Antisemiten

Antisemiten

Ich kenne Leute, die über Juden in übelster Weise herziehen, aber keinen kennen. Im sogenannten 1.000-jährigen Reich sind mehr als sechs Millionen Juden ermordet worden, und es gibt Typen, die darauf stolz sind. Für diese unbelehrbaren Ignoranten schäme ich mich.

Über Jahrhunderte war Europa zu ihrer Heimat geworden, obwohl es immer wieder mal Pogrome gegen sie gab. Ihnen wurden bestimmte Judenviertel zugewiesen und die Ausübung verschiedener Berufe verboten. Als Wissenschaftler oder Ärzte haben sie sich einen Namen gemacht, und durch den Geldhandel wurden sie reich. Dadurch entstanden bedeutende Warenhäuser und Konzerne, auch in Deutschland. Zugegeben, Juden zeigten gerne ihren Reichtum, der den Neid der ärmeren Bevölkerung auslöste. Deshalb hatte Hitler leichtes Spiel, die Juden als Volksschädlinge zu verhöhnen und zu ermorden. Als nach dem Krieg seine grauenvollen Taten bekannt wurden, hätten wir doch alle darauf hoffen dürfen, dass seine Verbrechen von allen verurteilt würden. War aber nicht so. Zu viele Nazis waren übriggeblieben, zu viele von ihnen setzten ihre Karriere fort, als wäre nichts gewesen. Schon bald verbreiteten sie wieder alte Hetzparolen gegen Juden. Ein neuer Antisemitismus entstand. Böse Gerüchte wurden ihnen angedichtet: Es hieß, sie strebten die Weltherrschaft an, tranken das Blut kleiner Kinder, vergifteten Brunnen und scheffelten Geld, indem sie betrügerische Geschäfte machten. Obwohl alle diese Geschichten nichts mit der Wirklichkeit zu tun hatten, wundere ich mich, warum sie immer gegen die Juden gerichtet wurden. Gab und gibt es nicht andere Völker, wo solche oder schlimmere Taten bekannt geworden sind? Oder sollen die Juden immer noch für den Tod Jesus Christus büßen? Warum sind uns die Römer immer noch lieber, die uns als Barbaren behandelt haben? Und warum verurteilen wir nicht die USA, die auf Japan Atombomben abwarfen und in Vietnam Tausende Zivilisten abschlachteten? Mit so vielen Ländern lagen wir im Streit und sind heute wieder Verbündete. Das Verhältnis zu Israel ist heute wieder mehr als noch vor einigen Jahren angespannt, weniger von der Regierung als von der Bevölkerung, deren Vorbehalte sich gegen die illegalen Siedlungen in Palästina richten. Viele bezeichnen das als nicht akzeptable Landnahme. Und auch ich bin der Meinung, dass Israel sich damit weltweit einen Bärendienst erweist. Ich verstehe, dass immer mehr Juden aus aller Welt zurückkehren in die Heimat ihrer Väter und Platz brauchen. Unter Hitler hieß es noch „Volk ohne Raum“. Aber deshalb darf man trotzdem nicht einfach fremdes Land annektieren. Palästinenser haben weder in Israel noch in ihrem Land viel zu sagen. Sie werden enteignet oder gegen ihren Willen umgesiedelt. Israel ist nicht das Land geworden, das es eigentlich nach all den bösen Erfahrungen sein sollte. Es ist genauso korrupt wie alle anderen Länder und befindet sich permanent in der Defensive, weil es von feindlich gesinnten Völkern umzingelt ist. Ich wünsche Israel von ganzem Herzen Frieden und die Einsicht, dass nur ein Friedensvertrag die Feinseligkeiten beenden wird.

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