Studie: Warum intensives Denken müde macht

Eine Schachspielerin während der ersten Runde der 44. Schach-Olympiade. Foto: Sri Loganathan
Eine Schachspielerin während der ersten Runde der 44. Schach-Olympiade. Foto: Sri Loganathan

PARIS: Wer sich über einen längeren Zeitraum intensiv konzentriert, der wird in der Regel müde. Forscher haben nun einen Grund gefunden, warum das so sein könnte. Bei intensiver kognitiver Arbeit über mehrere Stunden hinweg sammle sich in einem Teil des Gehirns Glutamat an, schreibt das Forscherteam um Antonius Wiehler vom Pitie-Salpetriere Hospital in Paris im Fachjournal «Current Biology». Der Botenstoff Glutamat häuft sich demnach in dem Bereich des Gehirns an, der als präfrontaler Cortex bekannt ist. Der Bereich ist aktiv, wenn Menschen etwas planen oder komplexe Probleme lösen.

Das Ansammeln des Glutamates verursache eine kognitive Ermüdung, schreiben die Forscher. Dies führe dazu, dass man sich entspannteren Tätigkeiten widme, die keine Anstrengung oder Warten erforderten.

Nach Angaben der Forscher zeigen die Ergebnisse, dass Denk-Arbeit zu einer funktionellen Gehirnveränderung führt. Dabei sei die Müdigkeit ein Mittel zum Zweck, denn sie veranlasse den Menschen dazu, die Arbeit zu unterbrechen. So solle die Gehirnfunktion generell am Laufen gehalten werden.

Die Forscher wandten für ihre Studie spezielle Verfahren an, mit denen es möglich war, die Konzentrationen spezifischer Moleküle im Gehirn einige Male am Tag zu überwachen. Sie untersuchten zwei Probandengruppen: eine musste schwierige Aufgaben lösen, die andere bekam relativ leichte kognitive Aufgaben.

Ergebnis: Am Ende des Tages führte die anspruchsvolle kognitive Anstrengung zu einer höheren Glutamatkonzentration in der benannten Gehirnregion als die leichte kognitive Arbeit.

Nach Angaben des Neurophysikers Harald Möller vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig sind Anstiege der Glutamatkonzentration von einigen Prozent unter gezielter Anregung verschiedener Hirnregionen - zum Beispiel des visuellen Systems - vielfach beobachtet worden. Dabei sei aber ein relativ schneller Abfall des Botenstoffs bei Beendigung der Stimulation erfolgt.

Jedoch überzeuge ihn die Interpretation der Ergebnisse in der französischen Studie nicht. Er kritisierte die Schlussfolgerung, dass es zu einem länger anhaltendenden Glutamatanstieg im Zellzwischenraum komme. Es sei allerdings schwierig, Messungen an diesem Teil des Gehirns durchzuführen. Möller sagte, die Forscher hätten auch die Ruhephasen der Probandinnen und Probanden messen müssen. Dann hätten sie eine Referenz dafür gehabt, wie das Experiment den Glutamatanstieg beeinflusse - im Gegensatz zu einer vorherigen Ruhephase.

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Martin Pohl 14.08.22 16:30
HtL - "mein kleines Mädchen" ;-))
D'accord d'accord _____

Ich kenne das von meinem gesamten Berufsleben. Gegen Ende meiner Karriere hatte ich sogar immer mehr die Befürchtung, es könnte zu einem Blackout kommen. Ist aber gut gegangen. Meine Entscheidung, mit arbeiten aufzuhören, war richtig und (fast) notwendig.
Aus heutiger Sicht kann ich nur jedem empfehlen, wer harte geistige Arbeit leisten muss, öfter mal Pausen einlegen.
Derk Mielig 14.08.22 15:20
@HtL
Wenn Sie sich hier nicht ständig als kleines Mädchen präsentieren würden, könnte man evtl. wenigstens etwas über Ihre Beiträge schmunzeln. Aber mal ganz ehrlich, was soll daran lustig sein?
Hit the Lights 14.08.22 15:10
Darum wird der Forumsplagegeist Mehlig hier nie müde, weil kein Denken, gepaart mit Dummheit, nicht müde macht.