POZA RICA: Überflutete Gemeinden, Stromausfälle, Erdrutsche: Nach anhaltenden Regenfällen spitzt sich die Lage in Mexiko zu. In Puebla wurde sogar ein Tiger vermisst - und später wiedergefunden.
In Mexiko ist die Zahl der Toten bei schweren Überschwemmungen und Erdrutschen nach offiziellen Angaben auf 37 gestiegen. Wie das Sicherheitsministerium mitteilte, sind 117 Städte und Gemeinden in fünf Bundesstaaten im Osten und Zentrum des Landes von den Folgen der anhaltenden Regenfälle schwer betroffen. Mindestens 6.700 Soldaten waren im Einsatz, um Nothilfe zu leisten und Straßen freizuräumen, wie Präsidentin Claudia Sheinbaum mitteilte.
«Wir lassen niemanden im Stich; wir kümmern uns um Familien, die einen geliebten Menschen verloren haben», schrieb Sheinbaum auf X. Viele der Opfer wurden nach Behördenangaben von Erdrutschen erfasst. Inmitten der schweren Überschwemmungen ist in Puebla zudem ein bengalischer Tiger aus einem Zoo entkommen und wurde von den Umweltbehörden gesucht. Das Tier wurde später wiedergefunden, unklar war zunächst, in welchem Zustand.
Die Unwetter haben Zehntausende Häuser beschädigt
Vor allem die Bundesstaaten Veracruz, Hidalgo, Puebla, San Luis Potosí und Querétaro sind von den Unwettern betroffen. Mindestens 34.000 Häuser sowie Krankenhäuser, Schulen, Straßen und Brücken wurden beschädigt. Einige Ortschaften bleiben wegen Lawinen von der Außenwelt abgeschnitten. Zehntausende Haushalte haben keinen Strom.
Im östlichen Bundesstaat Veracruz, in dem fünf Menschen ums Leben kamen, überschwemmte der über die Ufer getretene Fluss Cazones die Stadt Poza Rica, die fast 190.000 Einwohner hat. Rund 35 Prozent der dortigen Einwohner waren von dem Hochwasser betroffen, wie die Gouverneurin Rocío Nahle mitteilte. Viele Menschen mussten auf Dächern und Bäumen ausharren, während sie auf ihre Rettung mit Booten oder aus der Luft warteten. Hunderte wurden in Notunterkünfte gebracht. Auch die kleinere Stadt Álamo stand unter Wasser.
Zahlreiche Todesopfer bei Schlammlawinen
Im zentralen Bundesstaat Hidalgo kamen nach Regierungsangaben 22 Menschen ums Leben. Im Bundesstaat Puebla gab es mindestens neun Todesopfer, weitere Menschen werden vermisst. Ein Sechsjähriger wurde im Bundesstaat Querétaro unter tonnenschwerem Gestein und Schlamm eines Erdrutsches begraben.
Mexiko befindet sich am Ende der jährlichen Regenzeit, die rund sechs Monate dauert und Anfang November endet. Verantwortlich für die ergiebigen Regenfälle der letzten Tage sind unter anderem die tropischen Wirbelstürme «Priscilla» und «Raymond» im Pazifik sowie Wetterphänomene im Golf von Mexiko. Meteorologen zufolge wird es in den nächsten Tagen weiter regnen.
Entlaufener Tiger wird lange gesucht
In der Gemeinde Xicotepec in Puebla wurde der entlaufene Tiger zwischen Wurzeln und Bäumen entdeckt, wie der Bürgermeister Carlos Barragán sagte, ohne nähere Angaben zu seinem Zustand zu machen. Das Tier war aus seinem Käfig im Tierpark «Animalia» entkommen. Der Fluss San Marcos war über die Ufer getreten und hatte die Umgebung überschwemmt. Die mexikanische Umweltbehörde hatte die Anwohner zur Vorsicht gemahnt und sie gebeten, sich zu melden, wenn sie den rund 130 Kilogramm schweren Tiger sahen. Xicotepec ist eine Gemeinde mit rund 80.000 Einwohnern in einer Bergregion, die von den heftigen Regenfällen schwer betroffen wurde.