Linker Senator gegen rechten Anwalt

​Stichwahl  

Abelardo de la Espriella feiert nach dem Einzug in die Stichwahl bei der Präsidentschaftswahl in Kolumbien. Foto: EPA/Ernesto Guzmán Jr
Abelardo de la Espriella feiert nach dem Einzug in die Stichwahl bei der Präsidentschaftswahl in Kolumbien. Foto: EPA/Ernesto Guzmán Jr

BOGOTÁ: Die Entscheidung über Kolumbiens nächsten Präsidenten fällt erst in der Stichwahl. Dann steht das südamerikanische Land vor einer Richtungswahl zwischen links und rechts.

Die Präsidentschaftswahl in Kolumbien geht in eine Stichwahl zwischen dem rechtsgerichteten Anwalt Abelardo de la Espriella und dem linken Senator Iván Cepeda. Nach Auszählung von knapp 99,5 Prozent der Stimmen kam de la Espriella auf 43,7 Prozent und Cepeda auf knapp 41 Prozent, wie die Wahlbehörde mitteilte. Da keiner der Bewerber die absolute Mehrheit erreichte, fällt die Entscheidung über das Präsidentenamt erst in der Stichwahl am 21. Juni.

Rund 41 Millionen Bürgerinnen und Bürger waren aufgerufen, einen Nachfolger des linken Präsidenten Gustavo Petro zu wählen, der nach der Verfassung nicht erneut kandidieren durfte. Die Abstimmung galt auch als Entscheidung darüber, ob Kolumbien den von Petro eingeschlagenen Kurs mit höheren Sozialausgaben und Verhandlungen mit bewaffneten Gruppen fortsetzt oder einen konservativeren Weg einschlägt.

Die konservative Senatorin Paloma Valencia, die vor der Wahl ebenfalls zu den aussichtsreichsten Bewerbern gezählt hatte, landete mit knapp sieben Prozent der Stimmen deutlich hinter den beiden Spitzenkandidaten. Cepeda tritt für das Regierungslager an und will den Reformkurs Petros fortsetzen. De la Espriella wirbt dagegen für einen harten Sicherheitskurs, einen schlankeren Staat und ein kompromissloses Vorgehen gegen bewaffnete Gruppen.

Sicherheitslage prägte den Wahlkampf

Der Wahlkampf war zuletzt von einer angespannten Sicherheitslage überschattet worden. Im Vorfeld der Abstimmung kam es zu mehreren Anschlägen, bei denen Zivilisten, Soldaten und Polizisten getötet oder verletzt wurden. Die Leiterin des Kolumbien-Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), Kristin Wesemann, hatte zuletzt von «einer der schwersten Gewaltwellen der letzten Jahre» gesprochen.

Petro war 2022 als erster linker Präsident in der Geschichte Kolumbiens gewählt worden. Während seine Anhänger auf sinkende Armutszahlen, höhere Sozialausgaben und Mindestlohnerhöhungen verweisen, werfen Kritiker ihm vor, mit seinem Vorhaben eines «totalen Friedens» keinen entscheidenden Durchbruch gegen bewaffnete Gruppen erreicht zu haben.

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