«Sme»: Ukraine muss sensibleren Umgang mit Partnern lernen
BRATISLAVA: Die slowakische Tageszeitung «Sme» schreibt am Freitag zum Geschichtsstreit zwischen Polen und der Ukraine:
«Indem sich in den vergangenen Monaten die Situation an der Front für die ukrainische Armee verbesserte, ist auch die Angriffslust der politischen Führung um Präsident Wolodymyr Selenskyj gegenüber den ausländischen Partnern ebenso wie dem Feind gewachsen. (...) Die Ukrainer spielen ein ziemlich raues historisches Pokerspiel mit ihren polnischen Nachbarn im Streit um die Ukrainische Befreiungsarmee UPA (...).
Auslöser war die ehrende Benennung einer ukrainischen Militäreinheit nach den «Helden der UPA». Für die Ukrainer sind das Helden, für die Polen vor allem die Täter von Massakern an der polnischen Bevölkerung während des Zweiten Weltkriegs. Das Ergebnis der politischen Gefühllosigkeit beider Seiten ist eine Schwächung der Geberkonferenz in Danzig diese Woche, wie auch der wichtigen Bündnisbeziehung insgesamt. (...)
Die Frage ist nun, welchen Umgang die europäischen Staaten künftig mit Kiew pflegen werden. Werden sie sich nach Deutschlands Vorbild um eine entgegenkommende Umarmung bemühen oder eher den polnischen Weg der Verhärtung aus innenpolitischen Motiven wählen?
Auch die ukrainischen Politiker werden wohl lernen müssen, mit ihren Nachbarn und Partnern feinfühliger umzugehen. Der sowjetische Stil, alles notfalls auch mit dem Kopf gegen die Wand durchzudrücken, muss sich nicht immer auszahlen. Vor allem dann, wenn in Europa im Zuge wichtiger Wahlen im kommenden Jahr die gegenüber der Ukraine kritischen Stimmen wie Polens Präsident (Karol) Nawrocki erstarken könnten.»
EU will wehrfähigen Ukrainern Flucht vor Krieg erschweren
BRÜSSEL: Ukrainische Männer sollen sich einem Einsatz im Krieg gegen Russland künftig schwerer entziehen können und nicht mehr so einfach Zuflucht in Deutschland oder anderen EU-Staaten finden.
23- bis 60-Jährige, die von der Ukraine keine Ausreiseerlaubnis bekommen, sollen nach einem Vorschlag der Europäischen Kommission von den vereinfachten Aufnahmeregeln für Flüchtlinge ausgenommen werden.
«Rzeczpospolita»: Wirtschaftlich ist die Ukraine ein Zwerg
WARSCHAU: Die polnische Tageszeitung «Rzeczpospolita» kommentiert am Freitag die Wiederaufbau-Konferenz URC für die Ukraine in Danzig, bei der sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vertreten ließ:
«Die Ukraine ist trotz ihrer Ressourcen und ihres Territoriums ein wirtschaftlicher Zwerg, und man sollte sich dessen in Kiew bewusst sein. Ihre größte Ressource ist der gute Wille ihrer Verbündeten, was sich bei der Wiederaufbau-Konferenz URC 2026 in Danzig auf brutale Weise bestätigt. Werden die Eskapaden von Selenskyj und seiner Anhänger der polnischen Wirtschaft schaden? Kurzfristig sicherlich ja, langfristig aber nicht. Polen ist und bleibt das natürliche Bindeglied für die Zusammenarbeit ukrainischer Unternehmen mit der EU. Entscheidend dafür ist nicht der Wille der Politiker, sondern die Realität: die geografische Nähe, die Flexibilität der polnischen Wirtschaft und die Offenheit für Zusammenarbeit.»
Russland meldet massiven ukrainischen Drohnenangriff
TULA/MOSKAU: Russland überzieht die Ukraine seit mehr als vier Jahren mit einem Angriffskrieg. Kiew wehrt sich - mit einem der bisher massivsten Drohnenangriffe.
Die Ukraine hat Russland nach Angaben aus Moskau in der Nacht massiv mit Drohnen angegriffen. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, dass 660 ukrainische Drohnen über russischen Gebieten und der 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim abgewehrt worden seien. Die Angaben sind unabhängig nicht überprüfbar, lassen aber Rückschlüsse auf die Intensität ukrainischer Angriffe zu. Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass bezeichnete das als heftigsten ukrainischen Drohnenangriff seit Jahresbeginn.
Der Gouverneur der südlich von Moskau gelegenen Region Tula, Dmitri Miljajew, schrieb bei Telegram von allein 157 über dem Gebiet abgewehrten Drohnen. Ihm zufolge wurden in Nowomoskowsk eine Hochspannungsleitung und ein Industriebetrieb beschädigt. Einsatzkräfte seien vor Ort. Details nannte er nicht. Außerdem sei im Kreis Schtschokino ein Wohnhaus beschädigt und eine Frau verletzt worden.
In Nowomoskowsk liegt der Chemiebetrieb Asot. Das Unternehmen ist eines der größten Chemiewerke in Russland und stellt vor allem Dünger her. Nach eigenen Angaben produziert es unter anderem Ammoniak und Salpetersäure - Stoffe, die auch zur Sprengstoffherstellung genutzt werden können.
Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als vier Jahren gegen eine großangelegte russische Invasion. Als Teil des Abwehrkampfes hat Kiew seine Gegenangriffe in den vergangenen Monaten deutlich ausgeweitet und den Krieg damit zurück auf russisches Territorium getragen. Das ukrainische Militär zielt vor allem auf die russische Rüstungs- sowie die Öl- und Gasindustrie, um den Treibstoffnachschub für die russische Armee zu stören und dem Kreml die Kriegsfinanzierung zu erschweren.