«Der große Rausch»

Doku über die Geschichte des Drogenhandels

Im 19. Jahrhundert breitete sich Opium auf Betreiben der Kolonialmächte in ganz Asien aus (zeitgenössische Zeichnung) - ein Foto aus
Im 19. Jahrhundert breitete sich Opium auf Betreiben der Kolonialmächte in ganz Asien aus (zeitgenössische Zeichnung) - ein Foto aus "Der große Rausch: Das Zeitalter der Imperien". Foto: Yami 2/Arte France/dpa

BERLIN: Der Drogenhandel ist ein Milliarden-Geschäft und hat großen Einfluss auf die Weltwirtschaft. Dass er eine derart große Bedeutung erlangen konnte, liegt auch an den zwielichtigen Aktivitäten der Staatsorgane.

Der Handel mit Drogen wie Heroin und Kokain ist ein einträgliches Geschäft. Auf die Weltwirtschaft üben die berauschenden Substanzen genauso einen großen Einfluss aus wie Erdöl. Die Nachfrage nach ihnen scheint unerschöpflich zu sein, weshalb mächtige Drogenkartelle eine bessere Kasse machen als manch ein internationales Unternehmen. Doch wie konnte dieses illegale Geschäft derart groß werden? Eine Antwort darauf liefert eine dreiteilige Dokumentation, die Arte an diesem Dienstag um 20.15 Uhr ausstrahlt.

Der Film «Der große Rausch» zeichnet die Geschichte des globalen Drogenhandels nach und spannt einen weiten Bogen von der Opiumherstellung in Indien bis zur Produktion synthetischer Substanzen der Gegenwart. Dabei geht er konventionell vor: Zwischen teilweise spektakulären Archivbildern sprechen Zeitzeugen, Historiker und Journalisten, während ein Erzähler aus dem Off die Informationen einordnet und von einem Thema zum anderen führt. Die Ausführungen machen schnell deutlich, dass der Rauschgifthandel eine komplexe Angelegenheit ist und Pharmaunternehmen, Bankensysteme sowie Geheimdienste bei dessen Entwicklung keine unbedeutende Rolle spielen.

Das Geschäft entsteht, als das britische Empire nach Absatzmöglichkeiten in China sucht. Das Reich der Mitte gilt zu Beginn des 19. Jahrhunderts als ein autarkes Land, das sich dem Freihandel verweigert. In diesem abgeschotteten Reich suchen die Eliten Entspannung, indem sie ihre Pfeifen mit allen möglichen Substanzen füllen. Eines Tages landet auch Opium darin. Schnell durchziehen die Schwaden der Droge das ganze Volk, bis der chinesische Kaiser beschließt, deren Konsum zu verbieten. Hier sehen die Briten ihre Chance auf einen Zugang zu dem damals größten Markt der Welt und beauftragen private Unternehmer mit dem Opium-Schmuggel. Als die sozialen Probleme im Land unerträglich werden, verlassen Massen von Chinesen ihre Heimat und verbreiten so das Opiumrauchen in der westlichen Welt.

Genauso absurd wie dieser Sucht-Bumerang mutet auch der Schachzug des französischen Geheimdienstes an, der in der Frühphase des Vietnam-Krieges aufgrund leerer Kassen einem Stamm in Laos die gesamte Mohnernte abkauft und sie auf die Militärbasis bei Saigon bringt. Von dort aus verkaufen die Agenten das Opium an chinesisch-vietnamesische Mafia-Clans. Mit dem Geld finanzieren die Franzosen eine 40 000 Mann starke Guerilla-Armee, deren Kämpfer aus den Stämmen Indochinas rekrutiert werden und gegen die Viet Minh kämpfen sollen.

Solche Details machen die Dokumentation so interessant und sehenswert. Sie wirft einen Blick auf verschiedene Länder weltweit, legt die Strukturen offen, innerhalb derer Staatsorgane und die jeweiligen Mafia-Clans kooperieren, und ruft ins Bewusstsein, dass der Drogenhandel aufs Engste mit unserem Gesellschafts- und Wirtschaftssystem verbunden ist. Sie informiert, klärt auf, präsentiert aber auch eine unerfreuliche Erkenntnis: Das Netzwerk des Drogenhandels verschwindet nie, sondern formiert sich immer wieder neu.

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