Slowakischer Ex-Regierungschef Fico vor Corona-Protest festgenommen
BRATISLAVA: In der Slowakei ist der frühere Regierungschef Robert Fico am Donnerstagabend vor laufenden Kameras festgenommen worden. Der Chef der linkspopulistischen Oppositionspartei Richtung-Sozialdemokratie hatte zu einer Protestveranstaltung gegen die Corona-Politik der Regierung aufgerufen. Unmittelbar zuvor führten Polizisten den 57-Jährigen jedoch ab. Wegen der Corona-Pandemie gilt in der Slowakei seit 25. November ein landesweites Versammlungsverbot.
Fico argumentierte, der geplante Protest verstoße nicht gegen das Verbot, weil er vor allem in Form eines Autokonvois geplant sei. Die Polizei werde von der Regierung missbraucht, um die Meinungsfreiheit einzuschränken. «Die ganze Slowakei soll in Direktübertragung sehen, wie die Demokratie zerstört wird», sagte er. Dann stieg er in ein Polizeiauto ein, das ihn zur Vernehmung brachte.
Flughafenbetreiber und Airlines warnen vor neuen Reisebeschränkungen
BRÜSSEL: Europäische Flughafenbetreiber und Airlines fordern, die angesichts der Omikron-Variante eingeführten Reisebeschränkungen aufzuheben. Die Regierungen in Europa sollten sich darauf konzentrieren, Maßnahmen zu verstärken, die lokale Übertragungen direkt einschränkten, teilten der Flughafenverband ACI Europe und der europäische Airline-Verband A4E am Donnerstagabend mit. Demnach sollten etwa große öffentliche oder private Versammlungen reglementiert, vermehrt Masken getragen und soziale Kontakte begrenzt werden.
Die Omikron-Variante verbreitet sich schnell. Schon im Januar oder Februar dürfte sie der EU-Gesundheitsbehörde ECDC zufolge dominieren. Italien verlangt deshalb bereits von allen Einreisenden - auch geimpften - aus dem EU-Ausland einen negativen Corona-Test. Auch Irland und Griechenland haben neue Testpflichten eingeführt.
Johnson nahm während Corona an Gartenparty teil
LONDON: Der britische Premierminister Boris Johnson soll nach Medienberichten schon im Frühling vergangenen Jahres trotz strenger Corona-Kontaktbeschränkungen an einer Feier teilgenommen haben. Etwa 20 Mitarbeiter hätten am 15. Mai 2020 nach einer Pressekonferenz bei alkoholischen Getränken und Pizza im Garten von Johnsons Amtssitz in der Downing Street beisammengestanden, berichteten die Zeitungen «Guardian» und «Independent» am Donnerstag online. Johnson sei etwa eine Viertelstunde geblieben. Er habe gesagt, die Teams hätten sich wegen ihres Einsatzes in der Pandemie einen Drink verdient.
Der damalige Gesundheitsminister Matt Hancock hatte zuvor die Bevölkerung aufgerufen, möglichst zu Hause zu bleiben, sich an die Regeln zu halten und keine Risiken einzugehen. Johnsons Sprecher sagte nun, Mitarbeiter hätten den Garten regelmäßig für Besprechungen genutzt. An jenen Tag habe der Premierminister nach einer Pressekonferenz «einige Meetings im Garten, darunter mit dem damaligen Gesundheitsminister und dessen Team,» gehabt. Johnson sei kurz nach 19.00 Uhr in seine Residenz zurückgekehrt.
Der konservative Regierungschef steht wegen mutmaßlicher Verstöße gegen die von ihm von ihm selbst verhängten Corona-Regeln bereits unter Druck. Insbesondere gibt es Berichte über mehrere Weihnachtspartys in der Downing Street im Dezember vergangenen Jahres. An einer soll Johnson als Quizmaster teilgenommen haben. Damals galten noch strengere Kontaktbeschränkungen als im Mai.
Dänemark mit Corona-Rekord: 10.000 neue Fälle an einem Tag
KOPENHAGEN: In Dänemark sind am Donnerstag fast 10.000 neue Corona-Fälle registriert worden - so viele wie noch nie an einem einzigen Tag. In rund 3000 Fällen handelt es sich dabei um Omikron-Variante des Virus, wie das nationale Seruminstitut am Abend mitteilte. Insgesamt wurden in dem Land mit knapp sechs Millionen Einwohnern seit Ende November rund 9000 Omikron-Infektionen nachgewiesen. Besonders sogenannte Superspreader-Ereignisse im Nachtleben hätten dazu geführt, dass sich das Virus schnell verbreitet, so das Institut.
Ministerpräsidentin Mette Frederiksen kündigte auf Facebook neue Maßnahmen an, um die Ausbreitung des Virus zu bremsen. «Ich habe keinen Zweifel daran, dass neue Maßnahmen nötig sein werden, um die Infektionsketten zu durchbrechen», schrieb sie auf Facebook. Details nannte Frederiksen nicht.
Portugal revanchiert sich und bietet Deutschland Corona-Hilfe an
LISSABON: Portugal hat Deutschland Medienberichten zufolge Hilfe bei der Versorgung von Corona-Patienten angeboten. «Portugal hat seine Bereitschaft bekundet, Deutschland bei der Reaktion auf die Covid-19-Pandemie zu unterstützen, sei es durch die Aufnahme von Patienten auf Intensivstationen in Portugal oder durch die Entsendung eines Ärzteteams und von Krankenpflegern nach Deutschland», zitierte die Zeitung «Público» einen Sprecher des Außenministeriums in Lissabon.
Das Land mit einer der höchsten Impfquoten der Welt wolle sich damit für deutsche Hilfe Anfang des Jahres bei der Behandlung von Corona-Patienten erkenntlich zeigen. Die deutsche Seite prüfe das Hilfsangebot, habe der Sprecher hinzugefügt. Eine Reaktion wurde bis Donnerstag zunächst nicht bekannt.
Vergangenen Februar hatte Deutschland Soldaten der Bundeswehr auf Bitten Portugals nach Lissabon entsandt. Das Gesundheitssystem des Landes war damals von der Corona-Pandemie schwer getroffen. Die Ärztinnen und Ärzte sowie weiteres medizinisches Personal hatten in dem Hospital da Luz in Lissabon auf einer Intensivstation bei der Behandlung von Corona-Patienten geholfen. Insgesamt zwei Teams der Bundeswehr waren nacheinander bis Ende März in Portugal im Einsatz gewesen.
Die Zahl der Corona-Infektionen steigt zwar auch in Portugal und die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei fast 280. Aber wegen der hohen Impfquote von fast 89 Prozent der Bevölkerung ist die Lage in den Krankenhäusern nicht so dramatisch wie derzeit in Deutschland.
Finnland verlangt Coronatest bei Einreise aus immer mehr Ländern
HELSINKI: Die finnische Regierung verschärft angesichts steigender Corona-Zahlen in Europa die Einreise aus bestimmten Ländern.
Reisende aus Ländern außerhalb des EU/Schengen-Raumes müssen ab dem 21. Dezember einen negativen Corona-Test vorweisen, der nicht älter als 24 Stunden ist, auch wenn sie geimpft sind. Das teilten die Familien- und die Innenministerin am Donnerstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit. Die regionalen Behörden hätten außerdem die Anweisung bekommen, Reisende aus Dänemark, Norwegen und Großbritannien bei der Ankunft auf Corona zu testen. Finnland hat mit einer Inzidenz von 360 per 100.000 Einwohner im Vergleich zu Norwegen und Dänemark recht niedrige Werte, doch die Infektionszahlen steigen auch hier an. Bis Mittwoch wurde 34 Omikron-Fälle gemeldet.
EU-Behörde vor Entscheidung über Zulassung von Impfstoff Novavax
AMSTERDAM: Die EU-Arzneimittelbehörde EMA könnte am Montag über eine Zulassung des Corona-Impfstoffes des US-Herstellers Novavax entscheiden. Die zuständige Experten-Kommission werde dann in einer außerordentlichen Sitzung den Zulassungsantrag behandeln, teilte die EMA am Donnerstag in Amsterdam mit. Bisher sind in der EU vier Impfstoffe zugelassen worden.
Das Unternehmen hatte die Marktzulassung in der EU im November beantragt - die EMA hatte damals erklärt, eine Entscheidung werde in einigen Wochen erwartet. Die Experten der EMA geben nach Prüfung aller Studien und Daten eine Empfehlung ab. Dann muss die EU-Kommission noch zustimmen. Das gilt aber als Formsache. Die Experten hatten bereits im laufenden Prüfverfahren Studien zur Wirkung und Risiken bewertet.
Das Novavax-Produkt namens Nuvaxovid (NVX-CoV2373) ist im Gegensatz zu den bisher zugelassenen Impfstoffen weder ein mRNA-Impfstoff - wie die Präparate von Biontech und Moderna - noch ein Vektor-Impfstoff wie die von Astrazeneca und Johnson & Johnson. Das Vakzin enthält winzige Partikel, die aus einer im Labor hergestellten Version des Spike-Proteins von Sars-CoV-2 bestehen. Wie alle Impfstoffe soll Nuvaxovid das Immunsystem auf eine mögliche Infektion vorbereiten.
Labortests: Moderna erzeugt schwächere Immunantwort gegen Omikron
BERLIN: Eine zweifache Corona-Impfung mit dem Vakzin des US-Herstellers Moderna sorgt Labordaten zufolge für eine schwächere Abwehrreaktion des Körpers gegen die neue Omikron-Variante. «Das könnte zu einem erhöhten Risiko einer Covid-Erkrankung führen», schreiben US-Forscher - darunter Mitarbeiter der Nationalen Gesundheitsinstitute (NIH) und von Moderna - in einer Studie, die als Preprint veröffentlicht wurde, also nicht in einer von Experten begutachteten Fachzeitschrift.
Demnach hatten Geimpfte vier Wochen nach der zweiten Dosis wesentlich weniger Antikörper gegen die Omikron-Variante als gegen bestimmte frühere Varianten im Blut. Um die Wirkung eines Impfstoffs gegen eine bestimmte Variante von Sars-CoV-2 zu untersuchen, machen Forscher in der Regel sogenannte Neutralisationstests. Es wird geschaut, wie viele Antikörper ein Geimpfter im Blut hat, die an die Virusvariante binnen können und sie damit ausschalten. Der tatsächliche Schutz von Geimpften kann damit aber nicht bestimmt werden, dafür braucht es klinische Studien mit Tausenden Probanden oder Auswertungen des laufenden Infektionsgeschehens.
Die Anzahl der gegen Omikron gerichteten Antikörper stieg etwa zwei Wochen nach einer Booster-Impfung mit Moderna deutlich an. Eine Auffrischdosis könne das Erkrankungsrisiko deutlich senken, heißt es in der Studie. Das Team schränkt jedoch ein, es handele sich nur um Laborversuche. Zudem fehlten Daten dazu, wie lange die Reaktion der neutralisierenden Antikörper nach der Boosterimpfung andauere.
Die Impfstoffhersteller Biontech und Pfizer hatten bereits vorige Woche mitgeteilt, für einen ausreichenden Schutz vor der Omikron-Variante seien drei Dosen ihres Produktes nötig. Ersten Labordaten zufolge schützten zwei Dosen demnach nicht ausreichend vor einer Infektion mit dieser kürzlich entdeckten Variante. Die Unternehmen gingen allerdings davon aus, dass der Schutz vor einer schweren Erkrankung weiterhin gegeben ist.
EU-Gipfel schließt weitere Corona-Auflagen für Reisende nicht aus
BRÜSSEL: Angesichts der teils rasanten Ausbreitung der Omikron-Variante drohen in der EU neue Corona-Auflagen für Reisende. Der EU-Gipfel in Brüssel verständigte sich am Donnerstag nur darauf, dass Beschränkungen das Funktionieren des Binnenmarkts nicht untergraben und die Bewegungsfreiheit innerhalb der und in die EU nicht «unverhältnismäßig» behindern sollten.
«Weitere abgestimmte Anstrengungen» seien nötig, um auf Grundlage wissenschaftlicher Daten zu reagieren, heißt es in den gemeinsamen Schlussfolgerungen zu Covid-19. Zudem sei es wichtig, mit Blick auf die Gültigkeit der EU-Corona-Zertifikate abgestimmt vorzugehen.
Auflagen wie eine Testpflicht auch für geimpfte Reisende schloss der Gipfel nicht aus. Länder wie Italien, Griechenland und Irland hatten die Regeln zuletzt bereits wegen der Omikron-Variante verschärft. Derlei Entscheidungen liegen in der Macht der Mitgliedstaaten und wurden in der Pandemie mehrfach unabgestimmt getroffen.
Zusätzlich wird in dem Gipfel-Dokument für das Impfen geworben. Impfskepsis müsse überwunden werden, auch durch den Kampf gegen Desinformationen. Die Impfquoten in den EU-Staaten klaffen teils dramatisch auseinander.
EU-Kreise: Frühere Moderna-Lieferungen für Deutschland
BERLIN/BRÜSSEL: Für die Corona-Impfungen in Deutschland sind frühere Lieferungen des Präparats von Moderna in Sicht. Konkret können 10 Millionen Impfdosen noch auf Dezember vorgezogen werden, wie es am Donnerstag aus EU-Kreisen hieß. Ins erste Quartal 2022 vorgezogen werden können demnach außerdem weitere 25 Millionen Dosen. Aus den insgesamt 35 Millionen Dosen könnten bis zu 70 Millionen Dosen für Auffrischimpfungen gezogen werden, da hierfür bei Moderna eine halbe Dosis verwendet wird.
Die Bundesregierung hatte am Mittwoch bereits mitgeteilt, zusätzliche 80 Millionen Dosen des Präparats von Biontech über EU-Verträge kaufen zu wollen. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hatte hierfür sowie für 12 Millionen weitere Dosen, die direkt beschafft werden sollen, rund 2,2 Milliarden Euro bewilligt.
Italien: Städte schränken Feste ein - Kein Alkohol in Kampanien
ROM: Wegen steigender Corona-Fallzahlen schränken immer mehr Städte in Italien ihre Weihnachts- und Neujahrsfeierlichkeiten ein. Bologna sagte die Silvesterfeier auf der Piazza Maggiore im Herzen der norditalienischen Großstadt ab, wie Bürgermeister Matteo Lepore am Donnerstag mitteilte. «Wir müssten Gelegenheiten für mögliche Ansteckungen verhindern», erklärte er in einer Mitteilung.
Die Hauptstadt Rom strich am Mittwoch das traditionelle Silvesterkonzert in der antiken Rennarena Circus Maximus. Damit will die Stadt Menschenansammlungen vermeiden. «Es war alles bereit um Neujahr in großem Stil zu feiern und Rom wieder ins Zentrum großer Events zu bringen», sagte Veranstaltungsassessor Alessandro Onorato.
Noch einen Schritt weiter ging die süditalienische Region Kampanien, in der Neapel liegt. Regionalpräsident Vincenzo De Luca unterschrieb am Mittwoch eine Anordnung, wonach zwischen dem 23. Dezember und 1. Januar der Konsum von Alkohol, nichtalkoholischen Getränken und Speisen im öffentlichen Raum ganztags verboten sei. Erlaubt sei nur Wasser. Auch Feste im Freien, die zu Menschenansammlungen führen könnten, seien während dieser Zeit untersagt. Außerdem müssten die Menschen im Freien vielerorts Masken tragen. Diese Regelung haben auch Mailand und Turin in der Vorweihnachtszeit für ihre Stadtzentren beschlossen.
Italiens Gesundheitsminister bekräftigt verschärfte Einreiseregeln
ROM: Italiens Gesundheitsminister hat die Verschärfung der Regeln für Einreisende aus dem EU-Ausland bekräftigt. «In diesen Stunden kann unsere Priorität auf nichts anderem liegen, als uns weiter dafür einzusetzen, unser Land in Sicherheit zu bringen», sagte Roberto Speranza am Donnerstag bei einem Kongress des italienischen Verbands des Pflegepersonals FNOPI. Auch Entscheidungen wie die Verlängerung des Notstandes und die Einschränkungen für internationale Reisen zielten genau darauf ab. Man wolle mit einem hohen Maß an Überwachung, deutlich steigende Ansteckungszahlen und Krankenhauseinweisungen wegen des Coronavirus und neuer Varianten vermeiden, erklärte Speranza weiter.
Seit Donnerstag brauchen alle Einreisenden aus dem EU-Ausland in Italien neben dem bislang üblichen Impf- oder Genesungsnachweis und der digitalen Einreiseanmeldung einen negativen Corona-Test. Akzeptiert werden der Anordnung zufolge PCR-Tests, nicht älter als 48 Stunden, und Antigen-Tests, nicht älter als 24 Stunden. Ungeimpfte müssen außerdem fünf Tage in Quarantäne. Die kurzfristig beschlossene Maßnahme sorgte bei der EU in Brüssel für Verwunderung.
Veranstalter sagen ITB-Messe als Präsenzveranstaltung ab
BERLIN: Nach der Grünen Woche ist in Berlin eine weitere Leitmesse als Präsenzveranstaltung aufgrund der Corona-Krise abgesagt worden: Die Tourismusmesse ITB werde im März nicht vor Ort stattfinden, sondern durch zwei größere Online-Events ersetzt, teilte die Messe Berlin am Donnerstag mit. «Wir bedauern diese Situation sehr», sagte ITB-Chef David Ruetz. «Der jüngste Blick auf die Corona-Lage und die damit einhergehende Verschärfung der Regeln lassen uns allerdings keine andere Wahl». Die nationalen und internationalen Aussteller, Besucherinnen und Besuchern bräuchten aber noch vor der Winterpause Klarheit und Planungssicherheit.
Anstelle der Großveranstaltung vor Ort soll sich die wirtschaftlich schwer angeschlagene Tourismus- und Reisebranche im März nun online treffen. Geplant ist zunächst der «ITB Berlin Kongress», der live vom Messegelände gestreamt werden soll. Auf dem «Digital Business Day» am 17. März sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dann die Möglichkeit erhalten, sich auf digitalen Ausstellungsflächen auszutauschen und miteinander ins Geschäft zu kommen.
Schon im vergangenen Jahr wurde die Internationale Tourismus-Börse (ITB) aufgrund der Corona-Krise ausschließlich online und nur für Fachpublikum organisiert. Im Frühjahr 2020 war die ITB fünf Tage vor dem geplanten Beginn wegen des Ausbruchs der Corona-Pandemie abgesagt worden. Im Jahr zuvor kamen an den damals fünf Messetagen mit rund 10.000 Ausstellern bis zu 160.000 Besucher. Die ITB gilt vielen als das «größte Reisebüro der Welt». Für die schwer angeschlagene Tourismusbranche ist sie die wichtigste Leitmesse des Jahres.
Die Corona-Krise setzt dem Messestandort Berlin damit weiter zu. Erst Ende November war die wichtige Publikums-Agrar-Messe Grüne Woche abgesagt worden. Angesichts der Wucht der vierten Corona-Welle werde es im Januar und Februar keine Großveranstaltungen geben, teilte die Messe Berlin damals mit. Davon betroffen ist auch die Fruchthandelsmesse Fruit Logistica; die internationale Fachbesucher-Messe wird von Februar auf Anfang April verschoben.
Valneva-Chef rät zu schnellem Impfen mit verfügbaren Präparaten
SAINT-HERBLAIN: Manche Menschen warten für ihre Corona-Immunisierung auf Impfstoffe, die auf anderen Technologien wie die bisher verfügbaren Vakzine beruhen - doch der Chef des Herstellers eines solchen Mittels hält von dieser Einstellung wenig. «Ich rate niemandem, auf unseren Impfstoff zu warten», sagte Thomas Lingelbach, Geschäftsführer des Biotechnologieunternehmens Valneva, dem Nachrichtenmagazin «Spiegel». «Das wäre ethisch inakzeptabel.» Er empfehle Verwandten und Bekannten zurzeit Impfstoffe der anderen Hersteller. Er selbst habe sich kürzlich mit dem mRNA-Produkt von Biontech boostern lassen.
Eile sei angesichts der drohenden Infektionswelle mit der Omikron-Variante des Virus geboten. Und bis Valnevas eigener Impfstoffkandidat in der EU auf den Markt komme, werde es wohl noch mehrere Wochen wenn nicht gar Monate dauern.
Der Impfstoff von Valneva ist ein Impfstoff mit inaktivierten Viren. Es handelt sich damit um eine klassische, seit 60 bis 70 Jahren eingesetzte Impfstofftechnologie mit bewährten Verfahren und sehr hoher Sicherheit, wie die EU-Kommission im Rahmen eines Kaufvertrags kürzlich feststellte. Die Technologie komme auch bei den meisten Grippe-Impfstoffen und vielen Impfstoffen für Kinderkrankheiten zum Einsatz. Der Valneva-Impfstoff sei der derzeit einzige Impfstoffkandidat gegen Covid-19 auf Basis inaktivierter Viren, der derzeit in Europa in klinischen Studien getestet werde, hieß es.
Ältester Franzose stirbt mit 112 Jahren an Corona-Infektion
SAINT-ROMAIN-EN-GAL: Der älteste Franzose ist mit 112 Jahren an einer Corona-Infektion gestorben.
Marcel Meys hatte diesen Rang erst im Oktober nach dem Tod eines noch etwas älteren 112-jährigen Bewohners der Insel Martinique erhalten, wie der Sender France Info am Donnerstag berichtete. Meys starb demnach am Vortag im Krankenhaus von Vienne südlich von Lyon. Bis zuletzt hatte er mit seiner einzigen Tochter in seinem Haus in der Ortschaft Saint-Romain-en-Gal gelebt. Nach einem positiven Corona-Test ging es ihm zunächst weiter gut, dann musste er in die Klinik. Der Bürgermeister lobte in einer Mitteilung seine gute Laune, seine Freundlichkeit und seinen «ewigen Optimismus».
Frankreich schränkt Einreise aus Großbritannien stark ein
PARIS: Frankreich schränkt die Einreise aus Großbritannien wegen der dort grassierenden Omikron-Variante des Coronavirus stark ein. Die Einreise aus sowie die Ausreise nach Großbritannien ist ab Samstag, 0.00 Uhr, nur noch aus zwingenden übergeordneten Gründen möglich, wie Premierminister Jean Castex am Donnerstag ankündigte. Touristische oder berufliche Gründe gehören nicht dazu. Sowohl Geimpfte als auch Ungeimpfte müssen sich vor einer Reise von Großbritannien nach Frankreich registrieren, einen PCR- oder Schnelltest machen und sich nach der Ankunft in Frankreich an einem Ort ihrer Wahl in Quarantäne begeben. Diese können sie nach einem negativen Test nach 48 Stunden verlassen.
Der Premierminister kündigte die Einrichtung von Kontrollen zur Überwachung der Maßnahmen an. Menschen, die eine Reise nach Großbritannien geplant haben, wurden aufgerufen, diese zu verschieben. Französische Staatsangehörige und Familienmitglieder können unter Beachtung der Anmelde-, Test- und Quarantäneregeln jederzeit zurückkehren.
Bis zu 8500 Euro: Israel zahlt Tourismusarbeitern Umschulungen
TEL AVIV: Israel zahlt Mitarbeitern des Tourismussektors wegen der Corona-Krise umfangreiche Finanzhilfen für Umschulungen. Jedem Mitarbeiter würden bis zu rund 8500 Euro für eine Umschulung in einen anderen Industriebereich oder im Tourismussektor gewährt, teilte das Büro von Ministerpräsident Naftali Bennett am Mittwochabend mit. Das Hilfspaket muss demnach allerdings noch vom Kabinett genehmigt werden.
Hintergrund sind massive Beschwerden der Tourismusbranche, nachdem Israel wegen der Omikron-Variante Ende November erneut die Grenzen für Reisende geschlossen hat. Dabei hatte Israel erst am 1. November das erste Mal seit mehr als anderthalb Jahren die Grenzen für ausländische Reisende wieder geöffnet.
Die Tourismusindustrie war vor der Corona-Krise ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in dem Mittelmeerland. Noch 2019 reisten laut dem zuständigen Ministerium insgesamt rund 4,6 Millionen ausländische Gäste nach Israel.
Ende November wurden in Israel die ersten Omikron-Fälle nachgewiesen. Aktuell sind die Corona-Infektionszahlen verhältnismäßig niedrig. Allerdings warnen Experten vor dem Beginn einer neuen Infektionswelle.
Deutsche Corona-Zahlen sinken weiter
BERLIN: Die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen in Deutschland ist im Vergleich zum Vortag erneut gesunken.
Das Robert Koch-Institut (RKI) gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Donnnerstagmorgen mit 340,1 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 353,0 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 422,3 (Vormonat: 312,4).
Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 56.677 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.47 Uhr wiedergeben. Vor genau einer Woche waren es 70.611 Ansteckungen.
Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 522 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 465 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 6.670 407 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.
Wegen Omikron: Ghana schottet sich ab
ACCRA: Im Kampf gegen die hochansteckende Corona-Variante Omikron hat der westafrikanische Staat Ghana ab sofort alle Einreisen drastisch eingeschränkt. Konkret können Menschen nur noch auf dem Luft- oder Seeweg in das Land kommen, Einreisen über Land sind für unbestimmte Zeit nicht möglich. Präsident Nana Addo Dankwa Akufo-Addo begründete die Maßnahme in der Nacht zu Donnerstag in einer TV-Rede mit einer drohenden vierten Infektionswelle. «Wir beobachten das Ausmaß an Bedrohung durch die Krankheit und die laufenden Impfungen in unseren Nachbarländern - und sobald wir die Zuversicht haben, dass es sicher ist, werden wir die Grenzen wieder öffnen», sagte der Präsident. In Afrika spielt sich nach Schätzungen mehr als 80 Prozent des Reiseverkehrs auf dem Landweg ab. Ghana hat seit Ausbruch der Pandemie knapp 132.000 positive Corona-Fälle registriert, von denen 1255 tödlich verliefen.
Für Flugreisende auf dem internationalen Kotoka Airport gelten drastische Beschränkungen. Alle müssen nun vollständig geimpft sein, maximal 72 Stunden alte negative PCR-Tests vorweisen und sich zudem bei der Ankunft einem erneuten Corona-Test unterziehen. Das gilt auch für Kinder ab fünf Jahren, für die - anders als bei Erwachsenen - die Tests kostenlos sind. Ghanas Präsident kündigte zudem die Gründung eines nationalen Impf-Instituts an, das unter anderem den geplanten Aufbau einer nationalen Impfstoff-Produktion überwachen soll.
Israels Grenzen bleiben für Touristen bis Ende Dezember zu
TEL AVIV: Israel verlängert das Einreiseverbot für Touristen wegen der Omikron-Variante des Coronavirus um weitere sieben Tage. Damit bleiben die Grenzen für Ausländer bis zum 29. Dezember um Mitternacht geschlossen, wie das Büro von Ministerpräsident Naftali Bennett am Mittwochabend mitteilte. Weiterhin müssen damit auch alle Personen mit Wohnsitz in Israel, die aus einem beliebigen Land zurückkehren - darunter auch geimpfte Israelis - bei der Einreise mindestens drei Tage lang in Quarantäne gehen.
Außerdem erklärte Israel Dänemark und Großbritannien zu «roten Ländern», in die die Einreise damit ab Freitag für Israelis verboten ist. Dies sind die ersten europäischen Länder aktuell auf der Liste, nachdem Israel bereits fast ganz Afrika als «rote Länder» ausgewiesen hat.
Die Omikron-Variante (B.1.1.529) wurde zuerst im südlichen Afrika nachgewiesen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft sie als «besorgniserregend» ein. Ende November wurden auch in Israel die ersten Fälle von Omikron nachgewiesen. Aktuell sind die Corona-Infektionszahlen in dem Mittelmeerland verhältnismäßig niedrig. Allerdings warnen Experten vor dem Beginn einer neuen Infektionswelle.