Bombengeschäfte

Kürzlich haben wieder einmal in Deutschland die sogenannten Ostermärsche stattgefunden. Ich habe früher auch daran teilgenommen. Damals galt der Protest den Atomwaffen, heute geht es vor allem gegen die ausufernden Waffengeschäfte.

All diese Märsche und Proteste werden nichts erreichen, eben so wenig wie die erste Friedensnobel-Preisträgerin und Pazifistin Bertha von Suttner mit ihrem Buch „Die Waffen nieder“. Stattdessen wird weltweit gezündelt. Beim letzten Treffen der Politiker und Militärs bei der Münchner Sicherheitskonferenz hieß das eindeutige Motto: „Nie standen wir näher am Rande eines Krieges als heute“. Warum? Unter anderem deshalb, weil der Waffenhandel expandiert. Deutschland steht weltweit an vierter Stelle bei diesem Bombengeschäft. Bis auf den heutigen Tag werden deutsche Waffen in alle Welt exportiert. Sie sorgen dafür, dass Kriege länger, intensiver und präziser geführt werden. Natürlich gibt es in Deutschland gewisse Gesetze gegen Waffenexporte in Kriegsgebiete, aber es gibt auch genug Tricks diese zu umgehen. Zum Beispiel Rheinmetall, die große deutsche Waffenschmiede. Sie gründet ein Riesenwerk in Südafrika. Vor dort aus kann es gesetzlich ungehindert Waffen exportieren. Rheinmetall kann sogar Waffenfabriken in Kriegsgebieten bauen, wo hunderttausende zivile Opfer daran zu Grunde gehen. Das erfolgreiche Geschäft mit dem Tod. Rheinmetall setzt circa drei Milliarden Euro jährlich mit seinen Waffengeschäften um, zuletzt 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Der nahe Osten ist der Hauptabsatzmarkt der deutschen Rüstungsindustrie. Arabien zerbombt den Jemen. Na, und? Wer nicht hören will muss fühlen!

Übrigens ist Rheinmetall auch in Sardinien aktiv, baut dort Panzer und Raketen für die Welt und ist stolz auf seine Leistung. Und die Aktionäre der KP-Fonds sind hochzufrieden mit dem alljährlichen Resultat, auch wenn sie oft gar nicht wissen, woher der unverhoffte Reichtum stammt. Der Grund dafür ist, dass sie ihr Geld in Fonds angelegt haben, die als Großinvestoren bei Rheinmetall eingestiegen sind. Wie geht das Land, unser Land damit um? Lasch, um nicht zu sagen eigentlich desinteressiert. Es hat nichts zu tun mit den Produkten deutscher Firmen im Ausland. Was heißt es schon, deutsche Waffen dürfen nicht in Krisengebiete ausgeliefert werden. Es passiert trotzdem. Es gibt sogenannte Grauzonen, die in Wirklichkeit reine Todeszonen sind. Tatsache ist, der Bananenhandel der Welt wird wirksamer überwacht als der Waffenhandel. Die Waffenschmiede Rheinmetall kennt neben dem Verdienst nur Präzision, und viele Tausende arbeiten daran in insgesamt 39 Fabriken. Und was sagen die Bürgermeister in den Gegenden, wo so ein neues Werk ents­teht? „Wir sind froh, dass es dieses Werk hier bei uns gibt, denn es schafft die Arbeitsplätze, die wir dringend brauchen“. Mit anderen Worten: Wir haben nichts gegen diese Todesmaschinerie. Aber wenn in der Nähe ein Kind ermordet wird, dann machen sich alle auf, um an der Trauerfeier teilzunehmen. Waffen sind nun mal ein Bombengeschäft. Die Aktien der großen Waffenschmieden haben ihren Wert teilweise in einem einzigen Jahr verdoppelt. Eine Gewaltspirale baut sich auf, abgrundtiefes Misstrauen spaltet die Welt. Und auch viele Deutsche sind zutiefst verunsichert. Gerade las ich von einer Umfrage, nach der weit mehr Deutsche den amerikanischen Präsidenten Trump fürchten als den russischen Präsidenten Putin – und das nach den angeblich von ihm angeordneten Giftanschlag auf den Doppelagenten Skripal und seine Tochter in England.

Überall wird gezündelt, gedroht und aufgerüstet. Da bleibt für die Hungernden auf der Welt nichts mehr übrig. Im Gegenteil: Oft werden sie zu Opfern deutscher Waffen, mehr als 15 Prozent treffen zivile Opfer, töten und zerfetzen sie. Aber alles ganz legal durch die Umgehung der Waffenexportgesetze. Wer durch ihre Waffen umkommt scheint den Herstellern egal zu sein. Anfragen der NGO’s werden nicht beantwortet. Man wünscht, dass der Mantel des Schweigens sich über dieses lukrative Geschäft legt. Und im Aufsichtsrat sitzen ehemalige Minister der Bundesrepublik, Todesengel in gieriger Erwartung hoher Aufwandsentschädigungen. Alles hochanständige und geachtete Mitbürger, die bei einem Terroranschlag mit 2 Toten kaum zu beruhigen sind, aber bei der Nachricht von tausenden Toten nur mit den Schultern zucken. Was können sie dafür? Nichts. Sie haben aus der Vergangenheit genau so wenig gelernt wie die neuen Nazis, wie die Rassis­ten, wie die AfD. Diese Wölfe im Schafsfell gebärden sich im deutschen Bundestag wie die Verteidiger der Demokratie, sind aber ihre Totengräber. Verzweifelt suche ich nach denen, die dazu beitragen, dieses Wettrüsten endlich zu beenden, nach der weltweit organisierten Partei, die den Pazifismus vielleicht etwas in den Vordergrund rückt. Es gibt sie nicht. Und wenn es sie gäbe – leider bin ich mir dabei ganz sicher – hätte sie nur einen geringen Einfluss gegenüber der weitverbreiteten Waffenlobby. Diese Pazifisten-Clowns sind doch nichts anderes als Träumer, im Zweifelsfall sogar gefährliche Träumer. Wer soll uns denn verteidigen, wenn wir angegriffen werden? Also weiter aufrüs­ten! Und wenn es dann zum Big-Bang kommt? Das haben wir nicht gewollt. Zu spät, liebe Kriegsfreunde, die ihr euch so gerne Friedensfreunde nennt. Hoffentlich findet ihr noch Überlebende, die euch unter die Erde bringen. Ich sage heute schon mal „Good bye“!

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