Ex-Präsident Trump wird 75

​Strippenzieher mit Twitter-Verbot 

Der ehemalige US-Präsident Donald J. Trump. Foto: epa/Jim Lo Scalzo / Pool
Der ehemalige US-Präsident Donald J. Trump. Foto: epa/Jim Lo Scalzo / Pool

WASHINGTON: Donald Trump feiert seinen ersten Geburtstag seit dem Auszug aus dem Weißen Haus. Sein Einfluss bei den Republikanern ist zwar ungebrochen. Im Internet droht dem einstigen Twitter-Präsidenten aber der schmerzhafte Absturz in die Bedeutungslosigkeit.

Seit Wochen rühren die Republikaner in den USA die Werbetrommel für ihr prominentestes Mitglied: «Wir sammeln Unterschriften von Patrioten aus dem ganzen Land, um eine GEWALTIGE Geburtstagskarte zu füllen», heißt es in einer ihrer Mails. Das Geburtstagskind: Ex-Präsident Donald Trump, der am kommenden Montag (14. Juni) 75 Jahre alt wird. Seit seinem Auszug aus dem Weißen Haus - und seit seinem Rauswurf bei Twitter - ist es ruhiger um ihn geworden. Polit-Rentner ist der Ex-Präsident aber noch lange nicht. Im Hintergrund zieht er weiter die Strippen in seiner Partei. Auch sein Comeback als Präsidentschaftskandidat ist nicht ausgeschlossen.

Die Wahlniederlage ausgerechnet gegen den von ihm als «schläfrig» verspotteten Joe Biden will sich Trump bis heute nicht eingestehen. Der Demokrat Biden übrigens ist an Trumps Ehrentag in Brüssel, um die Beziehungen zu den europäischen Verbündeten zu flicken, die unter seinem Vorgänger schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der Ex-Präsident sieht sich durch «den größten Wahlbetrug in der Geschichte unseres Landes» um seinen Sieg gebracht, wie er nicht müde wird zu betonen. «Die große Lüge» nennen Trump-Kritiker inzwischen die gebetsmühlenartig vorgebrachte Behauptung, für die das Lager des Ex-Präsidenten bis heute keinen Beweis vorgebracht hat.

Trump pfiff im Weißen Haus auf Gepflogenheiten, dasselbe gilt für seine Rolle als Ex-Präsident. Die ersten Monate nach seiner Amtszeit verbrachte Trump in seinem Club Mar-a-Lago in Florida, inzwischen ist er in seinen Golfclub in Bedminster im Bundesstaat New Jersey übergesiedelt, sein Sommerdomizil. Normalerweise halten sich frühere Amtsinhaber mit Kritik am Nachfolger zurück. Trump dagegen schießt per Rundmails aus Florida und New Jersey gegen die Biden-Regierung, der er vorwirft, seine Errungenschaften zu «zerstören». Auch die Justiz ist zum Ziel seiner Angriffe geworden. Die New Yorker Staatsanwaltschaft - die die Herausgabe seiner Steuerunterlagen erstritten hat - ermittelt. Trump spricht von einer «Hexenjagd».

Die «Washington Post» berichtete Anfang Mai, Trump habe nach mehreren Wochen in Mar-a-Lago zu einem gewissen Rhythmus gefunden. Er schaue fern, telefoniere mit Verbündeten und empfange Parteifreunde. Beim Abendessen lasse der Ex-Präsident sich von Clubgästen applaudieren, er spiele Golf, und er «wettert gegen die Ergebnisse der Wahl 2020». An einer Bibliothek, die Ex-Präsidenten traditionell einrichten, habe Trump kaum Interesse gezeigt. Trump scheine zu befürchten, dass jedes Gespräch über sein politisches Erbe signalisiere, dass er bei der Präsidentenwahl 2024 nicht wieder antreten wolle.

Ob Trump noch einmal als Kandidat ins Rennen geht, dürfte auch davon abhängen, wie die Republikaner bei den Kongresswahlen im kommenden Jahr abschneiden. Trump will vor den Wahlen den Königsmacher spielen, indem er Kandidaten öffentlich unterstützt oder ihnen seine Unterstützung versagt. Sollten die Republikaner das Repräsentantenhaus und womöglich auch den Senat von den Demokraten zurückerobern, dürfte Trump das als seinen Erfolg verkaufen.

Wie groß Trumps Einfluss innerhalb seiner Partei noch ist, hat der Ex-Präsident kürzlich bewiesen, als er seine parteiinterne Kritikerin Liz Cheney aus deren Führungsposten in der Fraktion im Repräsentantenhaus wählen ließ. In der breiten Öffentlichkeit ist Trumps Einfluss allerdings dramatisch geschrumpft, was vor allem an den Sperren seiner Twitter- und Facebook-Konten liegt. Immer wieder haben Trump und sein Lager die Rückkehr des Ex-Präsidenten in die sozialen Medien angekündigt, womöglich auf einer eigenen Plattform. Was dann folgte, war aber eher ein Rohrkrepierer.

Anfang Mai startete Trump auf seiner Homepage einen Blog-Bereich, der Titel: «Vom Schreibtisch von Donald J. Trump». Ende Mai hieß es in einer Rundmail an seine Anhänger noch, der Ex-Präsident habe damit die «beherzte Rückkehr in die sozialen Medien» vollbracht. Drei Tage später ging der Blog offline - und nach einem Bericht der Zeitung «The Hill» ist eine Wiederbelebung nicht geplant. Zuvor hatte die «Washington Post» berichtet, Trumps Homepage habe binnen einer Woche weniger Besucher angezogen als beispielsweise die Haustier-Adoptionsseite Petfinder. Die Zeitung schrieb: «Im Internet gleitet der ehemalige Präsident Donald Trump auf etwas zu, gegen das er sein ganzes Leben lang gekämpft hat: Bedeutungslosigkeit.»

Trump kämpft dagegen natürlich an. Wenige Tage vor seinem Geburtstag schrieb er in einer seiner Rundmails, er habe zwei Angebote für Buchverträge abgelehnt, «weil ich im Moment keinen solchen Deal machen will. Ich schreibe aber trotzdem wie verrückt, und wenn die Zeit gekommen ist, werden Sie das Buch aller Bücher sehen. Tatsächlich arbeite ich im Moment an einem viel wichtigeren Projekt!» Welches Vorhaben das ist? Das lässt der Ex-Präsident offen.

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TheO Swisshai 16.06.21 12:40
@Carsten / Trumps Behauptungen
Die gebetsmühlenartig vorgebrachten Behauptungen Trumps wurden schon von ca. 50 Gerichten überprüft und als haltlos beurteilt.

Auch wenn Arizona zum selben Schluss kommt, Trump wird seine Niederlage niemals eingestehen, das kann ein Narzisst gar nicht und so wird er bis an sein Lebensende behaupten, es sei Wahlbetrug gewesen.

Was viel schlimmer ist, sind seine Anhänger. Die glauben ihm immer noch, selbst wenn weitere 100 Gerichte das Gegenteil sagen.

Das einzige das Trump als Narzisst besonders gut kann, ist anderen etwas vor machen.
TheO Swisshai 16.06.21 09:30
Typisch für einen Narzissten
Als Narzisst kann er eine Niederlage nicht akzeptieren, das war vorauszusehen.

Und so wird er bis an sein Lebensende behaupten, er sei der klare Sieger gewesen und durch Wahlbetrug um sein Amt gebracht worden. .