In der Nähe der weltberühmten Inka-Zitadelle Machu Picchu hat sich am Dienstag ein schweres Zugunglück ereignet. Zwei Züge der führenden Anbieter kollidierten auf einer eingleisigen Strecke frontal, was umfangreiche Rettungsarbeiten in dem schwer zugänglichen Gelände auslöste.
CUSCO: Ein schwarzer Tag für den Tourismus in der Andenregion. Nach Angaben der peruanischen Nationalpolizei und lokaler Gesundheitsbehörden forderte das Unglück mindestens ein Menschenleben. Bei dem Verstorbenen handelt es sich um einen Lokführer eines der beteiligten Züge. Zudem wurden mindestens 40 Personen verletzt, darunter zahlreiche internationale Touristen.
Rettungseinsatz in unwegsamem Gelände
Das Unglück ereignete sich gegen Mittag in der Nähe von Qoriwayrachina, etwa auf Kilometer 82 der Strecke zwischen Ollantaytambo und Machu Picchu. In diesem Bereich verläuft die Schienenführung eingleisig parallel zum Fluss Vilcanota. Die Bergung der Verletzten gestaltete sich aufgrund der geografischen Lage als äußerst schwierig, da der Unfallort kaum über Straßen erreichbar ist.
Einsatzkräfte des Gesundheitsministeriums (Minsa) und der Polizei koordinierten den Abtransport der Verletzten. Berichten zufolge wurden etwa 20 Personen mit teils schweren Verletzungen in Krankenhäuser in Cusco und die nahegelegene Stadt Aguas Calientes gebracht. Die Bilder von der Unfallstelle zeigen stark beschädigte Lokomotiven und zerbrochene Scheiben in den Waggons der Anbieter PeruRail und Inca Rail.
Ursachenforschung und Sicherheitsbedenken
Die genaue Ursache für die Kollision ist derzeit Gegenstand offizieller Untersuchungen. Es stellt sich die dringende Frage, wie zwei Züge gleichzeitig auf demselben eingleisigen Abschnitt verkehren konnten. Experten vermuten ein Versagen der Signal- oder Kommunikationssysteme, was in einer Region mit extrem hohem Verkehrsaufkommen fatale Folgen hat.
Täglich besuchen bis zu 4.500 Menschen die UNESCO-Weltkulturerbestätte, wobei der Großteil auf die Schienenverbindung angewiesen ist. Kritiker bemängeln schon länger die Abhängigkeit von einer einzigen Gleisstrecke. Lokale Medien berichteten, dass zum Zeitpunkt des Unglücks dichter Nebel in der Region herrschte, was die Sichtverhältnisse zusätzlich erschwerte.
Auswirkungen auf den Tourismussektor
Die peruanische Tourismusbranche reagiert besorgt auf den Vorfall. Der Zugverkehr nach Machu Picchu wurde unmittelbar nach dem Unfall eingestellt, was hunderte Reisende stranden ließ. Für Peru, das sich mühsam von den politischen Unruhen der vergangenen Jahre erholt, ist ein solcher Vorfall ein herber Rückschlag für das Image als sicheres Reiseziel.
Vertreter von Inca Rail und PeruRail äußerten ihr tiefes Bedauern und kündigten volle Kooperation mit den Behörden an. Die US-Botschaft in Lima bestätigte bereits, dass sich unter den Verletzten auch amerikanische Staatsbürger befinden; Informationen über europäische oder asiatische Opfer stehen noch aus.
Hintergrund dieses Unfalls ist die komplexe Infrastruktur der Region. Die Strecke nach Machu Picchu gilt als eine der profitabelsten, aber auch technisch anspruchsvollsten Bahnstrecken der Welt. Da es keine vollwertige Straßenverbindung zur Inka-Stadt gibt, bleibt die Bahn das logistische Nadelöhr.
Zukünftig dürften die Rufe nach einer Modernisierung der Leitsysteme und möglicherweise einer alternativen Zugangsroute lauter werden. Für BuMa Reisen und andere Anbieter bedeutet dies vorerst, die Sicherheitslage genau zu beobachten, da der Bahnbetrieb bis zum Abschluss der ersten Untersuchungen stark eingeschränkt bleiben könnte.