Ukraine-Gespräche in Abu Dhabi pausiert

Trilaterale Friedenssuche – neue Runde schon geplant

Der damalige ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umjerow trifft im Nato-Hauptquartier in Brüssel zu einem Treffen der Verteidigungsminister der Koalition der Willigen ein. Foto: dpa/Wiktor Dabkowski/zuma Press Wire
Der damalige ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umjerow trifft im Nato-Hauptquartier in Brüssel zu einem Treffen der Verteidigungsminister der Koalition der Willigen ein. Foto: dpa/Wiktor Dabkowski/zuma Press Wire



ABU DHABI: Die direkten Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine, Russland und den USA in Abu Dhabi sind nach zwei Tagen vorerst zu Ende gegangen – ohne öffentlich bekannte Durchbrüche, aber mit vorsichtigem Optimismus für eine Fortsetzung.

Die Delegationen seien in ihre Hotels zurückgekehrt, für den Sonntag war keine weitere Gesprächsrunde mehr angesetzt, hieß es aus Verhandlungskreisen. Sowohl Kiew als auch Moskau hätten den Verlauf als „positiv“ und „konstruktiv“ bewertet; konkrete Resultate sollten jedoch zunächst von den jeweiligen Regierungen verkündet werden.

Die direkten Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine, Russland und den USA in Abu Dhabi sind nach zwei Tagen vorerst zu Ende gegangen – ohne öffentlich bekannte Durchbrüche, aber mit vorsichtigem Optimismus für eine Fortsetzung. Die Delegationen seien in ihre Hotels zurückgekehrt, für den Sonntag war keine weitere Gesprächsrunde mehr angesetzt, hieß es aus Verhandlungskreisen. Sowohl Kiew als auch Moskau hätten den Verlauf als „positiv“ und „konstruktiv“ bewertet; konkrete Resultate sollten jedoch zunächst von den jeweiligen Regierungen verkündet werden.

In der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate saßen erstmals seit Monaten wieder Vertreter der drei Schlüsselakteure in diesem Format an einem Tisch. Auf ukrainischer Seite führt Verteidigungsminister und Verhandlungschef Rustem Umjerow die Delegation an, unterstützt von hochrangigen Sicherheits- und Militärvertretern. Die russische Seite wird vom Chef des Militärgeheimdienstes Igor Kostjukow angeführt. Für die USA nehmen neben ranghohen Diplomaten auch einflussreiche Sicherheitsberater aus dem Umfeld von Präsident Donald Trump teil.

Territorien als Knackpunkt

Im Kern geht es in Abu Dhabi um Bedingungen für ein Ende des von Kremlchef Wladimir Putin im Februar 2022 begonnenen Angriffskriegs. Moskau fordert von der Ukraine die Abtretung weiterer Gebiete, insbesondere im Donbass, sowie den Verzicht auf einen NATO-Beitritt und auf eine schlagkräftige Armee. Kiew hingegen lehnt zusätzliche Rückzüge aus bisher nicht von russischen Truppen besetzten Regionen entschieden ab und verweist auf das Selbstbestimmungsrecht des Landes. Territorialfragen gelten deshalb als größter Stolperstein jeder Verständigung.

Für die Ukraine stehen neben der Gebietsfrage vor allem verlässliche Sicherheitsgarantien im Mittelpunkt. Präsident Wolodymyr Selenskyj pocht auf Zusagen, die künftige russische Angriffe abschrecken und das Land langfristig absichern sollen. Washington soll dabei eine zentrale Rolle spielen – sowohl militärisch als auch bei der finanziellen Unterstützung für Wiederaufbau und Energieinfrastruktur. Russland wiederum knüpft weitreichende Zugeständnisse an die Aussicht auf eine Lockerung westlicher Sanktionen und eine Wiederbelebung des Handels mit den USA.

Neue Angriffe während der Gespräche

Parallel zu den Verhandlungen gehen die Kämpfe in der Ukraine weiter. In der Nacht vor dem Abschluss der ersten Runde meldeten die Behörden erneut schwere russische Luftangriffe auf Kiew und die Großstadt Charkiw mit Toten, Dutzenden Verletzten und massiven Schäden an Wohngebäuden und Krankenhäusern. In Kiew schlugen demnach Drohnen und Raketen in mehreren Stadtteilen ein, in Charkiw wurden Menschen unter Trümmern vermuteterweise verschüttet. Die anhaltenden Angriffe unterstreichen, wie fragil jede Annäherung in Abu Dhabi bleibt.

Trotz des fehlenden Abschlussdokuments werten Beobachter schon die Einigung auf weitere Gespräche als vorsichtiges Hoffnungszeichen. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen sollen die trilateralen Treffen bereits in der kommenden Woche in Abu Dhabi fortgesetzt werden. Die Konfliktparteien sprechen von „Resultaten“, die zwar noch nicht öffentlich seien, aber als Grundlage für die nächste Runde dienen könnten. Ob daraus am Ende ein konkreter Fahrplan für Waffenruhe, Pufferzonen und internationale Überwachung der Frontlinien entsteht, bleibt vorerst offen.

Selenskyj selbst mahnt zur Zurückhaltung. Es sei zu früh, um von einem Durchbruch zu sprechen, solange Russland seine Angriffe fortsetze und an Maximalforderungen bei den Gebieten festhalte, betonte er in seiner abendlichen Videoansprache. Auch in der ukrainischen Bevölkerung gibt es laut Umfragen keine Mehrheit für territoriale Zugeständnisse im Donbass. Gleichwohl wächst nach fast vier Jahren Krieg der Druck, eine politische Lösung zumindest auszuloten – auch, weil die militärische Lage an vielen Frontabschnitten festgefahren ist.

Testfall für Diplomatie

Die US-Regierung wiederum versucht, in Abu Dhabi diplomatischen Einfluss und ökonomischen Druck zu verbinden. Sondergesandte aus Trumps Umfeld sondieren mit russischen Vertretern Optionen für eine schrittweise Lockerung von Sanktionen, falls Moskau tatsächlich auf einen verlässlichen Waffenstillstand zusteuern sollte. Für Europa und die Nachbarstaaten der Ukraine sind die Gespräche damit mehr als ein weiterer Termin im diplomatischen Kalender: Sie könnten zum Testfall werden, ob sich in einem hochgerüsteten Konflikt überhaupt noch tragfähige Kompromisse am Verhandlungstisch durchsetzen lassen.

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