Corona-Überblick: Meldungen am Sonntag

Muslime beten beim Hadsch um die Kaaba und die Große Moschee in Mekka. Foto: epa/Sedat Suna
Muslime beten beim Hadsch um die Kaaba und die Große Moschee in Mekka. Foto: epa/Sedat Suna

Wallfahrt Hadsch erneut unter strengen Auflagen

RIAD: Die muslimische Wallfahrt Hadsch in Saudi-Arabien findet wegen der Corona-Pandemie auch dieses Jahr nur unter strengen Auflagen statt. Es werde in Mekka ein «sicheres Umfeld» geschaffen, um die Gesundheit der Pilger zu schützen, kündigte das zuständige Ministerium der Staatsagentur SPA zufolge am Sonntag an. Dieses Jahr beginnt der Hadsch Mitte Juli.

Für gläubige Muslime zählt die Wallfahrt zu den fünf Grundpflichten. Jeder fromme Muslim, der gesund ist und es sich leisten kann, sollte einmal im Leben nach Mekka pilgern. Für die weite Anreise aus Asien, Afrika oder anderen Teilen der Welt sparen viele von ihnen Jahre.

Schon vergangenen Sommer fand die Wallfahrt wegen der Pandemie nur unter strengen Auflagen statt. Zugelassen waren nur wenige Tausend Pilger und damit ein Bruchteil der rund 2,5 Millionen, die 2019 teilnahmen. Der Hadsch und die kleine Wallfahrt Umrah bescheren dem Königreich normalerweise wichtige Einnahmen. Zudem gewinnt der saudische König Salman einen Teil seiner Legitimität aus der Hoheit über die Städte Mekka und Medina, die als Wiege des Islam gelten.

In Saudi-Arabien wurden bisher rund 425.000 Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Das Land mit rund 34 Millionen Einwohnern hatte im Dezember seine Impfkampagne gestartet. Bisher wurden dabei rund zehn Millionen Impfungen verabreicht.


Gericht verbietet weitere nächtliche Ausgangssperre auf Kanaren

LAS PALMAS: Die bei Deutschen beliebten Ferieninseln der Kanaren dürfen ihre nächtliche Ausgangssperre nach dem Ende des Corona-Notstandes in Spanien nicht aufrechterhalten. Dies hat das Oberste Landesgericht entschieden, wie die Nachrichtenagentur Europa Press am Sonntag berichtete. Zur Begründung hieß es, die Behörden verfügten über alternative Maßnahmen, um Infektionen während der Nachtstunden zu unterbinden.

Die regionale Regierung der Inselgruppe im Atlantik vor der Küste Westafrikas hatte die Ausgehsperre aufrechterhalten wollen, die bis Mitternacht am Samstag in ganz Spanien während des sechsmonatigen Corona-Notstandes gegolten hatte. Das Auswärtige Amt in Berlin stuft die Inselgruppe weiter als Risikogebiet ein. Von touristischen Reisen dorthin wird abgeraten.

Die linke Zentralregierung hatte das Notstandsgesetz nicht verlängern wollen, obwohl in Teilen Spaniens die Corona-Zahlen immer noch relativ hoch sind. Über die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus entscheiden jetzt wieder die Regionalregierungen. Das letzte Wort sollen die Gerichte haben, die sich darüber aber bereits beschwerten, weil sie damit eine Aufgabe der Politik übernehmen müssten und eine Überlastung befürchten.

Es zeichnete sich ab, dass Spanien bei den Corona-Maßnahmen zu einem Flickenteppich werden könnte. Die Corona-Lage ist sehr uneinheitlich. So liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Madrid, wo die konservative Regionalregierung keine Ausgehsperre anordnete, bei 130, während auf den Balearen im Mittelmeer, zu denen auch die Ferieninsel Mallorca gehört, die Ausgehsperre aufrechterhalten bleibt, obwohl die Sieben-Tage-Inzidenz dort bei nur gut 26 liegt. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt dieser Wert zurzeit 118. Die Opposition warf der Regierung eine chaotische Corona-Politik vor.


Britische Regierung will «vertraute Kontakte» wieder erlauben

LONDON: Die Engländer dürfen nach Monaten der Corona-Kontaktbeschränkungen wieder auf Tuchfühlung gehen. Die Regierung will «vertraute Kontakte» wie Umarmungen und Küsse bei Begrüßungen und Abschieden wieder erlauben, wie Staatsminister Michael Gove am Sonntag ankündigte. Die Lockerung soll am 17. Mai in Kraft treten, wenn auch weitere Corona-Restriktionen aufgehoben werden. Johnson werde den Schritt an diesem Montag bestätigen. Die Regierung wolle «freundschaftliche, vertraute Kontakte zwischen Freunden und Familie (...) wiederherstellen», sagte Gove der BBC.

Vom 17. Mai an sollen die meisten Kontaktbeschränkungen im Freien beendet werden. Dann sind Treffen mit bis zu 30 Menschen erlaubt. In geschlossenen Räumen dürfen sich bis zu sechs Menschen oder zwei Haushalte treffen - das gilt auch für Restaurants und Pubs, die ihre Innenräume wieder öffnen können. Auch Kinos, Hotels und Hallensport können dann aufmachen. Auslandsreisen ohne Quarantänepflicht sind ebenfalls wieder gestattet, wenn auch vorerst nur in wenige Länder, darunter Israel und Portugal.

Die britische Regierung plant, am 21. Juni alle Corona-Maßnahmen aufzuheben. Möglich macht dies auch der Erfolg des Impfprogramms. Ein Drittel der Erwachsenen im Vereinigten Königreich ist vollständig gegen das Virus geimpft.


Ein Drittel aller Erwachsenen voll geimpft

LONDON: Im Kampf gegen das Coronavirus hat Großbritannien einen symbolischen Meilenstein erreicht. Ein Drittel der Erwachsenen sei nun vollständig geimpft, teilten die Gesundheitsbehörden am Sonntag mit. Etwa 17,7 Millionen Menschen erhielten die für den vollen Schutz als notwendig erachteten zwei Spritzen. Die vier Landesteile England, Schottland, Wales und Nordirland liegen dabei etwa gleichauf. Eine erste Impfung bekamen bisher 35,4 Millionen.

Großbritannien ist eines der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder Europas. Mit oder an Covid-19 sind etwa 150.000 Menschen gestorben. Mittlerweile hat die Regierung aber zahlreiche Corona-Maßnahmen auch wegen des Erfolgs der Impfkampagne wieder aufgehoben. Die Zahl der Neuinfektionen stagniert auf niedrigem Niveau. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag zuletzt bei 20,5.


Mehr als 100.000 Corona-Tote im brasilianischen Bundesstaat São Paulo

SÃO PAULO: Der brasilianische Bundesstaat São Paulo hat die Marke von 100.000 Corona-Toten überschritten. Seit Beginn der Pandemie starben dort 100.649 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19, wie am Sonntag aus Behördendaten hervorging. Damit zählt der reichste Bundesstaat Brasiliens rund ein Viertel aller Toten im Zusammenhang mit Covid-19 in dem von der Pandemie schwer getroffenen Land. Wäre er ein Land, würde der Bundesstaat mit mehr als 40 Millionen Einwohnern weltweit den neunten Rang hinter Frankreich und vor Deutschland unter den Ländern mit den meisten Corona-Toten einnehmen.

Brasilien ist eines der weltweit am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder. Ende April überschritt das größte Land in Lateinamerika mit rund 210 Millionen Einwohnern die Marke von 400.000 nachgewiesenen Corona-Todesfällen. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat das Coronavirus von Anfang an verharmlost, Schutzmaßnahmen lehnt er - aus wirtschaftlichen Gründen - weiterhin ab. Mittlerweile zieht der Rechtspopulist auch den Sinn von Impfungen in Zweifel.


EU-Kommissar Breton: Vertrag mit Astrazeneca nicht verlängert

PARIS/BRÜSSEL: Die EU hat nach den Worten von Industriekommissar Thierry Breton ihren Impfstoffvertrag mit dem Hersteller Astrazeneca nicht über Juni hinaus verlängert. Das sagte der Franzose am Sonntag im Radiosender France Inter. «Wir haben die Bestellung nicht über den Monat Juni hinaus erneuert», sagte er auf eine Frage zu Astrazeneca. «Wir werden sehen. Wir schauen, was passiert.» Breton äußerte sich jedoch positiv zur Qualität des Impfstoffs des britisch-schwedischen Herstellers. «Das ist ein guter Impfstoff», sagte er. In Frankreich gibt es in der Bevölkerung Vorbehalte gegen den Impfstoff.

Die EU-Kommission hatte erst am Samstag mitgeteilt, dass bis 2023 bis zu 1,8 Milliarden weitere Impfdosen von Pfizer/Biontech gekauft werden sollen.


Nur noch weniger als 1000 aktive Corona-Fälle

TEL AVIV: Erstmals seit März 2020 gibt es in Israel nach Angaben des Gesundheitsministers weniger als 1000 aktive Corona-Fälle. Auf dem Höhepunkt der Pandemie seien es noch mehr als 70.000 gewesen, teilte Minister Juli Edelstein am Sonntag bei Twitter mit. Seit einer Woche betrage die Zahl der Schwerkranken außerdem weniger als 100. Ende Januar gab es noch rund 1200 schwerkranke Covid-Patienten in Israel.

Auch die Zahl der Neuinfektionen bewege sich seit längerem nur noch im zweistelligen Bereich, schrieb Edelstein zudem. Er wertete dies als Ergebnis der erfolgreichen Corona-Impfkampagne in Israel.

Am Sonntag teilte das Gesundheitsministerium mit, binnen 24 Stunden seien 17 neue Fälle gemeldet worden. Nur 0,2 Prozent von mehr als 11.500 Tests fielen demnach positiv aus. Angesichts der niedrigen Infektionszahlen sind die meisten Corona-Beschränkungen in Israel inzwischen wieder aufgehoben worden. Auch in öffentlichen Innenräumen könnte die Maskenpflicht bald fallen.

Bisher haben mehr als 5,4 Millionen der rund neun Millionen Israelis eine Erstimpfung mit dem Präparat von Biontech/Pfizer erhalten. Das sind fast 60 Prozent der Bevölkerung. Fast 5,1 Millionen Einwohner sind vollständig geimpft.


Tausende feiern in Brüssel Ende der Ausgangssperre - Polizeieinsatz

BRÜSSEL: Tausende junge Leute haben in Brüssel das Ende der nächtlichen Corona-Ausgangssperre gefeiert - bis die Polizei in der Nacht zum Sonntag einschritt und zwei Plätze räumte. Wie belgische Medien berichteten, war in sozialen Netzwerken zu einem Flashmob auf dem beliebten Platz Flagey im Viertel Ixelles aufgerufen worden. Die Menschen kamen am Samstagabend in Massen zum Flagey und dem nahen Platz Sainte-Croix. Sie feierten dicht gedrängt, viele ohne Masken.

Die Polizei beobachtete die Feier zunächst stundenlang, wie Sprecher Olivier Slosse der Nachrichtenagentur Belga sagte. Gegen 01.30 Uhr begannen die Beamten den Angaben zufolge dann aber mit der Räumung. Zu diesem Zeitpunkt waren dort noch etwa 500 Menschen unterwegs. Dabei setzte die Polizei auch einen Wasserwerfer ein. Slosse sagte, einige Wurfgeschosse seien gegen die Polizei geflogen.

In Brüssel galt seit dem 19. Oktober für knapp sieben Monate eine nächtliche Ausgangssperre von 22.00 bis 06.00 Uhr. Auch die Terrassen von Cafés und Restaurants dürfen wieder öffnen. Doch gilt weiter ein nächtliches Alkoholverbot. Nach 22.00 Uhr dürfen offiziell nicht mehr als drei Personen auf öffentlichen Plätzen zusammenkommen.


Johnson kündigt neue Gesetze zum Schutz von Gesundheitsdienst an

LONDON: Mit einer Reihe neuer Gesetze will der britische Premierminister Boris Johnson das Land aus der Corona-Krise führen. Vor allem der Nationale Gesundheitsdienst (NHS) solle besser geschützt werden, sagte Johnson am Sonntag in London. So soll die Strafe für Angriffe auf Beschäftigte des NHS auf bis zu zwei Jahre verdoppelt werden. Die Änderungen sollen an diesem Dienstag in der sogenannten Queen's Speech angekündigt werden. Dabei verliest Königin Elizabeth II. die Regierungserklärung zur Wiedereröffnung des Parlaments.

Außerdem will Johnson der Polizei weitere Vollmachten erteilen, um Messergewalt unter Jugendlichen einzudämmen, sowie Gerichtsprozesse zu beschleunigen. Dieses Gesetz ist allerdings besonders umstritten, weil es der Polizei erlaubt, Demonstrationen etwa wegen ihrer Lautstärke aufzulösen. Das Vorhaben der konservativen Regierung, das als Reaktion auf Bewegungen wie Extinction Rebellion und Black Lives Matter gilt, hatte vor einigen Wochen zu heftigen Protesten und vereinzelten Angriffen auf Polizeikräfte geführt.

«Meine Regierung konzentriert sich immer noch darauf, diese Seuche zu bekämpfen, Leben und Lebensgrundlagen zu retten und Impfstoffe einzuführen. Aber wir müssen auch nach vorne blicken und vorankommen mit den Versprechen, die wir den Menschen in Großbritannien gegeben haben.» Es gehe darum, das Land zu einen und Lebensverhältnisse überall anzuheben, sagte Johnson auch mit Blick auf den Wahlerfolg von Unabhängigkeitsbefürwortern in Schottland.

Der Premierministerin kündigte zudem ein Umweltgesetz an, das rechtsverbindliche Umweltziele festlegt. Großbritannien richtet im November im schottischen Glasgow die UN-Klimakonferenz aus.


Johnson wirbt in Brief an Schottlands Regierungschefin für Union

LONDON: Nach dem Wahlsieg der Unabhängigkeitsbefürworter bei der Parlamentswahl in Schottland hat der britische Premierminister Boris Johnson für die Union der verschiedenen Landesteile des Vereinigten Königreichs geworben. «Es ist meine leidenschaftliche Überzeugung, dass den Interessen der Menschen im Vereinigten Königreich und besonders der Menschen in Schottland am besten geholfen ist, wenn wir zusammen arbeiten», schrieb Johnson in einem am Samstagabend veröffentlichten Brief an die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon. Der Nutzen dieser Kooperation habe sich besonders in der Corona-Pandemie gezeigt. «Das ist Team Vereinigtes Königreich in Aktion», betonte Johnson.

Sturgeons Schottische Nationalpartei (SNP) hatte die Parlamentswahl am Donnerstag deutlich gewonnen. Zusammen mit den Grünen, die ebenfalls für die Unabhängigkeit eintreten, kam die Partei auf eine klare Mehrheit im Parlament. Sturgeon will ein unabhängiges Schottland nach dem Brexit zurück in die EU führen. Sie forderte Johnson auf, ein neues Unabhängigkeitsreferendum zuzulassen. Ohne Zustimmung aus London ist eine Volksabstimmung nach Ansicht der meisten Experten nicht rechtens.

Johnson schrieb in dem Brief, vor dem Land lägen große Herausforderungen. Die «breiten Schultern» des Vereinigten Königreichs hätten Arbeitsplätze und Unternehmen während der Corona-Krise geschützt. Die wirtschaftliche Erholung sei aber eine gemeinsame Aufgabe. Johnson lud Sturgeon zu einem Treffen mit seiner Regierung und den Spitzen der anderen Landesteile Wales und Nordirland ein, um zu diskutieren, wie gemeinsame Herausforderungen bewältigt werden könnten. Einen ähnlichen Brief schickte Johnson an den walisischen Regierungschef Mark Drakeford, der die Parlamentswahl in dem Landesteil ebenfalls deutlich gewonnen hatte.

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