Zwischen Himmel und Hölle: Wer ist Ecuadors Jubel-Trainer?

Fußball an der Ecke eines Fußballfeldes. Foto: Adobe Stock/Billion
Fußball an der Ecke eines Fußballfeldes. Foto: Adobe Stock/Billion

EAST RUTHERFORD: Sebastián Beccacece liefert bei Ecuadors Sieg gegen Deutschland eine Show der Emotionen. Was dahintersteckt? Die Geschichte eines Trainers, der um die Liebe der Fans kämpft.

Sebastián Beccacece stürmte im Vollsprint zur Tribüne und ließ sich von seinen Liebsten feiern. Der Jubel mit der Familie sei für ihn «sehr wichtig» gewesen, sagte Ecuadors Nationalcoach nach dem 2:1-Sieg gegen Deutschland und dem damit verbundenen Einzug ins Sechzehntelfinale der Fußball-WM. Es war einer der wohl emotionalsten Tage in der Karriere des Trainers. Eines Trainers, der leidenschaftlich um die Liebe der Fans kämpft.

Es gehe darum, diese Momente mit Ehefrau, Mutter, Töchtern zu teilen, meinte Beccacece. Nur der Vater lebe nicht mehr und schaue «von oben zu», sagte der 45-Jährige, nachdem er die Ecuadorianer in ihre erste K.-o.-Phase bei einer WM seit 20 Jahren geführt und damit wohl auch seinen Job gerettet hatte.

Ecuadors Staatspräsident Daniel Noboa dankte sowohl Trainer als auch Spielern in den sozialen Medien. Der Freitag sei «Feiertag», schrieb der 38-Jährige bei X.

90 Minuten unter Strom

Die Beziehung zwischen Beccacece und Ecuadors Anhängern ist, gelinde gesagt, nicht die einfachste. Und erklärt die großen Gefühle, die der Argentinier beim Vorrundenabschluss gegen die DFB-Elf in East Rutherford zeigte. Über die komplette Partie hinweg hatte der Coach seine Mannschaft voller Hingabe nach vorn getrieben, phasenweise stand er sogar im Spielfeld. Schon nach dem Siegtreffer durch Gonzalo Plata rannte Beccacece wild die Seitenlinie entlang. Nach dem Schlusspfiff gab's für das Energiebündel endgültig kein Halten mehr.

Sein Team habe an diesem Donnerstag «etwas Großes geschafft» und «eine Weltmacht besiegt», sagte Beccacece. «Ich wünsche mir wirklich, dass die Menschen sich verlieben in diese Spieler. Ecuador ist verliebenswert.» Er selbst habe sich längst in dieses Team und dieses Land verliebt, gab er zu verstehen. Er sei der Bevölkerung in der 18-Millionen-Einwohner-Nation «sehr dankbar», sagte Beccacece und zählte diverse Städte auf, die er dort schon bereist habe.

Ecuadorianern drohte Fiasko

Verlieben sich knapp zwei Jahre nach seinem Amtsantritt nun auch die Fans der Ecuadorianer in ihn? Er habe ihre Herzen bisher nicht erreicht, hatte Beccacece vor dem Spiel gesagt. Die Kritik an ihm war zuletzt immer lauter geworden.

Auch wegen seines defensiven Spielstils. «El Tri», wie die Nationalelf genannt wird, hatte die WM-Qualifikation in Südamerika zwar als Tabellenzweiter abgeschlossen, sich mit nur 14 Toren in 18 Spielen aber regelrecht zum Turnier gemauert. Dort drohte nach dem 0:1 gegen die Elfenbeinküste und dem 0:0 gegen Curaçao ein Fiasko. Doch gegen Deutschland gab's das Comeback.

Himmel? Hölle? «Sind auf der Erde»

Zigtausende Fans in Gelben Trikots feierten das Team von Beccacece - und den Trainer selbst. Er gehe davon aus, dass er im Falle eines Scheiterns seinen Posten räumen müsse, hatte Beccacece, der schon seit 23 Jahren als Trainer arbeitet und lange Argentiniens früherem Nationalcoach Jorge Sampaoli assistierte, angekündigt. Stattdessen bejubelte er einen «historischen Sieg», wie die ecuadorianische Zeitung «El Universo» es formulierte.

«Wir haben uns nicht in der Hölle gefühlt, wir fühlen uns jetzt nicht im Himmel, wir sind auf der Erde», sagte Beccacece pathetisch über seine emotionale Achterbahnfahrt in den vergangenen Tagen. Er hatte immer wieder betont, wie sehr er an seine Spieler glaube. Glauben Ecuadors Fans nun auch an ihn?

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