Corona-Überblick: Meldungen am Sonntag

Foto: Pixabay/Jeyaratnam Caniceus
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Putin: Werden bald zweiten Corona-Impfstoff registrieren

MOSKAU: Kremlchef Wladimir Putin hat einen weiteren russischen Impfstoff gegen das Coronavirus in Aussicht gestellt. Das zweite Mittel werde bald in Russland registriert, sagte Putin der Agentur Interfax zufolge am Mittwoch in Moskau vor Vertretern des russischen Oberhauses. Details nannte er nicht. Berichten zufolge wird derzeit ein Impfstoff des staatlichen Vektor-Forschungszentrums für Virologie und Biotechnologie getestet. Demnach befindet sich der Stoff in der klinischen Phase und soll in den nächsten Wochen an Tausenden Freiwilligen angewendet werden.

Im August hatte Putin medienwirksam die Freigabe des ersten Impfstoffes mit dem Namen «Sputnik V» verkündet. Es war das erste Corona-Vakzin, das weltweit für eine breite Anwendung in der Bevölkerung zugelassen wurde. Unmittelbar nach der Freigabe gab es international Kritik, weil die Zulassung vor Abschluss wichtiger Tests erfolgte. Zudem bemängelten Forscher, dass es in der Studie der russischen Experten viele offene Fragen gebe und die Ergebnisse seltsame Muster enthielten.

Russland wies die Kritik an dem Impfstoff zurück und betonte, dass viele das russische Vakzin nur zum eigenen Vorteil schlecht machen wollten. «Leider gibt es Neid, Eifersucht und einen skrupellosen Wettbewerb», sagte Vize-Außenminister Sergej Rjabkow.


New York: Eigene Prüfung einer Impfung - Kein Vertrauen in Trump

NEW YORK: Wegen vorgeblicher Sorge um die Sicherheit eines möglicherweise von der Trump-Regierung zugelassenen Impfstoffs plant der US-Bundesstaat New York seine eigene Untersuchung eines potenziellen Wirkstoffs. «Wie die Bundesregierung mit dem Impfstoff umgegangen ist, gibt es jetzt ernsthafte Fragen, ob der Impfstoff politisiert worden ist oder nicht», sagte der demokratische Gouverneur Andrew Cuomo am Donnerstag. Es gebe ein politisches Motiv des republikanischen US-Präsidenten Donald Trump, so schnell wie möglich vor der Wahl ein Mittel anzukündigen.

Trump-Kritiker werfen dem Präsidenten vor, er wolle eine Zulassung für eine Impfung noch vor der Wahl am 3. November erzwingen - selbst wenn der Stoff noch nicht ausreichend erprobt sein sollte. Trump verspreche sich bei der Abstimmung dadurch Vorteile gegenüber seinem demokratischen Kontrahenten Joe Biden. In den vergangenen Wochen hatte Trump mit dem Vorwurf für Aufsehen gesorgt, Mitarbeiter der Arzneimittelbehörde würden Impfstoff-Tests absichtlich verzögern. Ihr Chef, Stephen Hahn, hatte daraufhin versichert, dass er keinen politischen Einfluss auf die Zulassung von Corona-Impfstoffen erlauben werde.

«Ehrlich gesagt werde ich der Meinung der Bundesregierung nicht vertrauen», sagte Cuomo weiter im Hinblick auf eine mögliche Zulassung eines Stoffes. Das würde er auch New Yorkern nicht empfehlen. Deswegen würde ein potenziell freigegebener Impfstoff zunächst von einer unabhängigen New Yorker Expertenkommission geprüft, bevor er verteilt werden dürfte.


Gesundheitsminister in Marseille - Rekordwert neuer Fälle

MARSEILLE: Angesichts der Proteste gegen die Schließung von Restaurants und Bars will der französische Gesundheitsminister Olivier Véran am Freitag ein Krankenhaus in Marseille besuchen. In der südfranzösischen Hafenmetropole treffen neue Maßnahmen der Regierung im Kampf gegen Corona auf Unverständnis und große Wut.

In Frankreich wurde nach Behördenangaben vom Donnerstagabend mit 16.096 neuen Fällen ein Höchstwert erreicht. «Das Aufkommen von Covid-19 im gesamten Land ist beunruhigend», warnte Regierungschef Jean Castex. Der Mitte-Rechtspolitiker kündigte neue Hilfen für Betriebe an, die von Schließungen betroffen sind. Frankreich registrierte in der Covid-19-Pandemie bisher über 31.500 Todesfälle.

Ressortchef Véran hatte angekündigt, dass für Marseille und das Überseegebiet Guadeloupe die «maximale Alarmstufe» ausgerufen worden sei. Das hat besondere Beschränkungen zur Folge. Es bedeutet, dass neben Bars und Restaurants auch alle öffentlich zugänglichen Einrichtungen schließen müssen, sofern sie kein «strenges Gesundheitsprotokoll» haben. Theater und Kinos sind davon nicht betroffen.


Zahl der Corona-Neuinfektionen schnellt auf Rekordwert

TEL AVIV: Die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus hat in Israel erstmals die Marke von 7500 Fällen überschritten. Wie das Gesundheitsministerium am Freitag unmittelbar vor Beginn eines verschärften landesweiten Lockdowns mitteilte, wurden am Vortag 7527 neue Infektionen registriert. Der bisherige Rekordwert stammt mit 7131 Fällen vom Mittwoch. Vor fast genau vier Monaten, am 23. Mai, waren in Israel lediglich 5 Neuinfektionen verzeichnet worden.

Am Freitagnachmittag sollte in Israel eine Verschärfung des seit einer Woche geltenden Lockdowns in Kraft treten. Die Bevölkerung muss sich dann mit weiteren Einschränkungen arrangieren. So ist es nur noch Menschen aus Berufen, die als systemrelevant gelten, erlaubt, ihren Arbeitsplatz aufzusuchen. Der öffentliche Nahverkehr wird eingeschränkt. Nur in Ausnahmefällen dürfen sich die Menschen weiter als einen Kilometer von ihrem Zuhause bewegen. Die Regierung will mit dem Lockdown eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindern.

Die Pandemie verlief in Israel zunächst glimpflich, auch wegen eines strikten Kurses der Regierung. Nach von Experten kritisierten Lockerungen im Mai schnellten die Zahlen jedoch in die Höhe. Die Regierung appellierte wiederholt an die Menschen, sich an Vorschriften wie Abstandsregeln zu halten.


Neue Proteste gegen «diskriminierende» Corona-Absperrungen in Madrid

MADRID: Im spanischen und europäischen Corona-Hotspot Madrid haben am Sonntag erneut Tausende gegen die Absperrungen von vorwiegend einkommenschwachen Gebieten zur Eindämmung der Pandemie protestiert. Die Demonstranten kritisierten die Maßnahmen der konservativen Regionalregierung als diskriminierend und ausgrenzend und forderten in erster Linie mehr Geld für den Gesundheitssektor sowie eine Verbesserung der Nachverfolgung von Infektionsketten. Zu den Protesten in verschiedenen Stadtteilen und Kommunen im Großraum der spanischen Hauptstadt hatten linke Parteien, Gewerkschaften sowie Bürgerinitiativen und Studentenverbände aufgerufen.

Nach spanischen Medienberichten erwägt die Zentralregierung derweil, die Hauptstadt auch gegen den Willen der Regionalregierung weitgehend abzuriegeln. Eine amtliche Bestätigung dieser Pläne gab es vorerst zwar nicht. Der Gesundheitsminister von Sánchez, Salvador Illa, schrieb am Sonntag aber auf Twitter, man habe Madrid zur «Überprüfung» der Maßnahmen und «zur Befolgung der Empfehlungen der Wissenschaftler und der Mediziner aufgerufen».

Inmitten der sozialen und politischen Unruhe gab es für die rund 6,6 Millionen Einwohner der Region Madrid einen kleinen Hoffnungsschimmer: Die sogenannte 7-Tage-Inzidenz, die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen, die in der «Comunidad Autónoma», der Autonomen Gemeinschaft, tagelang bei deutlich über 300 lag, fiel zuletzt nach jüngsten amtlichen Angaben auf 267. Für ganz Spanien lag diese Zahl bei 121.


Trotz Corona-Lockdown demonstrieren Tausende

TEL AVIV: Trotz verschärfter Corona-Lockdown-Maßnahmen haben am Samstag nach Sonnenuntergang Tausende Menschen in verschiedenen Städten in Israel gegen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu demonstriert. Seine Kritiker werfen ihm vor, er nutze den erneuten Anstieg von Coronavirus-Infektionen aus, um einen Angriff auf Israels demokratische Grundsätze, einschließlich des Demonstrationsrechts, zu legitimieren. Die meisten Demonstranten, die sich in Jerusalem und anderen Städten kurz vor dem wichtigsten jüdischen Feiertag, dem am Sonntag beginnenden Fest Jom Kippur, versammelten, trugen Masken und hielten Abstand. Die Polizei nahm fünf Menschen vorläufig fest, ihnen wurde Störung der öffentlichen Ordnung vorgeworfen.

Zuvor hatte Netanjahu die Proteste als «Brutstätten» des Virus bezeichnet. Am Freitag hatte die Regierung nach wiederholten Rekordzahlen von Infektionen die Lockdown-Maßnahmen in dem Land für zunächst rund zwei Wochen verschärft. Nur in Ausnahmefällen dürfen sich die Menschen weiter als einen Kilometer von ihrem Zuhause wegbewegen. Es gelten Versammlungsbeschränkungen. Am Freitag hatte die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit 8315 einen Rekordwert erreicht. Seit März wurden 1441 Todesfälle registriert.

Streit gab es noch über mögliche Einschränkungen des Demonstrationsrechts. Netanjahu hatte aus Sicht seiner Gegner versucht, die Sperrmaßnahmen mit Blick auf den Gesundheitsschutz auszuweiten, um so auch die wöchentlichen Proteste gegen sich zu verhindern. Er konnte neue Beschränkungen aber nicht rechtzeitig durch das Parlament bringen. Für zusätzlichen Ärger sorgt, dass es Gläubigen hingegen an Jom Kippur ermöglicht werden soll, unter bestimmten Bedingungen Synagogen zu besuchen.

Seit Juni finden wöchentlich samstags Proteste gegen den Regierungschef statt. Zu den Teilnehmern gehören viele, die hart von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie getroffen wurden. Netanjahu wird aber auch kritisiert, weil derzeit ein Korruptionsprozess gegen ihn läuft.

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