seine Premiere. Bei der Vorstellung des Films erinnerte Coppola an den berüchtigten Dreh auf den Philippinen. Schwere Stürme, Sheens Herzinfarkt und ein schwieriger Marlon Brando trieben die Kosten in die Höhe. Statt der geplanten 12 Millionen Dollar waren es am Ende 30 Millionen Dollar. «Ich hatte große Angst und war sehr deprimiert», sagte Coppola. Er fürchtete, den schlimmsten Film aller Zeiten zu drehen und dabei finanziell pleite zu gehen. Doch er sei seiner Devise gefolgt: Wer Kunst macht, müsse bereit sein, ein Risiko einzugehen.

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