«Kommersant»: Ukraine-Diplomatie ist in der Sackgasse
MOSKAU: Zur US-Vermittlung im Ukraine-Krieg und zur Rolle der Europäer schreibt die Moskauer Tageszeitung «Kommersant» am Montag:
«Die internationale Diplomatie in der Ukraine ist in eine Sackgasse geraten. US-Präsident Donald Trump forderte Russland und die Ukraine auf, den Krieg «unter sich zu klären», und fügte hinzu, er habe den Konfliktparteien «bereits geholfen». (.) Nachdem die USA ihre Führungsrolle bei der Vermittlung in der Ukraine verloren haben, wurde nun in Europa über die Notwendigkeit von Verhandlungen gesprochen, ohne dabei die Ultimaten an Russland aufzugeben.
Ein Beweis dafür, dass das Fenster der Diplomatie geschlossen ist, war der offene Brief (des ukrainischen Staatschefs) Wolodymyr Selenskyj an Präsident Wladimir Putin, den das russische Staatsoberhaupt als «unverschämt» bezeichnete. (.)
In einem Kommentar zum plötzlich aufkommenden Interesse der Europäer an Verhandlungen mit Moskau erklärte Dmitri Peskow, der Pressesprecher von Präsident Putin, dass Wladimir Putin für einen Dialog offen sei. (.), doch da die Europäer sich nicht entscheiden können, worüber sie mit Russland verhandeln sollen, bleibt das Fenster der Diplomatie in der Ukraine geschlossen.»
«de Volkskrant»: Luftverteidigung der Ukraine muss gestärkt werden
AMSTERDAM: Die niederländische Zeitung «de Volkskrant» plädiert am Montag für eine stärkere Unterstützung der Ukraine bei der Abwehr russischer Raketenangriffe und schreibt:
«Nach großen Schwierigkeiten im vergangenen Winter schöpfen die Ukrainer mittlerweile Kraft aus ermutigenden Nachrichten von der Front - vor allem hinsichtlich der Fähigkeit ihrer Armee, militärische Ziele tief im russischen Hinterland zu treffen, sowie aus der - möglicherweise vorübergehenden - Überlegenheit bei den Drohnen, die dem Besatzer auf der Krim und anderswo ernsthafte logistische Probleme bereitet. Doch neben Innovationskraft ist auch die industrielle Kapazität von entscheidender Bedeutung. Deshalb muss Europa alles daran setzen, Schwächen der Ukraine und Europas bei der Abwehr ballistischer Raketen zu beheben.
Während die westlichen Vorräte an Luftabwehrmunition weitgehend erschöpft sind, verschafft die gestiegene russische Produktion von ballistischen Raketen und Marschflugkörpern Russlands Präsident Wladimir Putin eine Terrorwaffe, die er bereits jetzt wöchentlich bei massiven Luftangriffen einsetzt. Und ein neuer Winter steht schon in wenigen Monaten bevor. (.)
In dieser Situation ist Angriff die beste Verteidigung: Russische Raketen zerstören, bevor sie abgefeuert werden. Die Ukraine greift immer mehr Raketenfabriken an - mit selbstgebauten Langstrecken-Drohnen. Zudem will Kiew so schnell wie möglich eine eigene, kostengünstige Variante des Patriot-Luftabwehrsystems entwickeln. Dazu ist europäische technologische Hilfe erforderlich - und zwar dringend.»
«The Independent»: Europäer können von der Ukraine lernen
LONDON: Zum Ukraine-Krieg meint der Londoner «Independent» am Montag:
«Wie die Dinge liegen, will der russische Präsident Wladimir Putin seinen Krieg fortsetzen, weil er die Folgen einer Niederlage fürchtet. Derweil ist es zurzeit der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der den größeren Vorteil aus der Fortsetzung des Krieges zieht, da sich das Blatt für die Ukraine anscheinend wendet. Das verändert auch die Dynamik der Beziehungen Kiews zu den europäischen Mächten.
Insbesondere besteht der Unterschied in der heutigen Partnerschaft zwischen Großbritannien und der Ukraine - und das ist eine bemerkenswerte Veränderung - darin, dass Großbritanniens Militär unterdimensioniert und von Inkompetenz geplagt ist, während die Ukrainer (...) führend in der Revolution der Kriegsführung geworden sind, die durch Drohnen- und Anti-Drohnen-Technologie (und bald auch durch KI) vorangetrieben wird.
Wie die Welt sowohl in der Ukraine als auch am Golf beobachten konnte, hat dies die Art und Weise verändert, wie Länder militärische Operationen in der Luft, auf See und an Land - sowohl in der Verteidigung als auch im Angriff - konzipieren und durchführen. (...) Die Europäer können also viel von der Ukraine lernen, und die militärischen Beziehungen sind nun keine Einbahnstraße mehr.»