«NZZ»: Polen und die Ukraine brauchen einander

Grafik: DER FARANG
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ZÜRICH: Zum Geschichtsstreit zwischen Polen und der Ukraine meint die «Neue Zürcher Zeitung» am Freitag:

«Die Ukraine steckt in einem Überlebenskampf gegen Russland, und Polen befürchtet, eines der nächsten Opfer zu werden. Vor diesem Hintergrund ist es paradox, dass die tödliche Gefahr der Gegenwart die beiden Nachbarländer nicht eint, sondern ein Streit um die Vergangenheit sie immer stärker entzweit. Im Zentrum steht der Umgang mit einem düsteren Kapitel des Zweiten Weltkrieges, den Massakern an Zehntausenden von ethnischen Polen in der heutigen Westukraine in den Jahren 1943 bis 1945.

Verübt wurden sie von der nationalistischen ukrainischen Untergrundarmee UPA, die deswegen in Polen als Terrorgruppe betrachtet wird. In der Ukraine hingegen genießt die UPA Verehrung dafür, dass sie für eine unabhängige Ukraine kämpfte und dabei einen Guerillakrieg sowohl gegen die nationalsozialistischen Besetzer als auch später gegen die Sowjetherrschaft führte. Diese beiden Sichtweisen sind unvereinbar und voller Zündstoff. (...)

Die beiden Länder stehen nun vor der Wahl, die Kontroverse weiter hochzukochen oder sich auf ihre übergeordneten Interessen zu besinnen. Diese sollten klar sein: Polen und die Ukraine brauchen einander. Die ukrainischen Truppen sind Europas stärkster Schild gegen Russland und beschützen auch Polen. Zugleich leistet Polen wertvolle Militärhilfe, beherbergt fast eine Million ukrainische Flüchtlinge und kann als Fürsprecher für einen ukrainischen EU-Beitritt dienen. Gewiss wäre es wünschbar, dass sich die Ukraine den düsteren Seiten ihrer Geschichte stellt - aber eine solche Aufarbeitung mitten in einem Existenzkampf einzufordern, ist unrealistisch.»

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