Wahlbeteiligung in Deutschland verhalten

Sicherheitskräfte kontrollieren die Wahlberechtigten am Eingang des türkischen Konsulates in Berlin. Foto: epa/Hayoung Jeon
Sicherheitskräfte kontrollieren die Wahlberechtigten am Eingang des türkischen Konsulates in Berlin. Foto: epa/Hayoung Jeon

ISTANBUL (dpa) - Zwischenbilanz nach einer Woche Türkei-Wahl in Deutschland: Bislang hat nicht einmal jeder vierte Wahlberechtigte seine Stimme abgegeben. Der AKP-Abgeordnete Yeneroglu rechnet am Ende dennoch mit einer hohen Beteiligung - auch wegen der Debatte über Özil und Gündogan.

Bei der Türkei-Wahl in Deutschland ist die Beteiligung bislang verhalten: In den ersten sieben Tagen der Abstimmung gaben bis Mittwochabend 343.129 der 1,44 Millionen Wahlberechtigten in Deutschland ihre Stimme ab, wie aus der Statistik der türkischen Wahlkommission hervorgeht. Das entspricht sechs Tage vor dem Ende der Abstimmung im Ausland einer Quote von 23,8 Prozent. Die überwiegende Anzahl der Wähler (312.627) stimmte in den 13 türkischen Konsulaten in Deutschland ab. 30.502 Wähler machten von der Möglichkeit Gebrauch, an Grenzübergängen der Türkei zu wählen.

In der Türkei werden am 24. Juni der Präsident und ein neues Parlament gewählt. Die gut drei Millionen stimmberechtigten Auslandstürken stellen mehr als fünf Prozent aller türkischen Wähler. Die größte Gruppe lebt in Deutschland. Bei einem knappen Ergebnis könnten Stimmen aus dem Ausland entscheidend sein. In den meisten Ländern außerhalb der Türkei begann die Wahl später als in Deutschland. Insgesamt kann außerhalb der Türkei in 60 Ländern gewählt werden.

Beim Verfassungsreferendum im vergangenen Jahr hatten sechs Tage vor dem Ende der Abstimmung im Ausland rund neun Prozent mehr Wähler in Deutschland ihre Stimme abgegeben. Womöglich ist die verhaltenere Beteiligung dieses Mal auf den Fastenmonat Ramadan zurückzuführen, der noch bis (zum heutigen) Donnerstagabend andauerte. Die Abstimmung in Deutschland begann am Donnerstag vergangene Woche und dauert noch bis zum kommenden Dienstag an. An den Grenzübergängen kann noch bis zum Wahltag in der Türkei abgestimmt werden.

Der Abgeordnete Mustafa Yeneroglu, der die Auslandswahl für die AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan koordiniert, sagte der Deutschen Presse-Agentur, er sei zuversichtlich, dass die Beteiligung in Deutschland am Ende höher ausfallen werde als beim Referendum. «Insgesamt ist die türkische Diaspora weltweit bei der Wahlbeteiligung im Ausland führend.» Beim Verfassungsreferendum lag die Wahlbeteiligung in Deutschland bei knapp 50 Prozent.

Yeneroglu setzt bei dieser Wahl auch auf die Stimmen der jungen Türken in Deutschland. Viele davon «protestieren auch gegen die weit verbreitete antitürkische Stimmung, wie man sie zuletzt leider am Beispiel von Özil und Gündogan erlebt hat». Die Nationalspieler Ilkay Gündogan und Mesut Özil waren wegen gemeinsamer Fotos mit Erdogan in die Kritik geraten.

In Österreich ist die Wahlbeteiligung bislang deutlich niedriger als beim Verfassungsreferendum. Dort stimmten bislang 24 043 der rund 106 000 Wahlberechtigten ab, was einer Quote von 24 Prozent entspricht. Das sind 15,8 Prozent weniger Wähler als beim Referendum. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich hatte das Lager von Erdogan beim Referendum deutlich mehr Stimmen als in der Türkei selbst bekommen. In der Schweiz beginnt die Abstimmung erst an diesem Freitag.

In Deutschland lag die Beteiligung in Essen mit bislang 32,7 Prozent am höchsten. An zweiter Stelle lag Düsseldorf (28,4 Prozent), gefolgt von Köln (27,2 Prozent), Stuttgart (25,2 Prozent), Hamburg (25,1 Prozent), Mainz (24,3 Prozent), Frankfurt (23 Prozent), München (22,1 Prozent), Nürnberg (21,4 Prozent), Berlin (21,1 Prozent), Hannover (21 Prozent), Karlsruhe (20,8 Prozent) und Münster (13,8 Prozent).

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